Satellitenbild der Woche Eisige Straßenverhältnisse

Es ist eine weiße Weite: In der Beringstraße stauen sich die Eisschollen, an der Sankt-Lorenz-Insel ebenfalls. Wer sich ein aktuelles Satellitenbild des Meeres zwischen Russland und Alaska ansieht, könnte daran zweifeln, dass das Eis der Arktis langfristig immer weiter zurückgeht.

Meereis in der Beringsee: Nordwind türmt die Schollen auf
NASA

Meereis in der Beringsee: Nordwind türmt die Schollen auf


Berlin - Das Meereis der Arktis schmilzt immer weiter ab. Doch für einige Bewohner von Alaska muss diese Feststellung wie Hohn klingen. Die Stadt Nome in Alaska (Eigenwerbung: "There's No Place Like Nome!") musste in diesem Winter von einem russischen Tanker mit Sprit versorgt werden. Doch der hatte trotz Hilfe eines US-Eisbrechers Mühe, sich durch die Beringsee zu kämpfen, so hoch hatten sich die Eisschollen aufgetürmt. Der Treibstoff musste schließlich mit einem übers Eis verlegten Schlauch ans Land gepumpt werden.

Und ein aktuelles Bild des Nasa-Satelliten "Aqua" zeigt, dass die Beringsee noch immer von Eis verstopft ist. Die Aufnahme vom Montag wurde aus knapp 700 Kilometern Höhe aufgenommen. Links ist Sibirien zu sehen, rechts Alaska. Und oben im Bild liegt die Beringstraße, die 85 Kilometer breite Meerenge zwischen beiden Staaten und Kontinenten.

Im Wasser wiederum zeichnen sich große Mengen Eis ab, die sich auch von der ebenfalls weißen Wolkendecke unterscheiden lassen. Viele der Schollen sind durch anhaltenden Nordwind aus der Gegend um den Nordpol nach Süden gedrückt worden. In den flachen Gewässern der Beringstraße haben sie sich gestaut. Auch nördlich der Sankt-Lorenz-Insel in der Bildmitte türmen sich die Schollen hoch auf - ein Alptraum für Fischerboote und Versorgungsschiffe in der Region.

Das National Snow and Ice Data Center in den USA hat ausgerechnet, dass die Eisausdehnung in der Beringsee diesen Winter den zweithöchsten Wert seit Start der Aufzeichnungen erreicht hat - und 20 bis 30 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 1979 bis 2000. Es handelt sich zum größten Teil um junges Meereis. Die Schollen haben sich also erst in diesem Winter gebildet.

Die Eissituation in der Beringsee unterscheidet sich dramatisch von der in weiten Teilen der restlichen Arktis. In Regionen wir der Kara-, der Barents- und der Laptewsee lag die Eisbedeckung im Januar und Februar ungewöhnlich niedrig. Dafür lagen die Temperaturen teils vier bis acht Grad über dem Durchschnitt. Und so gehen die Ereignisse in der Beringsee sehr wohl mit der Erwärmung der Arktis zusammen - auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht so aussehen mag.

chs

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.