Satellitenbild der Woche Verdammt, hier war doch mal ein See!

Noch vor fünf Jahren war die Laguna de Aculeo in Chile ein angesagtes Wassersportgebiet. Jetzt sitzen Schwimmer und Surfer auf dem Trockenen. Im Satellitenbild ist das Ausmaß des Umweltdramas zu erkennen.

Kein Wasser, nur noch Vegetation: die Laguna de Aculeo in Chile
NASA

Kein Wasser, nur noch Vegetation: die Laguna de Aculeo in Chile


Schwimmen, Bötchen-Fahren, Wasserski - alles war möglich. Lange war die Laguna de Aculeo ein beliebtes Ferienziel für die Bewohner von Santiago de Chile.

Nur zwei Fahrstunden von der Hauptstadt entfernt lag der See verborgen in einem Tal und galt als Paradies für Wassersportler. Die Laguna hatte eine Fläche von 12 Quadratkilometern und war rund sechs Meter tief.

Doch seit 2018 ist nichts mehr, wie es einmal war. Als hätte jemand den Stöpsel aus der Badewanne gezogen, ist das Wasser aus dem See komplett verschwunden. Nur noch eine Kruste aus vertrocknetem Schlamm und ein ebener Teppich aus flacher Vegetation erinnert daran, dass hier einst geplantscht und getaucht werden konnte.

Das Satellitenbild der Woche besteht diesmal aus zwei Vergleichsaufnahmen vom Februar 2014 und vom März 2019. Die Bilder legen ein trauriges Zeugnis davon ab, wie sich eine nie dagewesene Langzeit-Dürre und menschliches Handeln in den vergangenen Jahren ausgewirkt haben. Die grüne Fläche auf der Aufnahme von 2019 ist kein Wasser mehr, sondern junge Vegetation. Eingefangen wurden die Bilder vom Satelliten Landsat 8 der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa.

Wissenschaftler sagen, dass ein ganzes Bündel von Faktoren zum Austrocknen des Sees geführt hat. Besonders starken Einfluss hatte demnach der Regenmangel in diesem Jahrzehnt. Seit 2010 leidet die gesamte Gegend um Santiago de Chile unter einer langanhaltenden Trockenheit, einer sogenannten Megadürre. Zwar ist in der Region starke Trockenheit angesichts des semiariden, mediterranen Klimas keine Seltenheit. Doch eine solche Dürrephase hat es nach Angaben der Universität in Santiago de Chile im 20. Jahrhundert noch nie gegeben.

Die Experten gehen davon aus, dass die Megadürre zu etwa einem Viertel auf den Klimawandel und die damit verbundene Erderwärmung zurückzuführen ist. Eine weitere Ursache sehen sie in natürlichen Schwankungen der atmosphärischen Zirkulation, der Meerestemperaturen und der Regenfälle.

Fotostrecke

30  Bilder
Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Der Geophysiker René Garreaud von der Universität in Santiago hat berechnet, dass die Laguna de Aculeo etwa die Hälfte ihres Wassers aufgrund der Dürre verloren hat. Daneben sei vor allem das starke Wachstum der nahegelegenen Ortschaft Paine am Verschwinden des Sees schuld. Zwischen 2002 und 2017 wuchs die dortige Bevölkerung laut nationaler Statistikbehörde um 45 Prozent. Der Wasserverbrauch ist nach Garreauds Berechnungen in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent gestiegen.

jki



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.