Satellitenbild Warum in Australien Seen abtauchen

Die Menindee-Seen im australischen New South Wales verschwinden von Zeit zu Zeit. Derzeit ist das Phänomen wieder zu beobachten.

Menindee-Seen in New South Wales (Australien)
NASA/Lauren Dauphin

Menindee-Seen in New South Wales (Australien)


Romantischer als das kleine Örtchen Menindee könnte eine Stadt kaum liegen. Denn Menindee befindet sich im australischen Darling Shire an den Ufern des Darling River, also in der Schätzchen-Grafschaft am Schätzchen-Fluss. Der Darling River ist mit gut 2844 Kilometern der längste Fluss Australiens (Quellflüsse mit eingerechnet). Hinter dem Namen des Flusses steckt allerdings keine herzzerreißende Geschichte, sondern diese:

Im Jahr 1828 organisierte der Gouverneur von New South Wales, Ralph Darling, eine Expedition in die Region - dabei wurde der Fluss "entdeckt". Die australischen Ureinwohner kannten ihn natürlich längst. Trotzdem galt wie bei so vielen vermeintlichen Entdeckungen: Wer für sie bezahlt, bekommt den ganzen Ruhm. So wurde aus dem Fluss der Darling River.

Heute leben nur wenige Hundert Menschen in Menindee, mehr als 600 Kilometer nordöstlich von Adelaide. Viel los ist dort nicht, zu einer der bekanntesten Attraktionen gehören die vielen Seen in der Region, die immer mal auftauchten oder verschwanden, je nachdem wie viel es regnete. Was für einige ein beeindruckendes Naturschauspiel sein mag, war für die vielen Bauern in der Region ein Ärgernis.

Denn ausgerechnet dann, wenn sie dringend Wasser brauchten, war es nicht da. Sie beschlossen deshalb, die Seen in Speicher zu verwandeln. Seit 1968 leiten Wehre am Darling River Wasser in die Seen. Bei Hochwasser laufen sie voll, und die Landwirte können das Wasser nach und nach für ihre Felder nutzen. Allein durch Verdunstung verlieren die Seen pro Jahr eine Wassermenge, die mehr als 15.500 olympische Wasserbecken füllen könnte.

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Doch in diesem Jahr werden die Seen für den Darling River zum Problem. Schon seit August ist es deutlich wärmer und trockener als sonst. In einigen Regionen Australiens wurden 50 Grad Celsius im Schatten gemessen. Teile des Darling River fielen trocken, der Fluss kam zum Stehen - ideale Bedingungen für Algen, die sich massenhaft vermehrten.

Als eine unerwartete Kaltfront einen Großteil der Algen abtötete, machten sich Bakterien über ihre Reste her und verbrauchten dabei den größten Teil des verfügbaren Sauerstoffs im Wasser. Millionen Fische erstickten und schwammen bäuchlings auf dem Fluss. Das Gewässer war "gekippt", wie Ökologen das Phänomen nennen.

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NASA/Lauren Dauphin

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Satellitenbilder der Nasa zeigen, wie schnell die Menindee-Seen austrockneten. Im Dezember 2016 schwappten sie noch fast über, gut zwei Jahre später, im Februar, waren sie dagegen nahezu ausgetrocknet. Die Aufnahmen stammen vom Operational Land des Erdbeobachtungssatelliten Landsat 8.

Derzeit versuchen Behörden, so viel Wasser wie möglich flussaufwärts zu halten, am Lake Wetherell und Lake Pamamaroo. Die beiden Seen versorgen die nahe gelegene Stadt Broken Hill mit Trinkwasser.

koe



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