"Messenger"-Daten Planet Merkur wird immer kleiner

Wenn es kalt wird, ziehen sich Substanzen zusammen. Der Planet Merkur macht da keine Ausnahme, zeigen Daten der Raumsonde "Messenger": Seit seiner Entstehung ist der Planet um mehr als zehn Kilometer zusammengeschrumpelt.
Schrumpelplanet Merkur: Der Schrumpfprozess hat deutliche Spuren auf der Oberfläche hinterlassen

Schrumpelplanet Merkur: Der Schrumpfprozess hat deutliche Spuren auf der Oberfläche hinterlassen

Foto: NASA/ Johns Hopkins UC Applied Physics Laboratory/ Carnegie Institution of Washington

Eine neue Kartierung des Merkur ergab Erstaunliches: Der Durchmesser des sonnennächsten Planeten sank in den vergangenen vier Milliarden Jahren stärker als bislang bekannt. Der Rückgang in dieser Zeit betrage etwa 14 Kilometer und damit mehr als doppelt so viel wie frühere Analysen ergeben hatten. Das schließen Forscher um Paul Byrne von der Carnegie Institution in Washington aus der Auswertung neuer Aufnahmen der US-Raumsonde "Messenger", wie sie im Fachblatt "Nature Geoscience" schreiben .

Die Wissenschaftler hatten in den "Messenger"-Daten, die erstmals die komplette Merkuroberfläche abdecken, mehr als 5900 typische geologische Formationen von 9 bis 900 Kilometern Länge identifiziert und analysiert.

Zuvor war nur knapp die Hälfte der Merkuroberfläche kartiert gewesen. Die Analyse geologischer Formationen in diesen Daten hatte ergeben, dass der Merkurdurchmesser maximal um etwa sechs Kilometer geschrumpft war. Dies stand allerdings im Widerspruch zu Modellrechnungen für die thermische Kontraktion, die ein Schrumpfen des Durchmessers von 10 bis 20 Kilometer vorausgesagt hatten.

Planet Merkur: Ein Durchmesser von 4880 Kilometern

Planet Merkur: Ein Durchmesser von 4880 Kilometern

Foto: NASA/ Johns Hopkins UC Applied Physics Laboratory/ Carnegie Institution of Washington

Nun wurden die Modellrechnungen bestätigt: "Diese neuen Ergebnisse lösen ein jahrzehntealtes Paradox", sagt Byrne in einer Mitteilung der Carnegie Institution. "Jetzt sind die Geschichte der Wärmeproduktion und des Wärmeverlusts mit der globalen Kontraktion in Einklang."

Der Merkur ist seit seiner Entstehung abgekühlt und hat sich entsprechend zusammengezogen - insbesondere sein ungewöhnlich großer Eisenkern, der den meisten Platz im Inneren des Planeten füllt. Heute beträgt der Merkurdurchmesser 4880 Kilometer, die inneren rund 4000 Kilometer davon sind Eisen. Zum Vergleich: Der Durchmesser der Erde beträgt etwa 12.740 Kilometer. Da der Merkur anders als die Erde keine Kontinentalplatten besitzt, sondern eine durchgehende feste Oberfläche, hat der Schrumpfprozess charakteristische Spuren wie gebogene, kliffartige Steilwände hinterlassen.

jme/dpa
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