Treibstoff leer "Messenger"-Sonde soll auf Merkur krachen

Vier Jahre lang umkreiste die Nasa-Sonde "Messenger" den sonnennächsten Planeten Merkur. Nun ist die Mission vorbei. Das Gerät soll am Donnerstag kontrolliert auf den Planeten stürzen.

AFP / Nasa

Das Ende soll noch einmal spektakulär werden. Mit einem Sturz auf den Merkur soll sich die Nasa-Sonde "Messenger" am Donnerstag nach mehr als zehn Jahren Forschungsarbeit aus dem Dienst verabschieden. Dann wird der Treibstoff aufgebraucht sein und "Messenger" mit fast vier Kilometern pro Sekunde auf den Merkur knallen. Die nur rund drei Meter große Sonde wird dabei einen Krater mit einem Durchmesser von 16 Metern auf dem der Sonne nächsten Planeten hinterlassen.

Bis ungefähr zehn Minuten vor dem Aufprall auf den Merkur werden die Nasa-Wissenschaftler noch Kontakt zu "Messenger" haben. Dann heißt es Abschied nehmen und das - weil der fatale Sturz der altersmüden Sonde auf der erdabgewandten Seite geschehen wird - ohne einen letzten Blick.

"Der Betrieb der Sonde wird dann vorbei sein, aber wir feiern 'Messenger' als eine mehr als erfolgreiche Mission", sagt Nasa-Manager John Grunsfeld. "Zugleich ist es der Beginn einer noch längeren Mission, die darin besteht, die Daten zu analysieren, die alle wissenschaftlichen Geheimnisse von Merkur offenlegen." Mehr als 250.000 Fotos hat "Messenger" geknipst (Auswahl siehe Fotostrecke) und viele Terabyte an Daten gesammelt.

Karte vom sonnennächsten Planeten

Die Sonde, deren Name auf Deutsch Bote bedeutet und eine Abkürzung für "MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry, and Ranging" ist, hat in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet. Als sie im August 2004 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida startete, hatte es zuvor mehr als 30 Jahre lang keine Mission zum Merkur mehr gegeben. "Mariner 10", die einzige Vorläufer-Mission, hatte nur die Hälfte der Oberfläche des seit mehr als 3000 Jahren bekannten Merkur kartiert.

Die acht wissenschaftlichen Instrumente an Bord von "Messenger" werden mit einem Schild aus Spezialkeramik gegen die Hitze der Sonne geschützt. Mit ihrer Hilfe entdeckte "Messenger" unter anderem unerwartet starken Vulkanismus, einen ungewöhnlichen Eisenmangel in der Oberfläche und Hinweise auf Wasser.

Außerdem fotografierte die Sonde die letzten bis dahin noch unbekannten Gebiete des Planeten. "Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir jetzt ein wirkliches Wissen über Merkur, das ihn als einen faszinierenden Teil unseres Sonnensystems zeigt", sagt Nasa-Manager Grunsfeld.

Temperaturen zwischen -200 und 400 Grad

Mehr als 19 Milliarden Kilometer hat "Messenger" seit ihrem Start zurückgelegt. Nach fast sieben Jahren erreichte die rund 500 Kilogramm schwere Sonde 2011 die Umlaufbahn des Merkur. Mit einer Düse verringerte sie ihr Tempo damals so stark, dass sie von der Anziehungskraft des Merkur erfasst und in seine Umlaufbahn gezogen wurde.

Eigentlich sollte "Messenger" den Planeten, der etwas größer als der Erdmond ist und innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreist, anschließend nur einmal umrunden. Weil Zustand und Tank es zuließen, wurde die Mission aber gleich zweimal um insgesamt vier Jahre verlängert.

Besonders einladend ist der Planet nicht, das war der Nasa schon vor der Mission klar. Nachts wird es auf dem Merkur fast -200 Grad Celsius kalt, tagsüber erhitzt es sich auf Temperaturen von 400 Grad und mehr. Und Sonnenuntergang ist erst nach einem Merkurjahr - das ist immerhin 88 Erdentage lang.

jme/dpa

insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vegiwhopper 29.04.2015
1. Aua!
kevinschmied704 29.04.2015
2. ja das war ein erfolg glückwunsch an die NASA
nun wenden wir uns der anderen seite des sonnensystems zu... die new horizon wird unser hrizont erweitern. :) bin schon auf die ersten bilder gespannt. :) gruss
brooklyner 29.04.2015
3.
Ach schade, es würde sicher grossartiges Bildmaterial geben, könnte man den Absturz bis zur letzten Sekunde ansehen.
ThomasGB 29.04.2015
4. Komischerweise ...
.. ist hier kein Meckerer da. Dabei ist das in wissenschaftlicher Hinsicht wirklich Geldverschwendung. Was soll an einem größeren Gesteinsbrocken der zufällig als Nähester um die Sonne kreist so interessant sein? Das einzige was daran interessant ist, daß man am Merkur relativistische Effekte messen kann, von der Erde aus, wohlgemerkt. Jedes weitere Wissen über Merkur ist meineserachtens nur wissenschaftliches Ballastwissen.
Le_Bassiste 29.04.2015
5.
..wirklich? muss es nicht heißen "hat kein Tank mehr"? (facepalm)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.