Meteoriten Asteroiden-Crash lässt seit Jahrmillionen Steine regnen

Eine gewaltige Kollision zweier Asteroiden hat einst einen Meteoritenhagel auf die Erde niedergehen lassen. Deutsche Forscher haben jetzt den Zeitpunkt des Crashs bestimmt. Er ist noch heute für jeden dritten Meteoriten verantwortlich, der die Erde trifft.

Es müssen zwei gewaltige Brocken gewesen sein, die vor 470 Millionen Jahren zusammengestoßen sind. "Einer war mindestens hundert Kilometer groß, der andere sogar mehrere hundert Kilometer", sagt Mario Trieloff vom Mineralogischen Institut der Universität Heidelberg. Als die beiden Riesen aufeinandertrafen, war das Gestein sekundenlang einem Druck von vielen Hunderttausend Bar ausgesetzt.

Das haben Untersuchungen an den Bruchstücken ergeben, die sich auf der Erde wiederfanden. Denn der Crash, der sich im Asteroidengürtel zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter ereignete, ging auch an der Erde nicht spurlos vorüber: Der Planet fand sich über mehrere Millionen Jahre in einem Dauerfeuer wieder. Kleine Meteoriten schlugen in dieser Zeit laut Trieloff etwa hundertmal häufiger ein als in der Neuzeit. Aus derselben Periode stammen auch fünf bis sechs Krater von verheerenden Treffern: Meteoriten von bis zu 1,5 Kilometern Größe sind damals auf die Erde niedergegangen. Bis heute ist die kosmische Kollision für etwa jeden dritten Meteoriteneinschlag auf der Erde verantwortlich.

Fossile Meteoriten im Steinbruch

Schon lange hegen Wissenschaftler den Verdacht, dass eine ganze Klasse von Meteoriten - die sogenannten L-Chondrite - von dem Zusammenstoß der beiden großen Asteroiden stammt. Trieloff und seinen Kollegen ist es nun mithilfe einer neuen Methode gelungen, den monumentalen Crash genauer zu datieren als je zuvor. Er hat sich demnach vor 470 Millionen Jahren ereignet. Die größtmögliche Abweichung betrage lediglich sechs Millionen Jahre, schreiben die Forscher in der Januarausgabe der Fachzeitschrift "Meteoritics and Planetary Science" (Bd. 42, S. 113).

Vor etwa zehn Jahren hatten Wissenschaftler erstmals fossile Meteoriten in einem schwedischen Steinbruch entdeckt. Da die Brocken stark verwittert waren, konnten sie chemisch oder mineralogisch nicht mehr zweifelsfrei identifiziert werden. Die Heidelberger Forscher haben nun mit ihrer radiometrischen Datierungsmethode nachgewiesen, dass es sich um L-Chondrite handelt, die noch heute auf die Erde treffen.

Stratigrafische Untersuchungen - die Altersbestimmung anhand der Erdschicht, in der ein Objekt gefunden wird - hätten diesen Befund bestätigt, sagte Trieloff zu SPIEGEL ONLINE. "Sie ergaben ein Alter von 467 Millionen Jahren plus/minus zwei Millionen Jahre."

Explosion der Artenvielfalt durch Meteoritentreffer?

Von den fünf bis sechs größeren Brocken, die damals die Erde trafen, ist allerdings nichts mehr übrig. Ein 1,5 Kilometer großer Meteorit kann einen Krater von 30 Kilometern Durchmesser reißen - wie etwa am Beispiel des Nördlinger Ries bei Stuttgart zu sehen, das vor etwa 15 Millionen Jahren durch den Einschlag eines solchen Meteoriten entstand. "Das ist, als ob ein Berg der Größe des Feldbergs mit einer Geschwindigkeit von 50.000 Stundenkilometern die Erde trifft", heißt es in einer Mitteilung der Uni Heidelberg. Die dabei freiwerdende Energie entspreche der Sprengkraft von zehn Millionen Hiroshima-Bomben.

Bei einem solchen Tempo wird das Projektil kaum mehr von der Atmosphäre abgebremst, wie Trieloff erklärt: "Der Meteorit verdampft beim Aufschlag, nur der Krater bleibt."

Für das irdische Leben könnten das kosmische Bombardement vor 470 Millionen Jahren und die stark erhöhte Staubkonzentration in der oberen Atmosphäre indes überraschend positive Folgen gehabt haben. Birger Schmitz, unter dessen Leitung die fossilen Meteorite vor zehn Jahren in Schweden entdeckt wurden, mutmaßt, dass die Explosion der Artenvielfalt im mittleren bis späten Ordovizium etwas mit den Meteoritentreffern und den Klimaveränderungen dieser Zeit zu tun hat.

mbe/dpa

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