Satellitenbild der Woche Plage im Paradies

Selbst aus Hunderten Kilometer Höhe ist der traumhafte Strand der mexikanischen Insel Holbox zu erkennen. Doch das Meer schwemmt übel riechende Biomasse an.

Insel Holbox in Quintana Roo, Mexiko
ESA

Insel Holbox in Quintana Roo, Mexiko


Cancún ist in Mexiko so etwas wie der Ballermann auf Mallorca. Horden von feierwütigen Touristen machen hier Urlaub - oft mit zu viel Alkohol. Doch ähnlich wie auf der Mittelmeerinsel gibt es nicht weit von Cancúns Flughafen paradiesische Gefilde. Wer es ruhig mag, kann sich entlang der Küstenstraßen Richtung Süden in beschaulichere Ortschaften treiben lassen. Und wer es noch ruhiger mag, der setzt auf eine der Inseln vor der Küste des Bundesstaats Quintana Roo über.

Zum Beispiel nach Holbox.

Das schmale Eiland auf dem Satellitenbild oben besteht komplett aus Sand. Im Norden zieht ein endlos langer Strand einen weißen Strich zwischen Meer und Land. Das Wasser ist glasklar und tiefblau - wie könnte es anders sein. Ganz im Westen beherbergt die einzige Ortschaft Touristen, die beispielsweise zum Tauchen mit Walhaien herkommen. Ein Großteil der Insel besteht aus dem Yum-Balam Biosphärenreservat. Auf dem Bild oben erkennt man die Vegetation, sie ist rot eingefärbt.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Holbox wird in der Maya-Sprache "Holbosh" ausgesprochen, es heißt soviel wie "Schwarzes Loch". Der Name bezieht sich wohl auf das dunkle Wasser einer Lagune auf der Insel.

Doch in diesem Sommer bedrohte eine dunkle Gefahr die Insel: Braunalgen. Massenweise wurden Sargassum-Algen an den Strand gespült. Schon Christoph Kolumbus sollen im 15. Jahrhundert Teppiche dieser Algenart in der Sargassosee aufgefallen sein. Im Meer bilden die Algen Habitate für viele Meerestiere und binden sogar klimaschädliches Kohlendioxid.

Doch wenn sie an Land in großen Haufen anfallen, werden sie zum Problem. Sie verrotten und entwickeln dabei einen stechenden Geruch. Zudem locken sie massenweise Fliegen an. Das missfällt Touristen, von denen ist die Region aber stark abhängig. Mexikos Regierung hat bereits viele Millionen Dollar ausgegeben, um mehr als 500.000 Tonnen Sargassum von ihren Stränden zu entfernen.

Strand auf Holbox in Mexiko
Panthermedia/ imago images

Strand auf Holbox in Mexiko

In den letzten Jahren hat die Sargassum-Plage weltweit zugenommen. Deshalb rückt die Braunalge zunehmend in den Fokus der Forschung.

Um herauszufinden, wie und wo die Algenteppiche treiben, nutzen Wissenschaftler Satellitendaten wie auf dem Bild oben. Es wurde am 6. Juli 2019 aufgenommen und nun von der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa veröffentlicht.

Die Aufnahme des "Sentinel-2"-Satelliten aus dem Copernicus-Programm enthüllt das herantreibende Unheil: Die roten Streifen im Meer vor der Küste zeigen die Braunalgen. Um sie sichtbar zu machen, nutzen die Forscher ein sogenanntes Falschfarbenbild. Dabei werden einzelne Bildabschnitte aus den Daten des Satelliten-Radargeräts von den Esa-Forschern bunt eingefärbt. So werden entsprechende Informationen wie etwa unterschiedliche Vegetationsbereiche sehr viel leichter erkennbar. Auf dem Bild sind sie rot.

Im Oktober trafen sich erstmals Forscher auf Guadeloupe zur ersten internationalen Sargassum-Konferenz. Dort berichteten Wissenschaftler über ihre Erkenntnisse und erörterten Lösungen, wie Küstenorte mit dem massiven Anstieg der Algen umgehen können.

Wie bedeutend das Problem global gesehen ist, hatten Forscher in einer Studie gezeigt, die im Sommer im Fachmagazin "Science" veröffentlicht wurde. Sie hatten den sogenannten Great Atlantic Sargassum Belt untersucht, der im Nordatlantik von Westafrika bis zum Golf von Mexiko treibt. Nach den Daten der Forscher wird er seit Jahren immer größer. Das liegt beispielsweise an Düngemitteln, die über Flüsse in die Meere gelangen. Der Great Atlantic Sargassum Belt hat inzwischen eine Länge von 8850 Kilometern erreicht. Das entspricht in etwa der Chinesischen Mauer.

joe



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senfdazu66 11.11.2019
1. E Fuels draus machen!
Mein Vorschlag: eine schwimmende Fabrik mit diesem kostenlosen selbst nachwachsendem Algenteppich mitschwimmen lassen, die Algen einsammeln und mit Bioreaktoren zu Efuels bzw. Biotreibstoffen umwandeln. Vorbeikommende Tankschiffe nehmen den Treibstoff mit und bringen ihn zum Verbraucher. Das ist CO2 neutral und löst das Algenproblem. Problem wird sein, dass in den Algen viel störendes Wasser ist das erst mal mit Energie verdunstet werden muss. Das senkt den Gesamtwirkungsgrad aber vielleicht lohnt es sich doch. Müsste man untersuchen...
Cugel 11.11.2019
2. Biogasdrohnenschiffchen
Zitat von senfdazu66Mein Vorschlag: eine schwimmende Fabrik mit diesem kostenlosen selbst nachwachsendem Algenteppich mitschwimmen lassen, die Algen einsammeln und mit Bioreaktoren zu Efuels bzw. Biotreibstoffen umwandeln. Vorbeikommende Tankschiffe nehmen den Treibstoff mit und bringen ihn zum Verbraucher. Das ist CO2 neutral und löst das Algenproblem. Problem wird sein, dass in den Algen viel störendes Wasser ist das erst mal mit Energie verdunstet werden muss. Das senkt den Gesamtwirkungsgrad aber vielleicht lohnt es sich doch. Müsste man untersuchen...
Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass die benötigte Prozessenergie viel Treibstoff übrig lässt. Aber für die Tourismusländer wäre dadurch ja trotzdem schon viel gewonnen, Hauptsache, die Algen werden aus dem Wasser entfernt. Aber auch wenn kein E-Fuel dabei rauskommt, die anfallenden Rückstände könnten vermutlich als Dünger Verwendung finden und wären dem Meer erstmal entzogen (bis sie natürlich über die Flüsse wiederkommen).
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