Mexiko Russischer Weltraumschrott löst Meteoriten-Alarm aus

Es war es kein Vogel, kein Flugzeug und auch kein Meteorit: Abgestürzter russischer Weltraumschrott hat Zentralmexiko in Alarmbereitschaft versetzt. Die Reste des Aufklärungssatelliten "Cosmos 2421" gingen mit einem lauten Knall und starker Erschütterung über den Bundesstaaten Hidalgo und Puebla nieder.

Weltraumschrott (Computergrafik): Bis zu 12.000 Objekte umkreisen die Erde
ESA / AFP

Weltraumschrott (Computergrafik): Bis zu 12.000 Objekte umkreisen die Erde


Es war laut, und es rummste ordentlich: Russischer Weltraumschrott hat bei seinem Eintritt in die Erdatmosphäre in Teilen Mexikos Befürchtungen vor einem Meteoriten-Einschlag ausgelöst. Der Knall und eine starke Erschütterung schreckten die Bevölkerung der zentralmexikanischen Bundesstaaten Hidalgo und Puebla am Mittwoch auf.

Nach Mitteilung der mexikanischen Weltraumbehörde war das leuchtende Objekt, das vom Himmel fiel, aber kein Meteorit, sondern ein Trümmerteil des russischen Aufklärungssatelliten "Cosmos 2421".

Der Knall sei durch den Eintritt des Satellitenteils in die Erdatmosphäre verursacht worden, sagte der mexikanische Weltraum-Experte Fernando de la Peña. Dabei sei das Objekt "praktisch pulverisiert" und auf "die Größe einer Faust" reduziert worden. Aus diesem Grund seien auch keine Spuren des Satelliten am Boden gefunden worden. Einige Bewohner berichteten, sie hätten gesehen, wie der Himmelskörper ein großes Loch in den Boden gerissen habe.

"Cosmos 2421" war den Angaben zufolge im Juni 2006 ins All geschossen worden. Nach nur zwei Jahren aber gab er schon den Dienst auf. Der defekte Satellit sei damals in 15 Teile zerbrochen. Das US-Verteidigungsministerium habe in der Vergangenheit bereits darauf hingewiesen, dass eines der Teile auch über Mexiko in die Erdatmosphäre eintreten könnte.

Der zunehmende Weltraumschrott beunruhigt die Weltraumbehörden immer mehr. Bis zu 12.000 Objekte ab einem Zentimeter Größe kreisen mittlerweile um die Erde. Die Höhe entscheidet, wie lange der Weltraumschrott im All bleibt: Objekte, die in weniger als 200 Kilometern um den Planeten reisen, verglühen innerhalb weniger Tage in der Atmosphäre. Alles jenseits von 800 Kilometern kann hingegen eine halbe Ewigkeit kreisen. Besonders viele fliegende Schrotteile gibt es in 800, 1000 und 1500 Kilometern Höhe.

Große Trümmerteile verglühen nicht vollständig in der Atmosphäre und schlagen auf der Erde ein. Aber vor allem für die Raumfahrt ist Weltraumschrott eine echte Bedrohung. So musste beispielsweise vor knapp einem Jahr die Internationale Raumstation ISS zeitweise evakuiert werden - ein ausgedienter Motor hatte sich ihr bedrohlich genähert. Das Ganze ging dann gut aus, aber einen Monat zuvor waren zwei Satelliten im All kollidiert. Wieder war es russischer Schrott gewesen: der ausgediente Satellit "Cosmos 2251".

lub/AFP



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