Milliardenprojekt Bundeswehr bekommt eigene Kommunikationssatelliten

Bisher muss die Bundeswehr kommerzielle Satelliten anmieten, um die Kommunikation ihrer Soldaten bei Auslandsmissionen abzuwickeln. Zwei neue fliegende Kommunikationszentralen sollen das nun ändern. Doch trotz des Milliardenprojekts muss die Truppe weiterhin auch extern zukaufen.

EADS Astrium

Berlin - Der Transport verlief in aller Heimlichkeit. Als der Satellit "SatcomBW" Ende August zum Startplatz Kourou in Französisch-Guayana verschifft wurde, erfuhr die Öffentlichkeit erst einmal gar nichts. Nun, wenige Tage vor dem Start, ist klar: Die Bundeswehr bekommt schon bald ihren ersten Kommunikationssatelliten. Er soll Ende des Monats mit einer "Ariane 5"-Rakete in die Erdumlaufbahn gebracht werden.

Der Bundestag hatte das Projekt im Sommer 2006 gebilligt. Der 2,4 Tonnen schwere, vom französischen Konzern Thales-Alenia gebaute Satellit soll der Truppe bei ihren Auslandseinsätzen helfen: Telefongespräche via Satellit, Intranetzugang, Datenaustausch und Videokonferenzen soll die fliegende Kommunikationszentrale ermöglichen.

Ein weiterer Satellit soll Anfang des kommenden Jahres starten. Läuft alles nach Plan, ist das System bis Ende 2010 einsatzfähig. Die beiden Satelliten werden in einer geostationären Umlaufbahn positioniert. Von dort können sie ein Gebiet versorgen, dass von 100 Grad West (Mexiko-City) bis 120 Grad Ost (Shanghai) und jeweils bis 70 Grad Nord und Süd reicht.

Der Chef der für den Start verantwortlichen EADS-Raumfahrttochter Astrium, Evert Dudok, sagte, das Auftragsvolumen inklusive Start und Betrieb liege bei knapp einer Milliarde Euro. Die Satelliten sind für eine Betriebszeit von 15 Jahren ausgelegt. Betrieben werden sie vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Bundeswehr kauft zwei verschiedene Arten von Bodenstationen für den Einsatz im Feld: einen etwa neun Tonnen schweren Schiffscontainer, der mit einem Anhänger transportiert werden muss - und eine kleinere, mobile Version.

Weiterer Schritt zu technischer Emanzipation

Bisher sei man bei der Kommunikation der Truppen auf dem Balkan, in Afrika oder aktuell in Afghanistan mit dem Hauptquartier in Potsdam auf kommerzielle Anbieter angewiesen gewesen, sagte Bundeswehr-Oberst Pirmin Meisenheimer. Dies sei oft sehr kostspielig gewesen.

Zwar habe die Bundeswehr nie auf dem Trockenen gesessen, sagte Meisenheimer. "Aber auf die Schnelle das zu kriegen, was man braucht, ist natürlich schwierig." Zwei eigene Satelliten anzuschaffen, sei auf Dauer günstiger. Außerdem könne die Bundeswehr eigene Frequenzen nutzen und frei über die Kapazitäten verfügen. "Wir wollten etwas, das wir selbstständig verplanen können."

Die beiden neuen Kommunikationssatelliten werden den deutschen Soldaten nicht ausreichen, so viel steht jetzt schon fest. Deswegen wird die Truppe auch weiterhin kommerzielle Übertragungskapazitäten von "Intelsat"-Satelliten anmieten.

"SatcomBW" ist ein weiterer Schritt bei der technischen Emanzipation der Bundeswehr. Seit dem vergangenen Jahr verfügen die Streitkräfte mit den fünf "SAR-Lupe"-Satelliten über ein eigenes Aufklärungssystem im All. Die in etwa 500 Kilometer kreisenden Radarsatelliten liefern unabhängig von Tageszeit und Wetter hochauflösende Bilder von jedem Punkt der Erde.

chs/dpa



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