Mond Hinweise auf einstiges Magmameer entdeckt

Die Mondoberfläche war einst nahezu vollständig von flüssigem Magma bedeckt. Das bestätigen Aufnahmen der japanischen Raumsonde "Kaguya", auf denen Forscher fast flächendeckend ein charakteristisches Mineral nachweisen konnten.

Erdtrabant: Flüssiges Magma auf der Oberfläche
dpa

Erdtrabant: Flüssiges Magma auf der Oberfläche


Vor viereinhalb Milliarden Jahren schlug die Geburtstunde des Mondes. Ein riesiger Körper, etwa so groß wie der Mars, krachte auf die gerade erst entstandene Erde. Aus den Trümmerstücken formierte sich der Erdmond. Bei der Kollision wurde so viel Energie freigesetzt, dass obere Schichten des Mondes aufschmolzen - so lautet zumindest die gängige Theorie.

Dank Aufnahmen der japanischen Raumsonde "Kaguya" haben Forscher nun neue Indizien dafür, dass es auf der Oberfläche des Erdtrabanten tatsächlich ein gewaltiges Magmameer gegeben haben muss. Makiko Ohtake von der Japan Aerospace Exploration Agency in Kanagawa und ihre Kollegen untersuchten das Mineral Plagioklas. Fast 100 Prozent der Mondkruste enthalten dieses Mineral, das zu den Feldspaten gehört, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature" (Vol. 461, S. 236). Bisher lagen die Schätzungen bei 80 bis 90 Prozent.

Plagioklas auf dem Mond ist ein Bestandteil des Gesteins Anorthosit. Dieses findet sich auch auf der Erde, allerdings nicht in solcher Reinheit. Die Reinheit des Anorthosits auf dem Mond sei sehr auffällig, vor allem wenn man die Prozesse bedenke, die nötig seien, um solche Mengen des Gesteins hervorzubringen, erklären die Wissenschaftler. Das nun großflächig nachgewiesene Plagioklas sei vermutlich bei der Abkühlung der Magmameere auskristallisiert.

Mineral in allen Erhebungen nachgewiesen

Die Forscher machten sich eine Technik zunutze, bei der die Reflexion von Infrarotstrahlung an einer Oberfläche gemessen wird. Je nach Beschaffenheit der Fläche werden unterschiedliche Wellenlängen absorbiert und dementsprechend charakteristische Spektren reflektiert. So gelang den Wissenschaftlern eine sehr hohe Auflösung der Mondoberfläche, die sie mit bisherigen Methoden nicht erreicht hatten.

Ihre Bilder bestanden aus Pixeln mit Seitenlängen zwischen 20 und 62 Metern. Mit herkömmlichen Teleskopen konnten die Plagioklasvorkommen nur auf 200 Meter und meist sogar lediglich auf mehrere Kilometer genau aufgelöst werden. So entdeckten die Forscher, dass das Mineral Plagioklas viel weiter verbreitet ist als bisher angenommen.

Die Forscher konnten nachweisen, dass plagioklashaltiges Gestein praktisch in allen Spitzen, Wänden, Erhebungen und Ringen der Mondgebirge vorkommt. In den Vertiefungen ist das Mineral seltener: Erst in Kratern ab einer bestimmten Tiefe enthält das Gestein das Mineral. Die Forscher schließen daraus, dass zwischen etwa 3 und 30 Kilometern Tiefe der ganze Mond aus plagioklashaltigem Gestein besteht, das teilweise von anderen Gesteinsarten bedeckt ist.

hda/ddp

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