Europäische Weltraumorganisation Esa will Raumstation für die Erforschung des Mondes bauen

Für die neue Mondmission beteiligen sich die Europäer am Aufbau einer bemannten Raumstation in der Umlaufbahn des Erdtrabanten. Ziel ist es, dass auch Menschen auf dem Mond landen können.
Seit 1972 hat den Mond niemand mehr betreten - das könnte sich bald ändern

Seit 1972 hat den Mond niemand mehr betreten - das könnte sich bald ändern

Foto: EDDIE KEOGH/ REUTERS

Seit fast 50 Jahren war kein Mensch mehr auf dem Erdtrabanten: Die Apollo-17-Mission im Jahr 1972 war von Beginn an ein Abschiedsbesuch. Denn wegen Budgetkürzungen hatte die US-Raumfahrtbehörde Nasa die weiteren Flüge bis Nummer 20 streichen müssen - und im heißen Kalten Krieg hatten die USA dann andere Prioritäten.

Das könnte sich nun ändern: Die Europäische Weltraumorganisation Esa will nächste Woche detaillierte Pläne für die nächste Mondmission vorstellen. Ziel ist es, dass auch wieder Menschen auf dem Mond landen können. Dafür beteiligt sich die Esa am Bau einer Raumstation, die in der Umlaufbahn des Mondes kreisen soll. Die Esa will sich dabei um die Unterkünfte für die Crew kümmern. Außerdem wollen sich die Europäer um die Herstellung von Antrieben für das US-amerikanische "Orion"-Raumschiff sowie den Entwurf und Bau einer hoch entwickelten Kommunikations- und Betankungseinheit namens "Esprit" kümmern.

Die Esa beteiligt sich damit offiziell am US-amerikanischen Programm "Artemis". Damit wollen Nasa und US-Regierung ab 2024 den Mond erkunden. Der erste Schritt dafür ist die Einrichtung der "Lunar Orbital Platform-Gateway". Diese modulare Raumstation soll in der Umlaufbahn des Mondes kreisen und Mondlandungen ermöglichen. Später soll sie auch als Ausgangspunkt für Flüge zum Mars dienen. Von der "Gateway"-Plattform sollen zudem Roboter gesteuert werden, die Daten über die Mondoberfläche sammeln.

"Der Mond ist wie ein achter Kontinent"

Neben der Esa beteiligen sich auch japanische und kanadische Raumfahrtagenturen am Artemis-Programm. Zwar gibt es die Planung für das Programm schon seit Jahren. Nächste Woche sollen aber erstmals Verträge unterzeichnet und die Beteiligung der Esa an der Mission auf dem Kongress der International Astronautical Federation (IAF) bekannt gegeben werden.

Unter den ersten Astronauten der Mondmission soll auch ein Europäer sein, erklärte David Parker, technischer Leiter der Europäischen Weltraumorganisation Esa, im "Guardian". Der Brite Tim Peake, der bereits sechs Monate auf der Internationalen Raumstation (ISS) verbrachte, habe Interesse angekündigt.

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Spuren der Mondmissionen: So sehen die "Apollo"-Landestellen aus

Foto: NASA

Mit der Mondmission wollen Esa, Nasa und die US-Regierung den Mond wissenschaftlich untersuchen. "Der Mond ist wie ein achter Kontinent", sagte Parker. Der Trabant sei wie ein riesiges Museum über die Geschichte unseres Sonnensystems.

Die Forscher suchen vor allem nach Wasser. Denn damit würde der Bau von Mondkolonien und damit ein längerer Aufenthalt von Menschen realistisch. Einige Daten von Robotersonden deuten darauf hin, dass es am Südpol des Mondes gefrorenes Wasser geben könnte.

ESA-Forscher Parker rechnet damit, dass die Mission zur Erkundung des Mondes zwischen 15 und 20 Jahre dauern könnte. Erst im vergangenen Jahr hatten die 22 Mitgliedsländer der ESA zwei Milliarden Euro für die Mondmission genehmigt.  

Bereits vor einem Jahr erklärte Johann-Dietrich Wörner, Chef der Europäischen Weltraumorganisation, im Gespräch mit dem SPIEGEL: "Meine Hoffnung ist, dass es kein 'back to the Moon' mit besonderer Betonung nationaler Interessen wie vor 50 Jahren gibt, sondern dass wir 'forward to the Moon' in internationaler Kooperation gehen."

sug