Fotos der Rückseite Total hinterm Mond

Ein Bild von der Rückseite des Mondes - für den neuen Nasa-Satelliten "DSCOVR" ist das kein Problem. Und sogar unser Heimatplanet passte noch mit aufs Foto. Nicht zuletzt um den soll sich die Mission schließlich kümmern.


Das "Deep Space Climate Observatory" der Nasa, kurz "DSCOVR", hat immer die Sonnenseite unseres Planeten im Blick. Strategisch gut positioniert am sogenannten Lagrange-Punkt L1 bewegt es sich zusammen mit der Erde um die Sonne. Der Satellit ist einerseits zuständig für Warnungen vor schweren Sonnenstürmen, andererseits soll er das Erdklima erforschen. Nach seinem Start im Februar ist er gerade dabei, seine reguläre Messarbeit aufzunehmen.

Die Mission geht auf eine Anregung des damaligen demokratischen US-Vizepräsidenten Al Gore aus dem Jahr 1998 zurück. Ziel waren zunächst vor allem Livebilder der Erde und ein paar weitere Messungen. Kritiker fanden das zu wenig. Dennoch konnte die Mission erst mit jahrelanger Verzögerung starten. Praktisch während der gesamten Amtszeit des Republikaners George W. Bush war der Satellit eingelagert gewesen.

Aus rund 1,5 Millionen Kilometern Entfernung hat "DSCOVR" am 16. Juli ganz besondere Fotos geschickt, die die Nasa nun veröffentlicht hat. Darauf ist zu sehen, wie der Mond vor der Erde vorbeizieht - und nicht nur das: Weil der Lagrange-Punkt L1 aus unserer Sicht hinter dem Mond liegt, ist die wenig fotografierte Rückseite des Mondes zu erkennen. Besonders beeindruckend sehen die Bilder aus, wenn sie - wie oben zu sehen - zu einer kleinen Animation zusammengefasst werden.

Historische Premiere im Jahr 1959

Eine sogenannte gebundene Rotation sorgt dafür, dass von der Erde immer nur eine Seite des Mondes zu sehen ist. Konkret sind 41 Prozent der Mondoberfläche nie für uns sichtbar. Erst seit der sowjetischen Mondmission "Lunik 3" hat die Menschheit eine Vorstellung, wie es dort aussieht. Am 7. Oktober 1959 schickte die Sonde insgesamt 29 Bilder, die immerhin 70 Prozent der erdabgewandten Fläche abdeckten.

Unter anderem gibt es auf der Mondrückseite deutlich weniger der großen mit Lava gefüllten Tiefebenen, die wir auf der Vorderseite des Mondes als dunkle Flächen gut erkennen können. Sie entstanden vermutlich durch gigantische Einschläge kosmischer Körper in den jungen Mond. Auf der Rückseite hat es weniger solche Crashs gegeben. Hier dominieren vergleichsweise helle Hochlandgebiete das Bild.

Die uns unbekannte Seite des Mondes ist also nicht, wie es manchmal fälschlicherweise heißt, die dunkle Seite. Vermutlich klingt es aber einfach besser. Die vermeintlich dunkle Mondrückseite als magischer Ort hat schließlich auch immer wieder Künstler inspiriert. Bekannt ist unter anderem das Album "The Dark Side of the Moon" von Pink Floyd aus dem Jahr 1973, das als zweitmeistverkauftes Album der Geschichte nach Michael Jacksons "Thriller" gilt. Aber auch Trash hat auf der Mondrückseite Platz: Der Film "Iron Sky" beschreibt, wie die Nazis auf der Mondrückseite eine Basis namens "Schwarze Sonne" errichtet haben.

Doch auch für Wissenschaftler ist das Gebiet interessant, weil ein dort aufgestelltes Teleskop nicht durch Licht oder Radiosignale von der Erde gestört werden würde. Gebaut hat es aber noch niemand - es wäre recht teuer.

chs



insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
Cotti 06.08.2015
1.
Ich stelle mir gerade einen kleinen Jungen vor, der von seinem Papa ein Teleskop geschenkt bekam, weil er immer so vom Mond schwärmte. Jeden Monat ist er mal "voll", "halb" und sogar "weg" - und die Rückseite? Immer dunkel, weil es dazu ja sogar ein Album von Pink Floyd gibt? Aber NEIN! Jetzt hat es endlich ein Satellit bewiesen (den doofen Fotos aus Sowjetzeiten konnte man ja nicht glauben), dass die Rückseite des Mondes nicht "dunkel" ist - zumindest nicht immer. ;)
acosta 06.08.2015
2. Schade
Ich hatte doch so auf Klaus Adlers Götterdämmerung gehofft.
Ein_denkender_Querulant 06.08.2015
3. Technisch unmöglich
Die Rückseite vom Mond ist immer von der Erde abgewandt. Wie soll man das fotografieren. Wir sehen nur eine Simulation. Wie stark sollen denn Lampen eines Satelliten sein, um den Mond zu beleuchten? Auf der von der Erde abgewandten Seite ist natürlich immer absolute Dunkelheit. Oder wurde der Mond von den Raumfahrern kartiert, die gar nicht oben waren. Das klingt alles nicht glaubwürdig!
c218605 06.08.2015
4. Gestern und heute
Zitat von CottiIch stelle mir gerade einen kleinen Jungen vor, der von seinem Papa ein Teleskop geschenkt bekam, weil er immer so vom Mond schwärmte. Jeden Monat ist er mal "voll", "halb" und sogar "weg" - und die Rückseite? Immer dunkel, weil es dazu ja sogar ein Album von Pink Floyd gibt? Aber NEIN! Jetzt hat es endlich ein Satellit bewiesen (den doofen Fotos aus Sowjetzeiten konnte man ja nicht glauben), dass die Rückseite des Mondes nicht "dunkel" ist - zumindest nicht immer. ;)
Bitte etwas mehr Respekt. Diese "doofen" Fotos waren auf jeden Fall echt. Auch die von denen der Venera-Missionen auf den Mars. Sie zeugen auch heute noch von der technischen Brillianz der Russen. Und die heutige ISS ist aus der Mir und nicht aus dem Spacelab hervorgegangen. Frage mich nur, ob es nicht möglich wäre die Stelle zu sehen an der die erste Mondlandefähre gelandet ist, vielleicht sogar Spuren des Mondroovers wie sie auch aktuell von den Marsroovern aus der Satellitenpsoition zu sehen sind.
Ein_denkender_Querulant 06.08.2015
5. Was soll das Beweisen?
Zitat von c218605Bitte etwas mehr Respekt. Diese "doofen" Fotos waren auf jeden Fall echt. Auch die von denen der Venera-Missionen auf den Mars. Sie zeugen auch heute noch von der technischen Brillianz der Russen. Und die heutige ISS ist aus der Mir und nicht aus dem Spacelab hervorgegangen. Frage mich nur, ob es nicht möglich wäre die Stelle zu sehen an der die erste Mondlandefähre gelandet ist, vielleicht sogar Spuren des Mondroovers wie sie auch aktuell von den Marsroovern aus der Satellitenpsoition zu sehen sind.
Was soll ein autonom fahrendes Fahrzeug denn beweisen? So etwas fährt doch jetzt auf jeder Straße rum, natürlich konnte das vor vierzig Jahren die Nasa schon auf dem Mond, die sind mit der Technik immer viele Jahrzehnte weiter, als der Rest der Industrie. Das Menschen nicht zum Mond gelangen können, ist doch eindeutig bewiesen worden. Auch die jetzigen Bilder sind schnell als Fälschung zu erkennen, weil kein einziger Stern am Hintergrund zu sehen ist. Auch solche billigen Fälschungen fallen die Menschen schon lange nicht mehr rein. Gibt es denn irgendeinen Bewies, dass die Bilder echt sind?
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