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27. März 2019, 16:15 Uhr

Raumfahrt

Europäer wollen bei Trumps Mondmission mitmachen

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Die USA streben binnen fünf Jahren die nächste Mondlandung von Astronauten an. Wird es ein nationaler Alleingang? Die Europäische Weltraumorganisation bietet ihre Hilfe an.

Der US-Vizepräsident hatte sich eine beeindruckende Kulisse für seine Ankündigung ausgesucht. In der Ausstellungshalle des US Space & Rocket Center in Huntsville (US-Bundesstaat Alabama) verkündete Mike Pence am Dienstag unter dem Nachbau einer Saturn V-Rakete einen ambitionierten Plan: Binnen fünf Jahren sollen Amerikaner zum Mond zurückkehren. Es geht um eine Mission zum Südpol des Mondes, wo in tiefen Kratern Eis vermutet wird.

Vor rund anderthalb Jahren hatte US-Präsident Donald Trump eine Rückkehr der Amerikaner zum Mond angekündigt - war aber wenig konkret geworden. Die Rede von Pence ändert die Lage nun drastisch. Auf einmal soll alles ganz schnell gehen.

"Wir befinden uns in einem Wettrennen im All, genauso wie es in den Sechzigerjahren der Fall war, und diesmal geht es sogar um mehr", sagt Pence mit Blick auf Chinas Mondprogramm. Ein Scheitern des Fünfjahresziels sei "keine Option". Die USA sei der erste Staat der Welt gewesen, der im 20. Jahrhundert Astronauten zum Mond gebracht habe, man wolle auch bei der Rückkehr im 21. Jahrhundert an der Spitze sein, so Pence. (Lesen Sie hier die Rede im Volltext.)

Bitte kein nationalistisch motiviertes Space Race

"Eins möchte ich klarstellen: Die erste Frau und der nächste Mann auf dem Mond werden beides amerikanische Astronauten sein, die mit amerikanischen Raketen von amerikanischem Boden gestartet sind", sagte der Vizepräsident, der auch dem Space Council der US-Regierung vorsteht.

Wie kommen diese dezidiert nationalen Töne der Amerikaner nun bei den internationalen Partnern der Amerikaner an? Zuletzt hatte die Nasa schließlich immer wieder betont, wie wichtig Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg sei. Johann-Dietrich Wörner, Chef der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) hofft im Gespräch mit dem SPIEGEL auch auf weitere Möglichkeiten zur Zusammenarbeit: "Meine Hoffnung ist, dass es kein 'back to the Moon' mit besonderer Betonung nationaler Interessen wie vor 50 Jahren gibt, sondern dass wir 'forward to the Moon' in internationaler Kooperation gehen."

Spitze gegen den Boeing-Konzern

Wörner findet es aber grundsätzlich erfreulich, dass auch der US-Präsident eine Mondmission nach Jahren der ausschließlichen Fokussierung auf den Mars unterstütze. Der Esa-Chef verwies darauf, dass Europa einen Teil der Technik der bisher für die Nasa-Mondpläne vorgesehene Raumkapsel "Orion" liefere, das sogenannte European Service Module. "Wenn die Forderungen der US-Regierung von der Nasa nicht zeitgerecht umgesetzt werden, müssen wir klären, welche Rolle wir spielen können."

Bisher hatten die Amerikaner geplant, ab dem Jahr 2028 wieder Menschen auf der Mondoberfläche zu landen. Dafür sollten die neue "SLS-Schwerlastrakete" und die "Orion-Raumkapsel" genutzt werden. Mit ihrer Hilfe sollten Menschen zu einer Raumstation im Mondorbit, dem sogenannten Gateway, gebracht werden - und von dort mit einem ebenfalls noch nicht gebauten Lander zur Oberfläche kommen.

Nun soll es bereits ab dem Jahr 2024 so weit sein. Ob SLS, Orion und das Gateway noch eine Rolle spielen, ist aktuell nicht klar. Stattdessen könnte auch Technik von Privatfirmen wie SpaceX oder Blue Origin genutzt werden, so der von Pence vorgestellte Plan der Regierung: "Wenn kommerzielle Raketen der einzige Weg sind, amerikanische Astronauten in den nächsten fünf Jahren zum Mond zu bringen, dann werden es kommerzielle Raketen sein." Das dürfte eine Spitze gegen den Boeing-Konzern sein, der sich bisher mit der Entwicklung der "SLS-Rakete" befasst hat - und dabei aus Sicht der US-Regierung zu langsam vorangekommen ist.

Lockheed Martin kündigt bereits Pläne an

Der Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), lobt im Gespräch mit dem SPIEGEL das "ambitionierte Vorgehen" der Amerikaner. "Wir sind als Europäer auch bereit mitzumachen, wenn wir ein echter Partner werden und unsere Technologie dabei sichtbar wird." Bis zur Esa-Ministerratskonferenz im Herbst bräuchten die Europäer "Verbindlichkeit über den konkreten Weg, also ob SLS, Orion und Lunar Gateway tatsächlich die Technologie für die Mondmission sein werden", so Jarzombek.

Die Europäer werden sich überlegen müssen, wie viel Geld sie für eine Beteiligung an den neuen Mondplänen in die Hand nehmen wollen und können. Sie müssen außerdem unter anderem ihren Beitrag an der Internationalen Raumstation festlegen - und sich zur Frage äußern, wie viel ihnen eine Beteiligung an der Gateway-Station im Mondorbit wert wäre.

Klar ist: Die neuen Pläne der Amerikaner sind teuer für alle Beteiligten. Ob die Trump-Regierung dafür zusätzliche Milliarden vom Kongress bekommt, steht noch nicht fest. Die bisher für die Mondmissionen geplante "SLS-Rakete" hatte vor allem deswegen politische Unterstützung durch Senatoren, weil die Produktion zahlreiche Jobs in mehreren Bundesstaaten versprach. Wenn stattdessen private Raketen eingesetzt werden, könnten manche Regionen wie etwa Alabama um Geld und Arbeitsplätze fürchten und sich deswegen sperren.

Der Luft- und Raumfahrtkonzern Lockheed Martin hat sich unterdessen bereits gemeldet: Man habe Pläne für ein Mond-Landemodul vorbereitet, die man schnell umsetzen könne, so Managerin Lisa Callahan.

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