Kollision mit Riesenasteroid Unterm Südpol des Mondes schlummert ein Geheimnis

Kilometer tief im Mondboden sind Forscher auf überraschend hohe Konzentrationen von Metall gestoßen. Womöglich haben sie mit einem gigantischen Himmelskörper zu tun, der dort vor langer Zeit eingeschlagen ist.

Die erdzugewandte Seite des Mondes (Archivbild)
AP Photo/John McConnico

Die erdzugewandte Seite des Mondes (Archivbild)


Es genügt ein Blick zum Nachthimmel, dann kann man die Wunden des Mondes mit eigenen Augen sehen. Der Erdtrabant ist von unzähligen Kratern überzogen. Sie stammen vom Aufprall verschieden großer Himmelskörper auf seiner Oberfläche. Auch die großen dunklen Bereiche, die sogenannten Maria, gehen darauf zurück. Hier flutete Lava nach gigantischen Einschlägen riesige Flächen. Auch auf der Erde hat es ähnlich viele Kollisionen gegeben, ihre Spuren sind wegen der Erosion und der Plattentektonik aber heute selten so gut erkennbar.

Was die Einschläge auf dem Mond angeht, gibt es auch Dinge, die nicht auf den ersten Blick ins Auge fallen. Denn in einigen Fällen schlummern tief im Untergrund noch die Reste der Körper, die da einst auf den Mond geprallt sind. In diesen Bereichen ist die Dichte des Mondgesteins dann oft höher. Astronomen sprechen von sogenannten Mascons, das Wort ist eine verkürzte Version des englischen Begriffs mass concentration. Mascons kennen Forscher vor allem im Bereich der Maria auf der erdzugewandten Seite des Mondes.

Der größte Einschlagkrater des Mondes liegt aber an seinem Südpol und ist von der Erde aus nicht sichtbar. Genau genommen ist das teils mehr als 2000 Kilometer weite Südpol-Aitken-Becken sogar der größte bekannte Einschlagkrater des ganzen Sonnensystems. Dort muss vor etwa vier Milliarden Jahren ein so großer Körper den Mond getroffen haben, dass er die gesamte Kruste des Mondes durchschlug. Und das wiederum sorgte wohl dafür, dass darunter liegendes Material aus dem Mondmantel nach oben befördert wurde. Darauf deuten etwa Messungen der chinesischen Sonde "Chang'e-4" hin.

Eine neue Studie legt nun außerdem nahe, dass sich auch im Untergrund des Südpol-Aitken-Beckens womöglich die Überreste eines Himmelskörpers erhalten haben, der dort einst eingeschlagen ist. Forscher um Peter James von der Baylor University in Waco (US-Bundesstaat Texas) haben im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" eine entsprechende Datenanalyse veröffentlicht, die sich auf Messungen der Nasa-Sonden "Grail" und "Lunar Reconnaissance Orbiter" stützt. Die Publikation erfolgte bereits im April, die Universität berichtete allerdings erst jetzt darüber.

Daten zweier Mondmissionen kombiniert

Der "Lunar Reconnaissance Orbiter" erfasst seit mehr als zehn Jahren unter anderem Höhenunterschiede auf dem Mond. Die inzwischen nicht mehr aktiven "Grail"-Sonden maßen Veränderungen im Schwerefeld des Himmelskörpers. Durch Kombination beider Datensätze konnten die Forscher Hinweise auf die möglichen Hinterlassenschaften des Einschlagkörpers gewinnen.

Aitken-Becken am Mond-Südpol: Größter bekannter Einschlagkrater des Sonnensystems
NASA/ Goddard

Aitken-Becken am Mond-Südpol: Größter bekannter Einschlagkrater des Sonnensystems

Demnach könnten bis zu 300 Kilometer tief im Mondmantel noch große Menge an Metall liegen. Diese könnten aus dem früheren Eisen-Nickel-Kern eines großen Asteroiden stammen. Interessant ist der Umstand, dass das Material in diesem Fall selbst über Milliarden von Jahren nicht bis zum Kern des Mondes abgesunken wäre.

Allerdings können die Forscher auch nicht ausschließen, dass es eine andere Erklärung für die beobachtete Masseanomalie gibt. Diese würde auf die Zeit zurückgehen, als der Mond nach seiner Entstehung langsam eine feste Kruste bekam. Dabei könnten sich bestimmte metallische Verbindungen an der betreffenden Stelle gesammelt haben. Für solch ein Szenario fehlt den Forschern allerdings eine Erklärung, warum sich dieser Klumpen genau unter dem Südpol-Aitken-Becken gebildet haben sollte.

Die Region ist Ziel einer bemannten Raummission, die die US-Regierung für das Jahr 2024 angekündigt hat. Sollte das tatsächlich klappen, dürften Forscher auf jeden Fall mehr über die geologische Geschichte des Beckens erfahren.

chs



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