Mondbasis Astronautenquartiere könnten aus Backstein entstehen

Stein auf Stein: US-Studenten haben ein ganz besonderes Baumaterial für zukünftige Mondkolonien entwickelt. Aus künstlichem Mondgestein stellten sie extra-harte Backsteine her. Daraus wollen sie Gebäude bauen, die an Iglus erinnern.


Berlin - Wenn die US-Weltraumbehörde Nasa wie geplant auf den Mond zurückkehrt, ist eines klar: Transporte zu unserem Erdtrabanten werden alles andere als billig. Deswegen muss so viel wie möglich, was zum Betrieb einer Mondbasis benötigt wird, vor Ort produziert werden. Zum Beispiel gibt es den Plan, Wasser aus Eisvorkommen an den Mondpolen herzustellen. US-Studenten haben nun einen weitere Idee: Sie haben ein Rezept für Ziegel aus Mondgestein entwickelt.

Die Nachwuchswissenschaftler des Virginia Tech College of Engineering in Blacksburg, das durch einen Amoklauf im Jahr 2007 traurige Berühmtheit erlangt hatte, hatten sich an einem Wettbewerb des Pacific International Space Center for Exploration Systems (PISCES) beteiligt. Für ihre Versuche zur Herstellung von Baumaterial aus Mondgestein konnten sie freilich nicht auf Originalmaterial zurückgreifen. Die von den "Apollo"-Astronauten zur Erde zurückgebrachten Proben sind für Experimente dieser Art viel zu wertvoll.

Stattdessen verwandten die Studenten ein feinkörniges Granulat mit dem Namen JSC-1AF. Diese Substanz ist dem Mondgeröll Regolith nachempfunden - und wird zum Beispiel von der Nasa bei Simulationen eingesetzt. Der nachgebildete Mondstaub setzt sich aus irdischer Vulkanasche und verschiedenen Mineralien zusammen, die in Mondgestein vorkommen.

Das Granulat vermengten die Studenten in einer Form mit Aluminiumpulver - und erhitzten das Ganze mit Hilfe von Drähten auf fast 1500 Grad Celsius. Bei dieser Temperatur läuft eine Hochtemperatursynthese ab, die sich selbst verstärkt. Energie muss ab diesem Zeitpunkt keine mehr zugeführt werden.

Die für das Verfahren nötigen Substanzen könnten auf dem Mond gesammelt, werden, erklärten die Studenten. Regolith käme ohnehin in rauen Mengen vor, Aluminium ließe sich vor Ort unter anderem aus dem Mineral Anorthit gewinnen.

Bei ihren Versuchen konnten die Studenten einen festen, sehr harten Backstein herstellen. Das Mondziegel-Rezept könnte einmal für den Bau einer Station auf dem Erdtrabanten von Bedeutung sein, erklärten sie. Besonders kuppelartige Strukturen versprächen gute Ergebnisse. In ihrem Bericht zeigt die Gruppe Bilder, die an Iglus der Inuit erinnern.

Natürlich seien die von ihnen vorgeschlagenen Bauwerke nicht luftdicht, schränkten die Studenten ein. Doch das sei kein Problem: Der Mondbackstein könnte zur Erstellung der tragenden Strukturen verwendet werden, die dann mit leichtem Material ausgekleidet werden könnten.

chs/dpa



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