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27. Juli 2018, 23:10 Uhr

Jahrhundert-Mondfinsternis

Dunkel, rot, extrem selten

Die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts fasziniert Menschen auf mehreren Kontinenten. Ein vergleichbares Ereignis wird es erst 2123 wieder geben. Die Bilder.

Der Mond hat sich zur längsten totalen Finsternis des 21. Jahrhunderts in spektakulärem Rot präsentiert. Bei hochsommerlichen Temperaturen bis 30 Grad versuchten viele Menschen in Deutschland mit bloßem Auge, Fernglas oder Teleskop, das extrem seltene Himmelsschauspiel zu verfolgen. Viele Sternwarten, Planetarien, astronomische Vereine und Forschungsinstitute luden zum Beobachten des Schauspiels ein.

Zur etwa 103 Minuten langen totalen Mondfinsternis gesellte sich ein so heller und großer Mars wie zuletzt vor 15 Jahren. "Für die derzeit lebenden Menschen ist das ein einmaliges Ereignis", sagte der Chef der Vereinigung der Sternfreunde in Heppenheim, Sven Melchert.

Zu einer Mondfinsternis kommt es nur bei Vollmond - wenn Sonne, Erde und Mond auf einer Linie liegen. Der Mond taucht dabei völlig in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde in den Weltraum wirft.

Einen besonders guten Blick darauf hatte Astronaut Alexander Gerst, der derzeit auf der Raumstation ISS ist:

In Deutschland begann das Ereignis je nach Region um circa 21 Uhr. Die totale Verfinsterung des Mondes begann dann gegen 21.30 Uhr, sie dauerte bis etwa 23.15 Uhr.

In dieser Zeit leuchtete die Scheibe des Vollmonds kupferfarben bis orangerot. Die totale Mondfinsternis war mit einer Gesamtdauer von knapp eindreiviertel Stunden außergewöhnlich lang. Erst am 9. Juni 2123 wird es eine drei Minuten längere Mondfinsternis geben.

Im Norden, Westen und Süden war die Sicht auf die beiden rötlich leuchtenden Himmelskörper vielerorts recht gut. Der Deutsche Wetterdienst meldete für diese Regionen vereinzelt Wolken. Weniger Glück hatten weite Teile Brandenburgs, Sachsen-Anhalts, Sachsens und Thüringens. Dort blickten viele auf Gewitterwolken statt auf einen sternenklaren Abendhimmel. Über Berlin hingen einige Wolken. Auch am Alpenrand war das Himmelsspektakel nicht überall zu sehen.

Himmelsgucker konnten zudem unterhalb des verfinsterten Monds den Planeten Mars erkennen. Er befindet sich zurzeit in Erdnähe und leuchtet deshalb besonders hell.

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Die XXL-Mondfinsternis - erklärt im Video:

Die wichtigsten Fakten zur Mondfinsternis auf einen Blick:

Zu einer Mondfinsternis kommt es nur bei Vollmond, wenn Sonne, Erde und Mond auf einer Linie liegen. Der Mond taucht dabei völlig in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde in den Weltraum wirft.

Am Freitag dauerte die Phase der kompletten Verfinsterung eine Stunde und 43 Minuten und ist damit die längste des Jahrhunderts. Übertroffen wird diese Dauer erst bei der Mondfinsternis am 9. Juni 2123 - um etwa drei Minuten.

Während die kurzwelligen blauen Lichtwellen der Sonnenstrahlen vollständig von der Erdatmosphäre gestreut werden, wird langwelliges, rotes Licht gebrochen und in Richtung Mond gelenkt. Dadurch schimmert der Mond rötlich und wird auch Blutmond genannt.

Der Mars ist der Erde im Moment so nah wie selten. Er ist nur rund 58 Millionen Kilometer von unserem Planeten entfernt. Das ist der Minimalabstand. Anders als die Erde braucht der Mars auf seiner weiter entfernten Umlaufbahn um die Sonne nicht ein, sondern fast zwei Jahre. Wenn die Erde den Mars auf der Innenbahn überholt und der Mars der Sonne vergleichsweise nahe steht, ist er am Himmel besonders hell und vergleichsweise groß zu sehen. Zuletzt war uns der Mars vor 15 Jahren so nahe.

Eine totale Mondfinsternis ist keine absolute Ausnahme, statistisch gesehen lässt sie sich etwa alle zwei bis drei Jahre beobachten - allerdings nicht immer in voller Länge. Das Besondere an dieser totalen Mondfinsternis war, dass sie so lange dauerte. Der Mond war insgesamt mehr als eine Stunde und vierzig Minuten komplett im Schatten der Erde.

Eine totale Mondfinsternis mit ähnlicher Länge und dem genau gleichen Stand des Mars gibt es im Schnitt sogar nur alle 105.000 Jahre, wie Berechnungen von Stefan Krause von der Volkssternwarte Bonn zeigen. Dass gleichzeitig auch noch die ISS über den Himmel fliegt, wird es wohl nie wieder geben.

wal/dpa/AFP

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