Wissenschaft

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Verschwörungstheorien zur Mondlandung

"Vom ersten Tag an gab es Zweifler"

Mondkomplott, Chemtrails, Reichsflugscheibe: Der Physiker Holm Hümmler untersucht Verschwörungstheorien. Hier erklärt er, welche in Deutschland kursieren. An einer offiziellen Erklärung zweifelt er selbst.

Ein Interview von

Nasa / DPA

Kein Lügner: US-Astronaut Buzz Aldrin war wirklich auf dem Mond

Donnerstag, 18.07.2019   19:54 Uhr

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Als er auf die Bibel schwören sollte, dass er wirklich auf dem Mond war, reichte es Buzz Aldrin. Der damals 72-Jährige und zweiter Mensch auf dem Mond verpasste dem Verschwörungs-Filmemacher Bart Sibrel einen Kinnhaken und beendete so 2002 ein unrühmliches Interview. Die Zweifel konnte er mit dem Faustschlag allerdings nicht ausräumen. Bis heute kursieren Gerüchte, die erste Mondlandung sei eine Inszenierung im Filmstudio gewesen.

Der Physiker Holm Gero Hümmler beschäftigt sich seit 20 Jahren mit solchen und ähnlich kruden Theorien. Im Interview erzählt er, warum die Mondlandung kein Fake ist und wie Sie verdrehte Fakten enttarnen.

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SPIEGEL ONLINE: Herr Hümmler, warum sind Sie sicher, dass Menschen auf dem Mond waren?

Holm Hümmler: So ein Ereignis lässt sich nicht inszenieren, zu viele Leute auf der ganzen Welt hätten mitmachen müssen. Alle, die mit Mondgestein arbeiten, die Apollo-Reflektoren auf dem Mond für Messungen nutzen, die nichts mit der Nasa oder den USA zu tun haben. Sogar die Sowjetunion, die ja die Mondlandung bestätigte. Es ist einfach nicht plausibel, dass Hunderttausende Mitwisser bei einer Verschwörung dieser Größe mitmachen und dann auch dichthalten.

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SPIEGEL ONLINE: Gibt es nicht einen einzigen Zweifel, den Sie für überzeugend halten?

Hümmler: Dass die Mondlandung wirklich geglückt ist mit der Technik von damals, bringt einen schon zum Nachdenken. Computersimulationen gab es so gut wie nicht. Alles musste aufwendig getestet werden, unter möglichst realen Bedingungen. Deshalb wurde die Mondlandefähre bereits bei "Apollo 10" in die Mondumlaufbahn gebracht und die Landung bis kurz vor dem Aufsetzen erprobt. Dass die tatsächliche Landung dann trotz technischer Probleme gelang, ist schon erstaunlich. Aber die angeblichen Beweise, "Apollo 11" sei ein riesiger Schwindel, sind mit wissenschaftlichen Methoden leicht zu entkräften.

SPIEGEL ONLINE: Woher kommt der Mythos, die Mondlandung sei ein Fake?

Hümmler: Vom ersten Tag an gab es Zweifler. So richtig Fahrt aufgenommen hat die Diskussion, als Bill Kaysing 1976 sein Buch "We never went to the moon" veröffentlichte. Er war der Erste, der technisch zumindest etwas Ahnung hatte, die kursierenden Theorien bündelte und versuchte, diese zu belegen. Bis heute sind Tausende von seinen angeblichen Beweisen überzeugt, dass in Wahrheit nur eine leere Rakete ins Meer gestürzt ist, während die Astronauten heimlich in Las Vegas Urlaub machten, bis sie ein Militärflugzeug über dem Pazifik abwarf.

SPIEGEL ONLINE: Dabei haben Mondsonden längst Bilder von der Landefähre "Eagle" gemacht. Warum glauben Menschen trotzdem an die Verschwörungstheorie?

Hümmler: Egal, ob Mondlandung oder 11. September; Verschwörungstheorien funktionieren immer gleich. Medien präsentieren ein Ereignis, das der Zuschauer kaum begreifen kann. Ein angebliches Komplott liefert eine einfache Begründung - und oft die spannendere Geschichte. Kondensstreifen am Himmel sind nur dann interessant, wenn es sich angeblich um Chemikalien handelt, die die Menschheit vergiften sollen. Gerade in Deutschland glauben viele an solche Chemtrails ebenso wie an Reichsflugscheiben - weltraumfähige Flugobjekte der Nazis, versteckt in der Antarktis. Beliebt ist aktuell auch die Theorie, die Regierung würde die Menschen mit der 5G-Handy-Technologie grillen wollen.

SPIEGEL ONLINE: Wie lassen sich solche verdrehten Fakten enttarnen?

Hümmler: Als erstes müssen Sie sich fragen, welche alternative Erklärung geboten wird, wenn die offizielle Version angeblich nicht stimmt. Diese ist meist so haarsträubend, dass die komplette Theorie unglaubwürdig wird. Als nächstes müssen Sie alles Emotionale ausblenden und sich allein auf die nachprüfbaren Fakten konzentrieren. Ein Beispiel: In Bezug auf den 11. September wird immer wieder behauptet, die Stahlträger hätten bei diesen Temperaturen nicht schmelzen dürfen. Dabei weiß jeder, der schon mal einem Schmied über die Schulter geschaut hat, dass Stahl nicht schmelzen muss, um biegbar zu sein.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie auch selbst an eine These glauben, die als Verschwörungstheorie gehandelt wird. Welche ist das?

Hümmler: Ich glaube nicht an den Selbstmord von Uwe Barschel. Ähnlich wie bei Verschwörungstheorien steckt dahinter das Gefühl, dass die offizielle Version nicht alle offenen Fragen klärt. Ich habe aber auch keine Beweise, die gegen einen Selbstmord sprechen und will deshalb nicht spekulieren - ich bin ja schließlich kein Verschwörungstheoretiker.

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