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Panne bei Billigprojekt Nasa-Mondlandegerät explodiert bei Test

Zum Glück ist das nicht auf dem Mond passiert: Ein Landegerät der Nasa ist bei einem Test abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Zu Schaden kam niemand - nur der kleine Landeroboter namens "Morpheus".

Cape Canaveral - Sein Name ist groß, seine Gestalt eher klein: Das Weltraum-Landegerät "Morpheus" der Nasa soll beweisen, dass es möglich ist, Raumfahrzeuge auch schnell und billig zu produzieren.

Jetzt aber hat "Morpheus" seinem Namen auf wenig erfreuliche Art Ehre gemacht: Wie der Sohn des griechischen Schlafgottes Hypnos hat er seine Form gewechselt - vom intakten Landegerät zum brennenden Trümmerhaufen. Bei einem Test am Kennedy Space Center in Florida stieg das Gefährt zunächst planmäßig ein Stück weit auf, um dann seitlich wegzusacken und auf dem Dach zu landen, zu explodieren und zu brennen.

Zuvor war das knapp 800 Kilogramm schwere Gerät mehrere Male mit Hilfe eines Krans in die Luft gestiegen. Auf dem Feuerstrahl aus seinen mit Methan und flüssigem Sauerstoff betriebenen Motoren ritt "Morpheus" anfangs scheinbar souverän - bis man den Kran wegließ. Bei der Nasa gibt man sich allerdings unbeeindruckt: Fehlversuche wie dieser seien eingeplant. "Sie sind Teil des Entwicklungsprozesses von komplexer Raumfahrt-Hardware", heißt es in einer Mitteilung. Man versuche nun, die Gründe für den Crash herauszufinden.

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Test-Panne: Nasa-Landegerät stürzt ab und explodiert

Foto: AFP/ NASA/ Kim Shiflett

Die Nasa hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren sieben Millionen Dollar in "Morpheus" investiert - eine Winzigkeit verglichen mit anderen Projekten. Zum Vergleich: Die "Curiosity"-Mars-Mission kostet insgesamt rund 2,5 Milliarden Dollar. Allerdings ist fraglich, wie viele Großprojekte dieses Kalibers die Nasa angesichts wachsenden Finanzdrucks in Zukunft noch stemmen kann.

Deshalb versucht die Behörde verstärkt, Raumfahrzeuge schneller und billiger zu entwickeln als bisher. "Morpheus" etwa könnte eines Tages für relativ geringe Kosten Fracht zum Mond oder zum Mars befördern. Die Nasa spricht in diesem Zusammenhang von "Baumarkt-Konstruktionen": Billig-Projekte, bei denen man auf bereits vorhandene Technologien zurückgreife und mit Partnern aus der Privatwirtschaft zusammenarbeite. "Morpheus" etwa wurde am Johnson Space Center der Nasa gemeinsam mit Armadillo Aerospace entwickelt und gebaut.

Das Landegerät absolviert seit Juli im Kennedy Space Center eine dreimonatige Testphase, zu der Flugversuche und die Landung auf der nachgestellten Mondoberfläche gehören - komplett mit Kratern und Felsbrocken. "Morpheus" soll rund 500 Kilogramm Fracht zum Mond befördern können.

Sogar beim Sprit hat die Nasa an die Kosten gedacht: Flüssiger Sauerstoff und Methan könnten auch auf anderen Himmelskörpern gewonnen werden - so dass man sie nicht eigens von der Erde dorthin transportieren müsste, um "Morpheus" zurückfliegen zu lassen.

mbe/Reuters
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