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25. März 2019, 04:19 Uhr

Tropensturm "Idai" in Mosambik

Katastrophe am Buzi River

Binnen weniger Stunden traten Flüsse kilometerweit über die Ufer: Nach der Naturkatastrophe in Mosambik werden Tausende Menschen vermisst. Auch aus dem All ist zu sehen, wie Tropensturm "Idai" gewütet hat.

Bereits Anfang März warnte der französische Wetterdienst, dass sich vor der Küste Mosambiks ein Tropensturm zusammenbraut. An sich nichts Ungewöhnliches, schwere Zyklone kommen in der Region alle paar Jahre vor. Doch "Idai" kreuzte lange über die Straße von Mosambik und tankte dabei außergewöhnlich viel Energie. In der Nacht zum 15. März traf der Zyklon auf Land - mit Windböen von bis zu 160 Kilometern pro Stunde.

Die Folgen waren verheerend. Mindestens 293 Menschen kamen allein in Mosambik ums Leben. Auch über Malawi, Madagaskar und Simbabwe fegte der Zyklon hinweg. Noch mehr als eine Woche danach waren Tausende von der Außenwelt abgeschnitten und warteten auf Hilfe. "Es fehlt eigentlich an allem", berichteten die Rettungskräfte.

90 Prozent zerstört

Satellitenbilder der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) zeigen das Ausmaß einer der schlimmsten Naturkatastrophen in der Region der vergangenen Jahrzehnte. Zu sehen ist unter anderem Beira im Osten Mosambiks. 90 Prozent der 500.000-Einwohner-Hafenstadt sind laut Hilfskräften zerstört. Südwestlich von Beira hat sich ein riesiger Binnensee gebildet, wo einst Häuser und Felder waren. Er ist etwa 25 Kilometer breit und 125 Kilometer lang, was in etwa der Entfernung zwischen Berlin und Magdeburg entspricht (Luftlinie).

Die Aufnahme vom 19. März stammt vom Erdbeobachtungssatelliten "Sentinel 1". Für eine bessere Sichtbarkeit sind die Wassermassen in Rot dargestellt. Die Esa hatte "Sentinel 1" für den Fall solcher Naturkatastrophen wie in Mosambik ins All geschossen. Der Satellit kann in Echtzeit überflutete Gebiete kartieren und erleichtert dadurch die Rettungsarbeiten. Mit Hilfe eines Radarsystems kann er auch durch Wolken und Regen genaue Aufnahmen der Landschaftsoberfläche machen.

Warum Zyklon "Idai" solch verheerende Schäden anrichtete, hat drei Gründe. Zum einen brachte er Wind in Hurrikanstärke mit sich sowie meterhohe Flutwellen und extreme Regenmengen. An einigen Orten fiel binnen weniger Stunden mehr Regen als in Deutschland im ganzen Jahr. Mosambik war auf die Katastrophe kaum vorbereitet, ein ausgeklügeltes Satelliten-Warnsystem gibt es nicht. (Mehr dazu lesen Sie hier).

Derzeit sind etwa 1,7 Millionen Menschen in Mosambik auf Hilfe angewiesen, schätzt das Welternährungsprogramm WFP, in Simbabwe weitere 922.000 Menschen. Durch die Überschwemmungen steigt auch das Risiko für Krankheiten wie Malaria, Cholera oder Typhus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Notmaßnahmen angekündigt. Auch Vertreter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sind vor Ort.

koe/boj

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