Mysteriöses Leuchten Astronomen entdecken Zombie-Stern

"Diese Supernova verstößt gegen alles, was wir wissen", staunt ein Forscher. Er hat einen Stern entdeckt, der von den Toten aufersteht.

Sternexplosion 1954 (links), kein Leuchten mehr 1993 (rechts). 2014 leuchtete es an gleicher Stelle wieder.
POSS/ DSS/ LCO/ S. Wilkinson

Sternexplosion 1954 (links), kein Leuchten mehr 1993 (rechts). 2014 leuchtete es an gleicher Stelle wieder.


Astronomen haben eine Art Zombie-Stern entdeckt. Bereits vor 60 Jahren war eine Explosion registriert worden, nun flammte sie in einer fast zwei Jahre langen Supernova-Explosion erneut auf.

Die verblüffende Beobachtung lasse sich mit bestehenden Theorien nicht befriedigend erklären und erfordere ein Überdenken der gängigen Supernova-Modelle, schreiben die Forscher um Iair Arcavi vom Las-Cumbres-Observatorium im kalifornischen Goleta im Fachblatt "Nature".

Möglicherweise sei die beobachtete Explosion das erste Beispiel für einen bislang hypothetischen, nur im jungen Universum vermuteten Typ Supernova.

Supernova-Explosionen markieren normalerweise das Ende eines massereichen Sterns. Der sterbende Stern wird dabei zerrissen, übrig bleibt ein kompakter Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch. Die Explosion kann vorübergehend so hell strahlen wie eine ganze Galaxie.

Im September 2014 beobachteten Astronomen eine zunächst nicht ungewöhnliche Supernova, der sie die Katalognummer iPTF14hls gaben und dem Typ II-P zuordneten. Diese Art Sternexplosion leuchtet für maximal etwa 100 Tage auf. iPTF14hls war nach 100 Tagen jedoch keineswegs verschwunden, sondern strahlte auch nach 600 Tagen noch.

Erneut explodiert

Und statt kontinuierlich dunkler zu werden wie eine normale Supernova, flackerte die Sternenexplosion über diese fast zwei Jahre wiederholt auf, als würde sie immer wieder explodieren. Auch heute, nach drei Jahren, ist die Explosionswolke immer noch zu sehen.

Eine Suche in Archivdaten zeigte schließlich, dass an derselben Himmelsposition bereits 1954 eine Explosion zu sehen war. Der Stern habe sie offensichtlich irgendwie überlebt und sei Jahrzehnte später erneut explodiert, folgern die Wissenschaftler. "Diese Supernova verstößt gegen alles, was wir über ihre Funktionsweise zu wissen glaubten", betont Arcavi in einer Mitteilung seines Instituts.

Die Beobachtung passe zu keinem bekannten Supernova-Typ, schreiben die Forscher. Möglicherweise handele es sich um die erste Beobachtung einer sogenannten pulsierenden Paarinstabilitätssupernova, einem bislang hypothetischen Typ.

Dabei wird es in den Kernen sehr massereicher Sterne so heiß, dass diese Energie in Paare von Materie- und Antimaterieteilchen umgewandelt wird. Die resultierende Explosion schleudert zwar die Außenschichten des Sterns ins All, lässt aber den Kern intakt, sodass sich der Prozess über Jahrzehnte wiederholen kann, bis der untote Stern endgültig explodiert.

Neuer Typ?

Tatsächlich haben die Astronomen errechnet, dass der Stern von iPTF14hls ursprünglich ein Gigant mit der 90- bis 130-fachen Masse unserer Sonne war. Allerdings kann das Modell der pulsierenden Paarinstabilitätssupernova nicht alle Beobachtungen erklären, und dieser Supernova-Typ sollte eigentlich nur im jungen Kosmos vorgekommen sein.

"Es ist wie einen noch lebenden Dinosaurier zu finden", erläutert Co-Autor Andy Howell vom Las-Cumbres-Observatorium. "Wenn Sie einen fänden, würden Sie infrage stellen, ob es wirklich ein Dinosaurier ist."

Möglicherweise ist die ungewöhnliche Supernova also eine Supernova ganz neuen Typs. Deren Enträtselung könnte neue Einblicke in die Entstehung Schwarzer Löcher in einem besonders interessanten Massebereich geben, heißt es in einem Begleitkommentar in "Nature". Von der Verschmelzung solcher schwarzer Löcher waren die ersten Gravitationswellen aufgefangen worden.

Von Till Mundzeck, dpa/boj

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