Mysteriöses Raumschiff US-Luftwaffe schickt zweiten Mini-Shuttle ins All

Die US-Luftwaffe hat zum zweiten Mal ihre mysteriöse Mini-Raumfähre ins All geschickt. Welche Aufgaben der unbemannte Shuttle während seines Langzeitflugs erfüllt, ist erneut ein Rätsel. Experten fürchten, dass Washingtons Geheimniskrämerei China und Russland nervös macht.

AP

Von


Der 22. April 2010 war womöglich der Beginn einer neuen Ära: Erstmals schickte die US-Luftwaffe ein unbemanntes Raumschiff ins All, das vollautomatisch wieder landen konnte. Volle sieben Monate blieb die "X-37B" im Orbit, ehe sie im Dezember ihre Mission abschloss. Beobachter argwöhnten, dass der Flug den Beginn der Weltraumrüstung markieren könnte.

Jetzt hat die U.S. Air Force das zweite ihrer beiden "X-37B"-Exemplare ins All geschossen. Die Atlas-V-Rakete mit dem Shuttle an der Spitze hob am Samstag um 23.46 Uhr deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ab. Der Start hatte sich wegen schlechten Wetters um einen Tag verzögert.

Was die erste "X-37B", die äußerlich wie eine Mini-Ausgabe des Space Shuttles wirkt, vergangenes Jahr während ihres langen Aufenthalts in der Umlaufbahn getan hat, blieb ein Geheimnis. Die US-Luftwaffe erklärte nebulös, das "Orbital Test Vehicle" (OTV) diene als Machbarkeitsstudie und Plattform für Experimente. Womit genau man experimentieren wollte, blieb allerdings offen. Lediglich von Navigations- und Flugleitsystemen, Hochtemperatur-Materialien und Dichtungen war die Rede.

Gerüchte gab es deshalb zuhauf: Die "X-37B", so spekulierten Beobachter, könnte andere Länder ausspionieren und deren Satelliten inspizieren, einfangen oder zerstören. Auch von einem Einsatz als Waffenplattform war anfangs die Rede, obwohl inzwischen weitgehende Einigkeit unter Fachleuten zu herrschen scheint, dass das Raumschiff dazu kaum geeignet ist.

Zu klein für den Kriegseinsatz

Dazu sei es schlicht zu klein, schrieb etwa Brian Weeden, Ex-Mitarbeiter der Air Force und jetzt bei der "Secure World Foundation", in einem Report über die Fähigkeiten der "X-37B". Der Mini-Shuttle ist rund neun Meter lang, sein Laderaum ist nicht größer als der eines Pick-up-Trucks und sein Startgewicht beträgt fünf Tonnen. Damit ist er ein wahrer Winzling neben einem Space Shuttle, der viermal so lang ist und beim Start bis zu 109 Tonnen auf die Waage bringt.

Zudem ist die "X-37B" nicht gerade unauffällig. Selbst Amateurastronomen waren in der Lage, den Orbiter während seines ersten Trips zu orten und zu fotografieren. "Deshalb wird es kaum möglich sein, dass die 'X-37B' sich heimlich an fremde Satelliten heranschleicht", sagte Weeden dem Onlinedienst "Space.com". Auch der langwierige Landeanflug - die "X-37B" segelt wie ein Space Shuttle ohne Antrieb zur Erde - spreche eher gegen eine militärische Anwendung, da das Raumschiff in dieser Phase äußerst verwundbar sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass die "X-37B" vom Orbit aus Ziele auf dem Boden angreifen könne, liege "mit heutiger Technologie praktisch bei Null", so Weeden.

Dass der Shuttle gänzlich friedlichen Zwecken dient, gilt allerdings als ebenso unwahrscheinlich. Zum einen wird allgemein bezweifelt, dass die Air Force in Zeiten knapper Kassen mehrere hundert Millionen Dollar in ein fliegendes Labor stecken würde. Zudem würde eine unbemannte Plattform, die monatelang im Orbit bleiben kann, "einem alle möglichen Fähigkeiten verschaffen - sowohl zivile als auch militärische", sagte Chris Hellman vom National Priorities Project dem US-Magazin "Christian Science Monitor". Weeden hält es für wahrscheinlich, dass an Bord des OTV Spionagetechnik des National Reconnaissance Office (NRO) getestet wird. Die Behörde ist für den Betrieb der US-Aufklärungssatelliten verantwortlich.

Warnung vor zu viel Geheimniskrämerei

Für riskanter halten Beobachter die Geheimnistuerei selbst. Egal, ob die "X-37B" ein "machtvolles militärisches Instrument" sei oder vollkommen friedlichen Zwecken diene - "die Ungewissheit selbst könnte ein strategisches Risiko darstellen", schrieb der Rüstungsexperte David Axe auf der Website "The Diplomat".

Derzeit ist kein anderes Land in der Lage, ähnlich präzise wie die USA die Aktivitäten seiner Konkurrenten im Orbit zu verfolgen. Wenn etwa Russland oder China Weltraumtechnologie einsetzten, die sowohl militärisch als auch zivil eingesetzt werden kann, "können die Amerikaner feststellen, ob es sich um einen feindlichen Akt handelt", erklärt Weeden. Wenn die USA aber ein Raumschiff wie die "X-37B" starten, könne niemand genau wissen, was vor sich gehe. "Das schafft ein Problem", meint Weeden.

Dass andere Staaten das Treiben der Amerikaner argwöhnisch verfolgen, zeigt schon die Tatsache, dass die Chinesen sich offen gegen eine Verwendung von Raumschiffen ausgesprochen haben, die fremde Satelliten inspizieren können. Dass Washington diesen Wunsch offensichtlich ignoriert hat, werten Beobachter auch als potentielle Antwort darauf, dass die Chinesen im Januar 2007 einen ihrer veralteten Wettersatelliten abgeschossen hatten. Die umstrittene Aktion galt damals als möglicher Beginn zu einem Wettrüsten im Orbit.

insgesamt 86 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
si_tacuisses 05.03.2011
1. Da zeigt die untergehende Großmacht nochmal ihre Zähne.
Zitat von sysopDie US-Luftwaffe will*zum zweiten Mal ihre*mysteriöse Mini-Raumfähre ins All schicken. Welche Aufgaben*der unbemannte Shuttle während seines Langzeitflugs erfüllt, ist erneut ein Rätsel. Experten fürchten, dass Washingtons*Geheimniskrämerei China und Russland nervös macht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,749192,00.html
besser gesagt ihre Zahnstummel. Wenn das budgetierte nicht verbraten wird ( siehe Bundestag und teure Schreibgeräte zum Jahresende ) wird das nächste Budget um mindestens diese Beträge gekürzt. Außerdem haben die USA ja mindestens 4 Milliarden dadurch gespart, dass Boeing die Tankerflotte baut. Habe gehört, dass bei EADS die Champagnerkorken ob dieser "news" knallten.
Smoke 05.03.2011
2. Die Russen waren schneller
Das Mini-Shuttle der Amerikaner ist nicht das erste Raumfahrtzeug, welches vollautomatisch landen kann. Die Russen haben das mit dem Buran schon zwanzig Jahre vorher geschafft. Die Amerikaner sind nur Zweiter.
soundsowas 05.03.2011
3. immer wieder Ärger
Zitat von sysopDie US-Luftwaffe will*zum zweiten Mal ihre*mysteriöse Mini-Raumfähre ins All schicken. Welche Aufgaben*der unbemannte Shuttle während seines Langzeitflugs erfüllt, ist erneut ein Rätsel. Experten fürchten, dass Washingtons*Geheimniskrämerei China und Russland nervös macht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,749192,00.html
wir können nur hoffen, daß Russland und China zusammenhalten, was den Weltraum betrifft, und den immer wieder Ärger machenden USA auf die Finger schauen
cohorte 05.03.2011
4. Soso
Zitat von soundsowaswir können nur hoffen, daß Russland und China zusammenhalten, was den Weltraum betrifft, und den immer wieder Ärger machenden USA auf die Finger schauen
Wir können nur hoffen, dass Europa und Amerika zusammenhalten, was den Weltraum betrifft, um den immer wieder Ärger machenden Chinesen und Russen auf die Finger zu schauen.
silenced 05.03.2011
5. <->
Herrje, da wird wahrscheinlich getestet wie sich bestimmte Materialien verhalten und wie man die Raumfahrt allgemein sicherer gestalten kann. Sicher steckt auch militärisches dahinter, aber muss man unbedingt immer alles offenlegen und sagen "Wir machen jetzt das und das." um sich dann, wenn es doch nicht funktioniert, der sicher folgenden Häme auszusetzen: 'Haha, ihr Versager! War doch klar daß das nicht funktioniert!' Zumal fast jede staatlich gestützte Forschung ist erster Linie immer einen militärischen Hintergrund hat und dann als 'Abfall' irgendwann in der zivilen Nutzung landet. Gibt wichtigeres als solch Unfug in der Welt mit dem man sich beschäftigen sollte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.