Nach missglücktem Andock-Manöver Russisches Raumschiff erreicht ISS

Erfolg erst beim zweiten Anlauf: Ein unbemannter russischer Weltallfrachter sollte der Internationalen Raumstation ISS Proviant bringen, flog aber drei Kilometer am Ziel vorbei - TV-Signale störten die Systeme. Erst 48 Stunden später gelang das Andock-Manöver.

"Progress": Russischer Raumfrachter startet Richtung ISS
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"Progress": Russischer Raumfrachter startet Richtung ISS


Moskau/Washington - Was als Routinemission geplant war, ist für die Raumfahrtnationen Russland und USA zu einer peinlichen Millionenpanne geworden. Das unbemannte russische Versorgungsschiff "Progress 38" flog etwa drei Kilometer an der Internationalen Raumstation ISS vorbei - statt wie geplant anzudocken. "Der Transporter hat nicht gestoppt", funkte der russische ISS-Kommandant Alexander Skworzow zur Erde.

Erst beim zweiten Versuch, rund 48 Stunden später, gelang der "Progress" mit rund 2,6 Tonnen Lebensmitteln, Kleidung und Ausrüstung an Bord das Andockmanöver. Die "Progress" hat planmäßig angekoppelt", teilte das russische Flugleitzentrum am Sonntag mit.

Die Nasa und die russischen Behörden hatten gleich nach dem gescheiterten Manöver am Freitagabend beschwichtigt. Eine Gefahr für die ISS sei das Schiff nicht gewesen, hieß es. Die drei russischen Kosmonauten sowie drei US-Astronauten an Bord der ISS seien nicht gefährdet gewesen, hieß es bei der Nasa. Auch der russische Partner, die Raumfahrtagentur Roskosmos, gab Entwarnung. Es handele sich keinesfalls um eine Notfallsituation, sagte Roskosmos-Vizechef Witali Dawydow.

Doch jede Mission verschlingt Millionen. Und klar ist: Die Technik hat versagt, der Autopilot setzte 25 Minuten vor dem geplanten Manöver plötzlich aus. Skworzow und seine Crew hatten keine Zeit zu reagieren und den Transporter mit einem manuellen Manöver anzudocken. Eine "unkontrollierte Rotation" hatte der ISS-Kommandeur ausgemacht.

TV-Signale störten das Andock-Manöver

Schuld waren Fernsehsignale. Ein TV-System für Skworzows Überwachungsmonitor beeinflusste den Autopiloten der "Progress". Das Raumschiff erhielt dadurch den Befehl, das Manöver abzubrechen. Beim zweiten Anlauf wurde das TV-System abgeschaltet. Diesmal klappte es - wieder hatte der Computer das Steuer der "Progress" übernommen. Der Raumtransporter, der am Mittwoch vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur gestartet war, wurde vom Boden aus in Position gebracht.

Die Panne am Freitagabend war nicht die erste. Erst Anfang Mai trat bei einem Schwesterschiff ein Navigationsfehler beim Andocken auf. Weil die Crew rasch handelte, ging alles glimpflich aus: Der damalige Kommandeur Oleg Kotow konnte das Versorgungsschiff manuell an die ISS andocken.

Der peinliche Zwischenfall kommt für Russen und Amerikaner gleichermaßen zur Unzeit. Die amerikanischen Space Shuttles werden Anfang 2011 ausgemustert - bis in einigen Jahren ein Nachfolgemodell existiert, sind die russischen Sojus-Kapseln das einzige Transportmittel auch für US-Astronauten. Deshalb will Moskau die Notlage der Nasa zu Geld machen und die Transportgebühren gewaltig erhöhen. Zweifel an der russischen Technik dürfen deshalb erst gar nicht aufkommen.

Die "Progress"-Frachter sind seit Januar 1978 in Dienst. Bisher sind weit über 100 davon zu den russischen Raumstationen und zur ISS geflogen.

otr/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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albert schulz 04.07.2010
1. "jetzt müßte es funktionieren"
Zitat von sysopErfolg erst beim zweiten Anlauf: Ein unbemannter russischer Weltallfrachter sollte der Internationalen Raumstation ISS Proviant bringen, flog aber drei Kilometer am Ziel vorbei - TV-Signale störten die Systeme. Erst 48 Stunden später gelang das Andock-Manöver. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,704607,00.html
Sollte aber keinen verwundern, der einen Computer sein eigen nennt. Die sind ja so was von eigensinnig. Zum Glück sind sie nicht ganz so eigenwillig wie ihre Programmierer, sogar gehorsam. Sie können also, wenn man ihnen gut zuredet, oder ihnen völlig falsche Vorgaben macht was bei den Softwarefetischisten als ausgeschlossen gelten muß.
maloo 05.07.2010
2. Millionenpanne?
"Was als Routinemission geplant war, ist für die Raumfahrtnationen Russland und USA zu einer peinlichen Millionenpanne geworden." Warum Millionenpanne? Das wäre doch vermutlich nur der Fall gewesen, wenn der Weltallfrachter verloren gewesen wäre. Es hat zwar etwas länger gedauert als geplant, aber das wird doch nicht gleich Millionen gekostet haben.
dh7fb 05.07.2010
3. Beinahe-Katastrophe und Geldverschwendung?
Zitat von maloo"Was als Routinemission geplant war, ist für die Raumfahrtnationen Russland und USA zu einer peinlichen Millionenpanne geworden." Warum Millionenpanne? Das wäre doch vermutlich nur der Fall gewesen, wenn der Weltallfrachter verloren gewesen wäre. Es hat zwar etwas länger gedauert als geplant, aber das wird doch nicht gleich Millionen gekostet haben.
Volle Zustimmung! Es war keine Millionenpanne. Das Progress-Raumschiff hat mit einiger Verspätung ohne zusätzlichen Aufwand angedockt. Mir ist auch nicht klar, wieso eine kleinere Fehlfunktion gleich "peinlich" ist. Ausserdem wird nicht deutlich, dass das erste Andock-Manöver "gescheitert" ist. Semantisch kann ein Schiff auf Klippen scheitern, dann ist es verloren! Das war nicht der Fall. Wenn die NASA "beschwichtigt" dann findet man für dieses Verb folgende Synonyme: bagatellisieren, herunterspielen, verharmlosen, unterbewerten. Aber es wurde ja nix weiter als die Realität durch die NASA verkündet. Sie hat nicht beschwichtigt! Dann nochmal dieser Satz im Artikel: "Der peinliche Zwischenfall kommt für Russen und Amerikaner gleichermaßen zur Unzeit." Was soll dieser journalistische Mist? Tatsache war: eine automatischen Funktion hat nicht funktioniert, das Manöver wurde kurze Zeit später wiederholt, es ist nix passiert dabei. Ein Autor auch des SPON sollte der ehrliche Mittler sein und nicht versuchen, durch semantische Akrobatsakte eine Meinung zu suggerieren. Mit gleicher Münze heimgezahlt könnte man rufen: "Ein Lehrstück in Demagogie statt sachlicher Berichterstattung!" DH7FB
obi wan 05.07.2010
4. Auf Thema antworten
Zitat von dh7fbVolle Zustimmung! Es war keine Millionenpanne. Das Progress-Raumschiff hat mit einiger Verspätung ohne zusätzlichen Aufwand angedockt. Mir ist auch nicht klar, wieso eine kleinere Fehlfunktion gleich "peinlich" ist. Ausserdem wird nicht deutlich, dass das erste Andock-Manöver "gescheitert" ist. Semantisch kann ein Schiff auf Klippen scheitern, dann ist es verloren! Das war nicht der Fall. Wenn die NASA "beschwichtigt" dann findet man für dieses Verb folgende Synonyme: bagatellisieren, herunterspielen, verharmlosen, unterbewerten. Aber es wurde ja nix weiter als die Realität durch die NASA verkündet. Sie hat nicht beschwichtigt! Dann nochmal dieser Satz im Artikel: "Der peinliche Zwischenfall kommt für Russen und Amerikaner gleichermaßen zur Unzeit." Was soll dieser journalistische Mist? Tatsache war: eine automatischen Funktion hat nicht funktioniert, das Manöver wurde kurze Zeit später wiederholt, es ist nix passiert dabei. Ein Autor auch des SPON sollte der ehrliche Mittler sein und nicht versuchen, durch semantische Akrobatsakte eine Meinung zu suggerieren. Mit gleicher Münze heimgezahlt könnte man rufen: "Ein Lehrstück in Demagogie statt sachlicher Berichterstattung!" DH7FB
Es geht darum zu zeigen, daß die die Raumfahrt keinen wirklichen Zweck erfüllt. Die Millionen, die diese Panne gekostet hat hätten viel besser dafür eingsetzt werden können den Hunger auf der Welt zu bekämpfen. Das ist doch klar!!!!
dh7fb 05.07.2010
5. Hunger auf der Welt und ISS
Zitat von obi wanEs geht darum zu zeigen, daß die die Raumfahrt keinen wirklichen Zweck erfüllt. Die Millionen, die diese Panne gekostet hat hätten viel besser dafür eingsetzt werden können den Hunger auf der Welt zu bekämpfen. Das ist doch klar!!!!
Gut, also erfüllt die Berichterstattung einen missionarischen Auftrag? Und nun sagen Sie doch mal: Wieviel Millionen hat die Panne denn gekostet? Ich sage es Ihnen: die Panne kostete keinen EINZIGEN Euro! Um den Hunger auf der Welt zu bekämpfen wüsste ich sehr viele Quellen, was die Forschung in Richtung Grundlagen und Technologie in Verbindung mit der ISS damit zu tun hat bleibt Ihr Geheimnis. Aus hohlen, uninformierten und konfusen "Gutmenschparolen" werden keine ernsthaften Argumente durch 4 Ausrufezeichen.
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