Nach Satelliten-Panne Russland lässt Trägerraketen am Boden

Nach der jüngsten Raumfahrt-Panne müssen die "Proton M"-Raketen der russischen Raumfahrtagentur am Boden bleiben - bis der Grund gefunden wird, warum der jüngste Satellitenstart missglückt ist. Trotzdem soll diese Woche ein weiterer russischer Satellit ins All befördert werden.

"Proton-M"-Rakete (Archivbild): Roskosmos sucht nach der Ursache der Fehlfunktion
AFP

"Proton-M"-Rakete (Archivbild): Roskosmos sucht nach der Ursache der Fehlfunktion


Es war eine weitere Episode in der Pannenserie der russischen Raumfahrt: Ein Express-AM4-Telekommunikationssatellit hatte sich beim Start in der vergangenen Woche zwar von seiner Proton-M-Trägerrakete gelöst, war aber in die falsche Umlaufbahn um die Erde geraten. Die Ursache dafür soll ein Fehler im Steuerungssystem der Oberstufe des Typs Bris-M gewesen sein.

Nach der Panne hat Russland den Einsatz aller Proton-M-Trägerraketen mit Bris-M-Oberstufen vorübergehend ausgesetzt. Die Systeme würden so lange nicht verwendet, bis klar sei, warum der Satellit vom Kurs abgekommen sei, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos am Dienstag mit.

Bereits im Dezember waren drei russische Satelliten bei Hawaii in den Pazifik gestürzt, die für das russische Navigationssystem Glonass benötigt wurden. Grund für den Absturz war ein Fehler beim Betanken der Proton-M-Rakete.

Mit Hilfe des Nordamerikanischen Luft- und Weltraum-Verteidigungskommandos (Norad) sei nun es gelungen, die genaue Position des mehr als fünf Tonnen schweren Express-AM4-Satelliten auszumachen. Spezialisten versuchen nach Angaben von Roskosmos derzeit, eine Verbindung zu dem Satelliten herzustellen. Zudem werde geprüft, ob er noch in die richtige Umlaufbahn befördert werden könne. Der Satellit war zuvor als besonders leistungsfähig gelobt worden und sollte in den kommenden 15 Jahren unter anderem die Versorgung mit digitalem Fernsehen sicherstellen.

Der vorübergehende Stopp für Proton-M-Raketen soll aber den für diese Woche geplanten Start eines Glonass-Kommunikationssatelliten nicht beeinträchtigen. Eine Trägerrakete vom Typ "Sojus 2" soll den Satelliten am 26. August vom Weltraumbahnhof Plessezk aus ins All bringen. Ursprünglich sollte der Satellit bereits einen Tag früher starten. Der Grund für die Verschiebung wurde nicht bekannt.

wbr/AFP

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