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30. August 2011, 11:13 Uhr

Nach Sojus-Panne

Nasa erwägt Evakuierung der Internationalen Raumstation

Der Absturz eines russischen Raumtransporters gefährdet den Außenposten im All: Können die Sojus-Raketen bis November nicht wieder starten, wird die Internationale Raumstation möglicherweise ohne Crew auskommen müssen.

Hamburg - Die Internationale Raumstation ISS könnte ab Mitte November kurzzeitig ohne Besatzung im Erdorbit kreisen. Sollten die russischen Sojus-Raketen nach dem Absturz vergangener Woche bis dahin nicht wieder starten können, gebe es keine Möglichkeit Astronauten zur ISS zu schicken, bevor die jetzige Besatzung die Raumstation verlassen müsse, teilte die US-Weltraumbehörde Nasa mit.

Nach dem Absturz einer Sojus-Rakete samt Frachtraumschiff war ein für Ende September geplanter Flug zur Internationalen Raumstation mit drei neuen Astronauten verschoben worden. Drei Mitglieder der ISS-Crew, die eigentlich am 8. September zur Erde zurückkehren hätten sollen, müssen mindestens eine Woche länger im Erdorbit bleiben. Die an der Raumstation angedockten Sojus-Kapseln sind für einen Aufenthalt von maximal sechseinhalb Monaten im All zugelassen.

Und der Zeitplan zur Neubesetzung der ISS könnte sich womöglich noch weiter verzögern: Ein namentlich nicht genannter Vertreter der russischen Weltraumbehörde Roskosmos sagte der Nachrichtenagentur Interfax, bevor die Crew ersetzt werde, wolle die Raumfahrtagentur bis Dezember zunächst zwei unbemannte Sojus-Raketen ins All schicken. Auch wenn eine Crew einen Absturz wie den der vergangenen Woche wahrscheinlich überlebt hätte, wollen beide Weltraumagenturen dieses Risiko nicht eingehen.

Vorräte bis zum Sommer

Die Nasa betonte, dass die Vorräte auf der ISS bis zum kommenden Sommer reichen würden. Für die Besatzung bestehe keine Gefahr. Der Abzug eines Teils oder der gesamten ISS-Crew hätten aber Auswirkungen auf die Forschungsarbeiten.

Normalerweise halten sich stets sechs Astronauten in der Raumstation auf; derzeit sind es drei Russen, zwei Amerikaner und ein Japaner. In der Vergangenheit war die Raumstation zeitweise auch mit einer Besatzung von zwei Personen betrieben worden. Die Kontrolle einer unbemannten ISS vom Boden aus sei möglich, solange alle wichtigen Systeme funktionierten, sagte Mike Suffredini, der Direktor des ISS-Programms bei der Nasa. Es besteht jedoch das Risiko, dass Systeme ausfielen, die an Bord repariert werden müssen.

Roskosmos hat derzeit eine entscheidende Stellung in der Raumfahrt. Denn nachdem die Nasa ihre Shuttle-Programm eingestellt hat, verfügt Russland Juli als einziges Land über Raketen für bemannte Flüge zur Internationalen Raumstation.

wbr/dapd/AFP

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