Nach Technikproblem Russen sehen "Sojus" wieder auf Kurs

Russlands oberster Raumfahrtmanager gibt sich sicher: Das Problem, das im August zum Absturz einer unbemannten "Sojus"-Rakete geführt hat, wird nicht wieder auftreten. Weitere Starts seien unbedenklich, sagt Wladimir Popowkin.

"Sojus"-Startrampe in Baikonur (September 2006): Alle Antriebe überprüft
DPA

"Sojus"-Startrampe in Baikonur (September 2006): Alle Antriebe überprüft


Moskau - Wie zuverlässig ist die russische Raketentechnik? Nach dem Absturz einer unbemannten "Sojus"-Rakete am 24. August hatte Raumfahrtexperten rund um den Erdball diese Frage umgetrieben. Nun bemüht sich Russlands Raumfahrtagentur Roskosmos demonstrativ um Entwarnung.

Die Europäische Weltraumorganisation Esa hatte nach dem Crash schnelle Aufklärung gefordert. Und die liefert Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin jetzt: Eine Überprüfung der Antriebe mehrerer "Sojus"-Raketen habe keine Mängel erkennen lassen, sagte er am Freitag. An dem Unglück vom August seien Produktionsfehler Schuld.

Eine verstopfte Treibstoffleitung habe den Crash verursacht, war einige Tage nach dem Absturz zu hören gewesen. Popowkin erklärte nun, die Antriebe aller übrigen "Sojus"-Raketen seien fehlerfrei. Bei dem Problem in der abgestürzten Rakete handele es sich um einen einzelnen Vorfall.

Der Roskosmos-Chef erklärte, am 30. Oktober werde die erste Transportrakete zur ISS starten. Für den 14. November sei dann der Start einer bemannten Rakete geplant. Vor wenigen Tagen war vom nordrussischen Militärkosmodrom Plessezk bereits eine unbemannte "Sojus"-Trägerrakete ins All gestartet. Der Transport eines Satelliten für das russische Navigationssystems Glonass verlief ohne Probleme

Am 20. Oktober soll vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana erstmals eine Rakete dieses Typs ins All geschossen werden. Auch sie soll Navigationssatelliten an Bord haben, in diesem Fall für das europäische Galileo-System.

Seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms der USA ist die Versorgung der Internationalen Raumstation (ISS) weitgehend von Russland abhängig. Zwar haben auch Europäer und Japaner unbemannte Frachttransporter gebaut. Doch der Großteil der Last muss mit russischer Technik transportiert werden - und Astronauten sowieso, zumindest bis US-Unternehmen eines Tages die von der Nasa herbeigesehnten privaten Astronautentransporter präsentieren.

Und genau deswegen hatte der "Sojus"-Unfall Ende August so große Besorgnis ausgelöst. Die Nasa hatte erklärt, die ISS werde das erste Mal in ihrer elfjährigen Geschichte geräumt werden müssen, sollte die jetzige sechsköpfige Besatzung nicht vor Mitte November ausgetauscht werden können. Da nun aber wieder der normale Zubringerverkehr aufgenommen werden soll, scheint diese Gefahr einstweilen gebannt.

chs/dapd

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.