Nasa-Aufnahmen Altes Seensystem auf dem Mars entdeckt

Der Mars besaß einst große Seen, die durch Flüsse miteinander verbunden waren - das glauben Forscher auf neuen Satellitenbildern des Roten Planeten zu erkennen. Das Überraschende: Die Spuren stammen aus einer Zeit, als der Mars schon öde und kalt gewesen sein soll.
Fotostrecke

Mars-Mission: Seen und Kanäle auf dem Roten Planeten

Foto: NASA

Die Erkenntnisse darüber, dass es auf dem Mars einst Wasser und damit die Voraussetzung für Leben gab, werden immer dichter. Auf Satellitenaufnahmen der Nasa-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) haben Geologen jetzt drei Milliarden Jahre alte Seenbecken entdeckt.

Das Forscherteam um Nicholas Warner vom Imperial College in London und Jan-Peter Muller vom University College in London hat dazu Aufnahmen verschiedener Vertiefungen der Äquatorregion Ares Vallis untersucht. Geologen glaubten bisher, diese Senken seien dadurch entstanden, dass Eismengen verdunstet sind, ohne vorher flüssig geworden zu sein.

Die neuen Bilder, die jetzt im Fachmagazin "Geology" veröffentlicht wurden, zeigen aber, dass die Seen durch kleinere Flüsse miteinander verbunden sind. Die Forscher sehen darin einen Anhaltspunkt dafür, dass die Formationen durch fließendes Wasser entstanden sind. Einzelne Gewässer seien im Laufe der Zeit übergelaufen, so dass sich das Wasser seinen Weg durch den Marsboden gebahnt habe. Die Landschaft auf dem Mars ähnele dabei auffällig den Thermokarst-Gebieten in Alaska und Sibirien, in denen verzweigte Seensystem aus schmelzenden Permafrostböden entstanden sind.

Interessant ist dabei das Alter dieser Seenbecken. Die Forscher schätzen es anhand von Kraterzählungen auf rund drei Milliarden Jahre. Geologen gingen bisher davon aus, dass der Mars vor vier und 3,8 Milliarden Jahren eine feuchtwarme Periode hatte, bevor er den Großteil seiner Atmosphäre verlor. Seitdem, so die bisherige Annahme, war der Mars zu kalt und die Atmosphäre zu dünn, um flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche zu haben.

"Die Erforschung des Mars hat sich bislang weitgehend auf die Frühphase und die jüngere Vergangenheit konzentriert", sagt Warner. Das Mittelalter des Planeten sei sehr viel dynamischer verlaufen als bisher angenommen. Als Erklärung für die flüssigen Wassermassen vermuten die Geologen vulkanische Aktivität, Meteoriteneinschläge oder eine Veränderung der Umlaufbahn des Planeten um die Sonne. Ihre Studie könnte auch für Forscher, die nach einem Beweis für Leben auf dem Mars suchen, eine geeignete Basis sein. In den Seen könnte eventuell mikrobielles Leben existiert haben.

Mit ihrer Suche nach Wasservorkommen auf dem Mars sind die Forscher bei weitem nicht die ersten. Im Wettlauf um die Erforschung der Lebenstauglichkeit des Planeten wurde etwa im Juli 2008 erstmals Eis im Sand des Planeten ausgegraben. Und schon 2004 sind der Esa-Sonde "Mars Express" Aufnahmen von Flussbetten auf dem Mars gelungen. Auch die Nasa-Sonde MRO konnte bereits 2006 erste Flüsse auf dem Mars aufzeichnen.

Das britische Forscherteam möchte im nächsten Schritt weitere Areale des Mars-Äquators untersuchen, um abzusichern, wie verbreitet solche Seenlandschaften auf dem Planeten waren.

som
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.