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Flugkörper "Ebb" und "Flow" Nasa-Sonden stürzen auf den Mond

Mission beendet: Die beiden "Grail"-Sonden der Nasa sind auf dem Mond eingeschlagen. Die waschmaschinengroßen Flugkörper zerschellten wie geplant in der Nähe des Mond-Nordpols an einem Berg.

Hamburg - Knapp ein Jahr lang sind die beiden "Grail"-Zwillingssonden der Nasa um den Mond gekreist. Nun hat die US-Weltraumbehörde "Ebb" und "Flow" auf den Erdtrabanten stürzen lassen.

Zunächst zerschellte die Sonde "Ebb" wie geplant an einem Berg in der Nähe des Mond-Nordpols. Der Aufprall des zweiten Flugkörpers, "Flow", der das gleiche Ziel anvisierte, folgte etwa eine halbe Minute später.

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"Grail"-Sonden: Ende mit Wumms

Foto: NASA/ JPL-Caltech/ MIT

Wie die Nasa vorab mitteilte, sollten die beiden waschmaschinengroßen Sonden mit einer Geschwindigkeit von rund 6050 Kilometern pro Stunde auf die Mond-Oberfläche aufprallen. Da der für den Absturz vorgesehene Teil des Mondes im Schatten liegt, gibt es keine Bilder vom Crash.

Nach Angaben der Nasa war der Treibstoff der zwei Sonden nahezu aufgebraucht. Die Steuermanöver, welche die Sonden für ihre wissenschaftliche Datensammlung durchführen mussten, waren deshalb nicht mehr lange möglich, das Ende der Mission also unabwendbar. "Es ist schwer, sich zu verabschieden", sagte die wissenschaftliche Leiterin der "Grail"-Mission, Maria Zuber, vom MIT in Cambridge.

Absturz im Dienst der Wissenschaft

Der geplante Absturz sollte zum einen verhindern, dass eine der Sonden in eine der historischen Landestellen des Apollo-Programms auf dem Mond einschlägt - auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür extrem gering war.

Zum anderen kann der Absturz selbst als letztes Experiment der "Grail"-Zwillinge gelten. Die Nasa kann mit dem Manöver genau klären, wie viel Treibstoff die Sonden noch an Bord hatten. Das hilft dabei, den Bedarf für kommende Sonden-Missionen genauer zu bestimmen. Ohnehin waren "Ebb" und "Flow" schon länger aktiv als ursprünglich geplant. Anfangs war die wissenschaftliche Phase lediglich auf drei Monate angesetzt.

Die beiden Gefährte kreisten auf derselben Flugbahn leicht versetzt um den Mond und übermittelten fünfmal pro Sekunde ihre Position - und zwar bis auf 0,1 Mikrometer genau. So konnten Forscher das Schwerefeld des Erdtrabanten viel genauer ermitteln, als das bislang möglich gewesen war.

Vor kurzem berichteten Forscher auf einer Tagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union (AGU) sowie im Fachmagazin "Science", dass sie mit Hilfe von "Ebb" und "Flow" Magma-Kanäle von bis zu 480 Kilometern Länge im Inneren des Mondes nachweisen konnten.

Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Version des Artikels war eine falsche Angabe zur Genauigkeit, mit der die Sonden ihre Position übermitteln. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

wbr/bos/AP
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