Nasa-Forschungsmission "Grail"-Sonde entdeckt den Mond ganz neu

Jubel im Nasa-Hauptquartier, die erste von zwei "Grail"-Sonden hat fast drei Monate nach ihrem Start die Umlaufbahn des Mondes erreicht. Ihre Daten sollen neue Erkenntnisse über die Entstehung des Erdtrabanten liefern - dazu sind komplizierte Manöver nötig, wie sie noch nie geflogen wurden.

NASA/ JPL-Caltech

Washington - Nach dreieinhalb Monaten Reise ist seit Samstag die erste der beiden "Grail"-Mondsonden am Ziel. "Grail"-A schwenkte wie geplant am Silvestertag in ihre Umlaufbahn um den Erdtrabanten, wie die US-Weltraumbehörde Nasa mitteilte. Sein Zwilling "Grail"-B soll am Sonntag rund 24 Stunden später dasselbe Manöver vollziehen. "Macht den Sekt auf, und stoßt auf den Mond an!", forderten die Nasa-Wissenschaftler über den Kurznachrichtendienst Twitter die Leser auf.

"Grail" soll das Schwerefeld des Mondes hundert- bis tausendmal genauer bestimmen als bisher. Astronomen erwarten sich davon Aufschlüsse über die innere Struktur des Erdtrabanten. Die kühlschrankgroßen Sonden waren am 10. September vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet. "Grail"-B sollte am Neujahrstag gegen 23 Uhr MEZ beginnen, auf ihren künftigen und endgültigen Orbit einzuschwenken.

Die beiden Sonden sollen so in Umlaufbahnen manövriert werden, dass sie mit etwa hundert Kilometern Abstand in einer Tandemformation hintereinander herfliegen. Die komplizierten Manöver der Mission seien so bei einer Erkundungsmission außerhalb der Erde bislang noch nie geflogen worden, betonte die Nasa.

Im Schleichtempo zum Erdtrabanten

Wissenschaftler erwarten die Ergebnisse schon gespannt. "Nach dieser Mission werden die Fachbücher über die Entstehung des Mondes neu geschrieben werden müssen", sagte "Grail"-Forscherin Maria Zuber vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Während die "Apollo"-Missionen, bei denen zwölf Menschen den Mond betreten konnten, für die rund 400.000 Kilometer zum Erdtrabanten etwa drei Tage brauchten, ließen sich die "Grail"-Wissenschaftler bewusst Zeit für die lange Reise. Dadurch hätten die Forscher ausreichend Gelegenheit gehabt, die Sonden während des Flugs noch einmal auf Herz und Nieren zu testen, so die Nasa.

Während der 82 Tage langen Messphase sollen die Sonden winzige Schwankungen im Schwerkraftfeld des Mondes kartieren. Wegen dieser Unterschiede, die von Gebirgen und Tälern, aber auch unterirdischen Masseänderungen hervorgerufen werden, fliegen die Sonden jeweils etwas schneller oder langsamer. Diese Geschwindigkeitsänderungen überwachen die "Grail"-Zwillinge dabei gegenseitig.

Auf diese Weise entsteht eine etwa hundertmal genauere Schwerkraftkarte der Vorderseite des Mondes und eine tausendmal genauere Schwerkraftkarte der Rückseite als bisher. Diese Karten erlauben Einblicke in die innere Struktur des Erdtrabanten - von der Kruste bis zum Kern, wie die Nasa betont. Aus den Erkenntnissen zur Entwicklungsgeschichte des Mondes erwarten die Forscher auch Aufschlüsse über die Entwicklung der inneren Gesteinsplaneten unseres Sonnensystems, einschließlich unserer Erde.

Schon länger ist bekannt, dass das Schwerefeld des Mondes sehr ungleichmäßig ist. Aus den neu gewonnenen Daten hoffen die Forscher, eine mögliche Erklärung dafür ableiten zu können. Unter Umständen könnte auch eine alte Theorie überprüft werden: ob der heutige Mond aus zwei Erdtrabanten entstanden ist.

sto/dpa/AP

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