Kommerzielle Raumfahrt Mit Outsourcing zum Mond

Bis 2024 wollen die USA die erste Frau und den nächsten Mann auf den Mond schicken. Drei Privatfirmen sollen diese Mission in den nächsten Jahren vorbereiten.

Astrobotic/ NASA/ DPA

Drei private Raumfahrtunternehmen sollen für die US-Raumfahrtbehörde Nasa unbemannte Lander bauen, die bereits ab dem kommenden Jahr wissenschaftliche Experimente und Technik zum Mond bringen könnten. So solle der Weg geebnet werden, um bis 2024 wieder US-Astronauten auf den Mond zu bringen, teilte die Nasa mit.

"Nächstes Jahr werden wir wissenschaftliche und technische Forschung auf der Oberfläche des Mondes durchführen und das wird uns dabei unterstützen, die erste Frau und den nächsten Mann innerhalb der nächsten fünf Jahre auf den Mond zu schicken", sagte Nasa-Chef Jim Bridenstine.

Ursprünglich war die nächste bemannte Mission für das Jahr 2028 geplant - das ging der Trump-Administration jedoch nicht schnell genug. Vizepräsident Pence warf der Nasa "bürokratische Schwerfälligkeit" vor und mahnte zur Eile. Ein Scheitern des Fünfjahresziels sei "keine Option". Präsident Trump forderte den Kongress deshalb auf, der Nasa zusätzliche Mittel von 1,6 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen.

Insgesamt 23 Ladungen sollen zum Mond

Die Vorbereitung der Mondlandung sollen nun drei private Firmen übernehmen, die mit ihren Landern Fracht zum Erdtrabanten bringen sollen. Firma Astrobotic aus Pittsburgh bekommt rund 79,5 Millionen Dollar, um bis Juli 2021 bis zu 14 Ladungen zu einem Mondkrater auf der erdzugewandten Seite zu bringen.

77 Millionen Dollar gehen an Intuitive Machines aus Houston, um im gleichen Zeitraum fünf Ladungen zu einem dunklen Fleck namens "Oceanus Procellarum" auf dem Mond zu befördern. Die größte Summe wird jedoch für den Transport von vier Ladungen bis September 2020 fällig. Die Firma Orbit Beyond aus dem US-Bundesstaat New Jersey soll sie in eine Lavaebene in einem Mondkrater bringen und erhält dafür 97 Millionen Dollar.

Erste US-Raumschiffe auf dem Mond seit 1972

Es wären die ersten US-Raumschiffe auf dem Mond, seit die Astronauten von "Apollo 17" den Erdtrabanten 1972 verließen. Damals hatte die Nasa die Raumschiffe noch selbst entwickelt und gebaut, diesmal hat sich die Raumfahrtagentur für den kostengünstigeren Weg des Outsourcings entschieden.

Die Firmen sind von der Vorbereitung des Starts bis zur Landung auf dem Mond für alles zuständig. Wann welcher Lander genau losfliegen soll, will die Nasa in den kommenden Monaten entscheiden. Die Lander könnten unter anderem einen möglichen Ort für eine bemannte Mondlandung erforschen.

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Unbemannte Nasa-Raumschiffe: Drei Lander für den Mond

"Diese Lander sind nur der Anfang einer aufregenden kommerziellen Zusammenarbeit, die uns näher daran bringen wird, viele wissenschaftliche Geheimnisse des Mondes, unseres Sonnensystems und darüber hinaus zu erfahren", sagte Nasa-Manager Thomas Zurbuchen. "Was wir lernen werden, wird nicht nur unsere Sicht auf das Universum verändern, sondern auch den Weg für bemannte Missionen zum Mond und schließlich auch zum Mars vorbereiten."

ene/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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vetris_molaud 01.06.2019
1.
Der Donald hatte sich offenbar JFKs Mondlandrede zu oft angesehen und sich gedacht: kann ich auch. Und da eine dritte Präsidentschaft nicht möglich ist, muss er eben Gottkaiser von Nordamerika werden. Sollte der eine oder andere Astronaut im Mondstaub sterben, weil unerprobte Technik überhastet eingesetzt wurde - für Trump ein normales Berufsrisiko.
Sissy.Voss 01.06.2019
2. Spannend
Es hat nach Kennedy´s Ankündigung 1961 ca. 8 Jahre gedauert, bis Neil Alden Armstrong den Mond betreten hat (1969). Das war für eine Leistung aus dem Nichts heraus einfach unglaublich. Wir saßen mit offenen Mündern vor den Schwarz-Weiß-Fernsehern. JFK hat es nicht mehr erlebt, er wurde am 22.11.1963 in Dallas erschossen. Eine Leistungsklasse wie im AGC (Apollo Guidance Computer) war 12 Jahre später für jedermann im C64 verfügbar. Wenn man bedenkt, was sich in der Computertechnik seither getan hat, sollte es heute ein Leichtes sein. Nur - leider bringt nicht der Computer, sondern die Rakete die Menschen zum Mond. Mit guter alter sowjetischer Raumfahrtechnik hat das bis zur IIS die letzten Jahre gut geklappt. Und anscheinend klappt es auch mit dem Musk-Mobil, die 400 km zurückzulegen. Dann sind es immerhin nur noch 380.000 weitere Kilometer bis zum Mond. Wenn sich das Vehikel dann an den ganzen abgestürzten Orbitern und Landern vorbei auf die dunkle Seite des Mondes manöveriert hat, kann Trump einen Erfolg feiern, wenn ihm JFK´s Schicksal erspart bleibt.
quark2@mailinator.com 01.06.2019
3.
Sehr interessant, aber auch irgendwie lückenhaft. Das fängt mit den Zahlen an. Die wären eigentlich um Faktor 10 zu niedrig, aber es wird ja auch nicht erwähnt, auf welchem Träger der Spaß stattfinden soll. Da werden die USA in ein paar Jahren ja jede Menge Auswahl haben, je nachdem, welches Trägersystem mondtauglich weiterentwickelt wird. Und das Trump den Erfolg noch vor Ende seiner (offenbar erwarteten) 2. Amtszeit haben will, ist auch witzig, zumal er ja zunächst das NASA-Budget zusammengestrichen hatte. Und da sind wir dann schon bei der nächsten Frage ... Was wollen die da oben wirklich ? Und darauf folgt ... Will Russland ggf. auch ? Und dann ... Will Europa vielleicht endlich aufwachen und das tun, was nötig ist, oder überlassen wir die 4. Dimension einfach anderen ? Es paßt mir überhaupt nicht, in dem Land zu leben, daß viele praktische Grundlagen für die Raumfahrtprogramme in Ost und West gelegt hat, aber selbst hat man gar nichts im All. Mit etwas Glück darf man mit Frankreich zur ISS fliegen. Wenn alle anderen zum Mond fliegen, dann sollte die EU dies mMn. auch tun.
pmk123 02.06.2019
4.
Ich glaube nicht an den Erfolg dieser Pläne. Die Kosten scheinen mir viel zu niedrig und das ganze soll viel zu schnell passieren. Aber wenn sie es trotzdem schaffen die ganzen Missionen durchzuführen bin ich echt beeindruckt. Und wir Europäer müssen nicht immer das nachmachen was die Amerikaner oder Chinesen planen. Es gibt genug andere Bereiche in denen es sich lohnt zu forschen und zu investieren. Nur sollten wir das dann auch tun (alternative Raketenantriebe, Industrie 4.0, abbaubare Kunststoffe/Materialien, erneuerbare Energien, Powert to X).
HeisseLuft 02.06.2019
5. .
Ich glaube kein Wort davon, dass in ein paar Jahren Menschen wieder den Mond betreten. Aber wenn diese Aktion so umfassend und systematisch vorbereitet wird, wie es hier den Anschein hat, dann wird allein diese Vorbereitung die Raumfahrt sehr voranbringen. Autonome Lander können mit Modifikationen auch in anderen Situationen eingesetzt werden.
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