Abflug zur ISS gefährdet Hurrikan »Ian« könnte weiteren Startplan der Nasa durcheinanderwirbeln

Noch hält die Nasa am Start einer Crew zur Internationalen Raumstation Anfang Oktober fest – doch der Sturm könnte die Pläne kreuzen. Für das Raketensystem von »Artemis« geht es derweil zurück in den Hangar.
Kosmonautin Anna Kikina trainiert im Simulator des russischen Segments der ISS für die bevorstehende Mission

Kosmonautin Anna Kikina trainiert im Simulator des russischen Segments der ISS für die bevorstehende Mission

Foto: Valery Sharifulin / ITAR-TASS / IMAGO

Nach der Mondmission »Artemis« könnte ein weiterer Start der Nasa dem Hurrikan »Ian« zum Opfer fallen: der Abflug der nächsten Crew zur Internationalen Raumstation ISS. Noch werde der 3. Oktober weiter als Starttermin anvisiert, sagte Kathy Lueders, Chefin der bemannten Raumfahrt bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa. »Aber wir wissen auch, dass wir uns hier am Kennedy Space Center durch das Wetter durcharbeiten müssen.« Die nächsten möglichen Ausweichtermine seien der 4. oder 5. Oktober, hieß es.

Die »Crew-5« besteht aus der Nasa-Astronautin Nicole Aunapu Mann und ihrem Nasa-Kollegen Josh Cassada sowie dem japanischen Astronauten Koichi Wakata und der russischen Kosmonautin Anna Kikina. Sie sollen rund fünf Monate an Bord der ISS verbringen. Derzeitigen Vorhersagen zufolge könnte Hurrikan »Ian« etwa Mitte dieser Woche in Florida auf Land treffen.

Aufgrund dieser Vorhersagen hatte die Nasa schon den eigentlich für Dienstag geplanten Teststart der Mondmission »Artemis« verschoben und stattdessen angeordnet, das Raketensystem zurück in den Hangar zu verlegen. Die Manager hätten die Entscheidung auf der Grundlage der Wettervorhersagen im Zusammenhang mit »Ian« getroffen, nachdem zusätzliche Daten keine Verbesserung der zu erwartenden Bedingungen für das Gebiet des Kennedy Space Center zeigten. Das teilte die Behörde auf ihrer Website  mit. Die Entscheidung gebe den Mitarbeitern Zeit, sich um ihre Familien zu kümmern und das integrierte Raketen- und Raumfahrtsystem zu schützen.

Die problemgeplagte Mondmission Artemis gerät damit weiter unter Zeitdruck, denn das derzeitige Startfenster schließt laut Nasa am 4. Oktober. Ein weiteres Planungszeitfenster sieht einen möglichen Start der Rakete zwischen dem 17. und 31. Oktober vor. Vor rund drei Wochen waren zwei Startversuche fehlgeschlagen – unter anderem wegen eines undichten Tankschlauchs. Auch bei früheren Artemis-Tests waren schon Probleme aufgetreten, die schließlich eine erste wesentliche Verzögerung des Projekts zur Folge hatten.

Der Hurrikan hat auf seinem Weg Richtung Kuba weiter an Stärke gewonnen. Der Wirbelsturm erreichte in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit) die Kategorie 3 von 5, wie das US-Hurrikanzentrum (NHC) mitteilte. Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 185 Kilometern pro Stunde drohten im Westen der Karibikinsel lebensbedrohliche Sturmfluten, Orkanböen, Sturzfluten und Erdrutsche. Bereits am Montagabend (Ortszeit) war es den Berichten zufolge im Westen Kubas zu Überschwemmungen in Küstengebieten und stellenweise zu Stromausfällen gekommen. Meteorologen rechnen damit, dass »Ian« nach Kuba Kurs auf die Küste Floridas in den USA nimmt und dabei sogar Stärke 4 erreicht, dort warnen sie vor Sturmfluten von diesem Mittwoch.

ani/dpa
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