Nasa-Mission Zwillingssonden erreichen den Mond an Neujahr

Zum Jahreswechsel blicken Nasa-Astronomen in Richtung Mond: Dann erreichen zwei Raumsonden den Erdtrabanten. Mit ihrer Hilfe wollen die Forscher die Gravitationsverhältnisse auf dem Mond bestimmen - denn die liefern Hinweise auf seine Entstehungsgeschichte.

NASA/ JPL-Caltech

Los Angeles - Seit fast drei Monaten reisen "Grail-A" und "Grail-B" (zuweilen auch "Grail 1" und "Grail 2" genannt) durch das Weltall - an Neujahr werden die US-Raumsonden den Mond erreichen. Nach dem Erreichen der Umlaufbahn am Wochenende sollen die beiden Sonden in den folgenden Monaten Daten über die Schwerkraftverhältnisse und die Zusammensetzung des Mondes ermitteln.

Wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Donnerstag mitteilte, sollen "Grail-A" und "Grail-B" am Samstag und am Sonntag jeweils in den Abendstunden in die Umlaufbahn eintreten. Daraufhin sollen sie in einer elliptischen Bahn um den Mond kreisen und ihn bei stetiger Geschwindigkeitssteigerung schließlich in weniger als zwei Stunden umfliegen. Ab März sollen die Sonden mit den Messungen beginnen und eine hochauflösende Karte des Gravitationsfeldes des Mondes erstellen.

Die Nasa verspricht sich von dem Projekt Aufschluss über die Entwicklung des Mondes und der Erde. Die Forscher wollen damit der Hypothese nachgehen, derzufolge der heutige Mond aus einer Fusion mit einem zweiten Mond entstanden ist.

Demnach hatte die Erde etwa 70 Millionen Jahre lang nicht nur einen Mond als Begleiter, sondern zwei. Der zweite soll gemeinsam mit dem uns bekannten Mond vor 4,5 Milliarden Jahren entstanden sein. Dutzende Millionen Jahre lang sollen beide Monde koexistiert haben, bis der kleinere (mit einem Durchmesser von etwa 1200 Kilometern) aus seiner Bahn abgelenkt wurde und auf den größeren krachte. Die Kollision ließ den damals unter der Mondkruste liegenden Magmaozean zur gegenüberliegenden Seite schwappen.

Die Zwillingssonden "Grail-A" und "Grail-B" von der Größe einer Waschmaschine brauchten mehr als drei Monate, um den etwa 400.000 Kilometer entfernten Mond zu erreichen. Astronauten der Apollo-Missionen legten die Strecke in der Vergangenheit in gut drei Tagen zurück. Die Nasa steuerte die Sonden allerdings auf einem Umweg zum Mond, um ihre Funktionen auf dem Weg ausführlich zu testen. Alle Tests seien sehr gut verlaufen, erklärte die wissenschaftliche Leiterin des Projekts, Maria Zuber. Das Forschungsprojekt kostet die Nasa knapp 500 Millionen Dollar (etwa 380 Millionen Euro).

cib/AFP



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seikor 29.12.2011
1. weltall?
also, unter "reisen durch das Weltall" stelle ich mir schon etwas mehr vor, als eine Reise zum Mond, die nicht einmal das System Erde-Mond verlässt. "Reisen durch das Weltall" klingt eher nach SF, wie die Reisen von Startrek oder der Familie Robinson... ;) Schade, dass der erwähnte "Umweg" zum Mond nicht genauer erläutert wird. Vielleicht ist das ja der Grund für die interstellare Reise? ...
Geographus 29.12.2011
2. ...
Zitat von seikoralso, unter "reisen durch das Weltall" stelle ich mir schon etwas mehr vor, als eine Reise zum Mond, die nicht einmal das System Erde-Mond verlässt. "Reisen durch das Weltall" klingt eher nach SF, wie die Reisen von Startrek oder der Familie Robinson... ;) Schade, dass der erwähnte "Umweg" zum Mond nicht genauer erläutert wird. Vielleicht ist das ja der Grund für die interstellare Reise? ...
Naja, Weltall ist Weltall, und das beginnt nun einmal laut FAI in einer Höhe von 100 km, laut NASA sogar schon bei 80 km. Der Umweg hat die Sonden übrigens tatsächlich aus dem Erde-Mond- System geführt, und zwar an den Lagrange-Punkt L1, also rund 1,5 Millionen Kilometer entfernt von der Erde. Der Umweg hatte zum Ziel, das neben ausreichend Zeit zum Test der Instrumente, die Geschwin- digkeitsänderung der Sonden zum Einschwenken auf eine Mondumlauf- bahn klein zu halten, und um ihren sehr niedrigen Orbit von 50 km Höhe möglichst genau treffen zu können.
ismion 30.12.2011
3.
Zitat von GeographusNaja, Weltall ist Weltall, und das beginnt nun einmal laut FAI in einer Höhe von 100 km, laut NASA sogar schon bei 80 km. Der Umweg hat die Sonden übrigens tatsächlich aus dem Erde-Mond- System geführt, und zwar an den Lagrange-Punkt L1, also rund 1,5 Millionen Kilometer entfernt von der Erde. Der Umweg hatte zum Ziel, das neben ausreichend Zeit zum Test der Instrumente, die Geschwin- digkeitsänderung der Sonden zum Einschwenken auf eine Mondumlauf- bahn klein zu halten, und um ihren sehr niedrigen Orbit von 50 km Höhe möglichst genau treffen zu können.
An sich sind es ja nur zwei Instrumente, die getestet werden sollten - wenn man die "nicht-wissenschaftlichen" Instrumente (zur Steuerung) außer acht lässt. Schade nur, dass kein weiteres Instrument an Bord ist, z.B. ein Magnetometer oder Plasmaspektrometer. Die Testreise zum L1 hätte sicherlich gute Daten geliefert über den Sonnenwind, zumal es zwei Satelliten sind. Daraus hätte bestimmt einige Information gezogen werden können. Weiß man denn, wie weit voneinander entfernt Grail-A und -B sind? Ich habe dazu auf den Seiten der NASA nichts gefunden (oder überlesen).
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