Debatte unter Star-Astronomen Wie finden wir Außerirdische? Und wo?

Entdecken wir im All große Strukturen, die Außerirdische gebaut haben? Oder winzigste Formen von Leben? Fragen wie diese spalten die Gemeinde der Astronomen - heute haben sie online darüber diskutiert.
Suche nach Leben im All: Allen Telescope Array in Shasta County bei San Francisco

Suche nach Leben im All: Allen Telescope Array in Shasta County bei San Francisco

Foto: ? Reuters Photographer / Reuters/ REUTERS

Schwimmen sie unter der Eisschicht des Jupitermondes Europa? Rasen sie in Raumschiffen durchs All? Star-Astronomen aus aller Welt diskutierten an diesem Sonntag, wo außerirdische Organismen sein könnten - und wie wir sie finden. "Diese Frage spaltet gerade die Forschergemeinde", teilten die US-Weltraumbehörde Nasa und die Michigan Technological University mit, die die Debatte organisiert hatten. Sie fand wegen der Corona-Pandemie online statt, die Wissenschaftler reichten ihre Beiträge schriftlich ein.

"Innerhalb der nächsten 20 Jahre werden wir große technische Strukturen im All aufspüren", glaubt zum Beispiel der prominente US-Astronom Seth Shostak. Der Direktor der Sternwarte des Vatikans, Guy Consolmagno, erwartet hingegen keine Sternenschiffe, sondern die Entdeckung einfacher Lebensformen. Er vermutet, dass wir bald biologische Spuren in dem Wasser finden, das aus Europas Innerem ins All schießt. "Das wäre ein starkes Anzeichen dafür, dass es unterhalb der Eisschicht des Mondes Leben gibt", schrieb Consolmagno.

Sind die Außerirdischen schon da?

Vor Kurzem hatte sich auch die britische Astronautin Helen Sharman bei diesem Thema zu Wort gemeldet - mit interessanten Ansichten. "Außerirdische existieren, es gibt keinen Zweifel daran. Es gibt so viele Milliarden von Sternen da draußen im Universum, dass es alle möglichen Arten von Lebensformen geben muss", hatte die Wissenschaftlerin der Zeitung "The Observer"  gesagt.

Diese Lebensformen müssten nicht unbedingt aus Kohlenstoff und Stickstoff bestehen wie das Leben auf der Erde und damit auch der Mensch. "Es ist möglich, dass sie schon hier sind und wir sie einfach nicht sehen können."

Dass es auch andere Lebensformen geben könnte, die nicht auf Kohlenstoff basieren, ist eine beliebte Theorie. Zum Beispiel wäre Leben auf Basis von Silicium denkbar, das ähnliche Eigenschaften wie Kohlenstoff hat. Allerdings sind Verbindungen mit Silicium deutlich starrer. Dass daraus intelligentes Leben entstehen kann, gilt deshalb als unwahrscheinlich. Chemische Prozesse würden einfach zu lange dauern.

Die Onlinedebatte der Astronomen fand übrigens auf den Tag genau 100 Jahre nach einem aufsehenerregenden wissenschaftlichen Duell statt. Am 26. April 1920 diskutierten die US-Astronomen Heber Curtis und Harlow Shapley im Smithsonian Museum of Natural History in Washington die Frage, ob die Sonne in der Mitte der Milchstraße ist und ob es weitere Galaxien im Universum gibt. Heute ist bekannt, dass die Zahl der Galaxien in die Milliarden geht - und dass sich unser Stern in einem Seitenarm der Milchstraße befindet, fernab des Zentrums.

oka/dpa
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