Neue Messungen Eis-Verdacht im Mondkrater

Forscher haben einen potentiellen Standort für eine künftige Mondbasis gefunden. Ein Krater hat sich bei erneuten Messungen als überraschend alt herausgestellt - er könnte gewaltige Mengen gefrorenen Wassers enthalten.


London - Der Krater "Shackleton" am Mondsüdpol ist neuen Messungen zufolge älter als bislang angenommen - und enthält deshalb möglicherweise auch mehr Eis als gedacht. Damit könnte er sich vermutlich gut als Standort für eine künftige Mondbasis eignen, die aus den Eisvorkommen Wasser beziehen könnte.

Mond-Südpol: Wäre der Shackleton-Krater ein guter Standort für eine Mondbasis?
Cornell University / Arecibo Observatory

Mond-Südpol: Wäre der Shackleton-Krater ein guter Standort für eine Mondbasis?

Wissenschaftler um den Geologen Paul Spudis vom Lunar and Planetary Institute in Houston führten eine genaue Altersbestimmung des Kraters anhand detailreicher Bilder der Esa-Raumsonde "Smart-1" durch. Der Krater ist demach rund 3,6 Milliarden Jahre alt. Bisherige Schätzungen gingen von einem Alter zwischen einer Milliarde und 3,3 Milliarden Jahren aus. "Damit hat es viel mehr Zeit gegeben, in der sich Eis hätte ansammeln können", sagte Ben Bussey, einer der beteiligten Forscher, dem Onlinedienst "Nature News". "Es ist denkbar, dass während der Jahrmilliarden eine bedeutende Reserve entstanden ist."

Einer Theorie zufolge könnte Eis durch den Einschlag wasserhaltiger Kometen auf den Mond gelangt sein. Für eine kontinuierliche Versorgung mit Wasser könnte dagegen der sogenannte Sonnenwind sorgen, glauben Spudis und seine Kollegen: Dieser permanente Strom von geladenen Teilchen enthält große Mengen Wasserstoff. Sobald er auf sauerstoffreiches Mondgestein treffe, könnte sich daraus Wasser bilden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Geophysical Research Letters".

Der Shackleton-Krater misst rund 20 Kilometer im Durchmesser. Seine Lage am Südpol verleiht ihm eine besondere Beleuchtung: Während der Rand fast permanent von der Sonne bestrahlt wird und damit gute Voraussetzungen für die Energiegewinnung bietet, liegt der Kratergrund dauerhaft im Schatten. Im dunklen Teil könnte sich daher Wasser in Form von Eis angesammelt haben.

Spudis' Team sieht im Shackleton-Krater deshalb einen geeigneten Stützpunkt für eine künftige Mondbasis, da Eis wichtig für die Versorgung der Astronauten und die Energiegewinnung wäre. Die Sache hat nur einen Haken: Bisher ist alles blanke Theorie, denn ein Beweis für die Existenz von Eis auf dem Kratergrund steht noch aus. Und bisher gab es in dieser Hinsicht wenig Ermutigendes zu vermelden. Im Oktober 2006 etwa haben Wissenschaftler Radarbilder von der Mondoberfläche angefertigt, auch vom Shackleton-Krater. Das Ergebnis: Keine Spur von größeren Eisablagerungen.

Spudis und seine Kollegen aber erhoffen sich bessere Daten unter anderem von einer indischen Mondmission, die im September den Satelliten "Chandrayaan-1" in eine Mondumlaufbahn bringen soll. Auch die im September 2007 gestartete japanische "Kaguya"-Sonde könnte wertvolle Erkenntnisse liefern.

Manuel Grande von der University of Wales in Aberystwyth wandte jedoch ein, dass für eine größere Eis-Ansammlung im Shackleton-Krater nur die Kometen-Theorie in Frage komme. Die Eis-Ablagerung durch den Sonnenwind gehe so langsam vonstatten, dass die Verluste eine Ansammlung größerer Eismengen verhinderten, meint Grande, der an der "Smart-1"-Mission beteiligt war.

mbe/ddp



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