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05. Dezember 2012, 06:24 Uhr

Neue Mission 2020

Nasa schickt "Curiosity"-Zwilling zum Mars

Aus San Francisco berichtet

Wegen des großen Erfolgs gibt es eine Neuauflage: Die Nasa will 2020 eine Kopie des Weltraumautos "Curiosity" zum Mars schicken. Es soll die Landung von Menschen vorbreiten.

Auf der Erde mag der Vormachtstatus der USA bröckeln, auf dem Mars baut das Land seine Position immerhin aus. Die Nasa wolle im Jahr 2020 den nächsten Rover zum Roten Planeten schicken, sagte John Grunsfeld, wissenschaftlicher Leiter der US-Raumfahrtbehörde auf der Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union (AGU) in San Francisco.

"Mit dieser Mission stellen wir sicher, dass Amerika die weltweit führende Nation bei der Erforschung des Mars bleibt", ergänzte Nasa-Chef Charles Bolden. "Wir unternehmen damit einen wichtigen Schritt auf dem Weg, Menschen in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts dorthin zu schicken". Auch die europäische Weltraumagentur Esa plant, 2020 einen weiteren Marsroboter auf den Weg zu bringen.

Das neue, noch namenlose Weltraumauto der Nasa soll ähnlich funktionieren wie der Rover "Curiosity", der seit August auf dem Roten Planeten herumfährt. Der Hightech-Roboter begeistert Wissenschaftler, weil er problemlos gelandet ist und nahezu ohne den Ausfall von Messgeräten arbeitet. Ihre Begeisterung über "Curiosity" riss Forscher gar zu übertriebenen Aussagen hin, die Medien und Öffentlichkeit irritierten.

Der Erfolg ist alles andere als selbstverständlich. Von bislang 38 Marsmissionen waren nur 14 erfolgreich - die meisten Sonden kamen nicht auf dem Nachbarplaneten an. Die Amerikaner dominieren das Wettrennen zum Mars: Sie organisierten zwölf erfolgreiche Marsmissionen. Hingegen scheiterten 17 von 18 Versuchen der Russen, Forschungsgerät zum Roten Planeten zu schicken. Das bislang einzige Marsprojekt Europas läuft gut, die Sonde "Mars Express" kreist seit neun Jahren um den Planeten.

Für die neue Mission kalkuliert die Nasa mit Kosten von 1,5 Milliarden Dollar; "Curiosity" übertraf mit 2,5 Milliarden bei weitem die angepeilte Kalkulation. Das nächste Projekt werde deutlich günstiger, weil "Curiosity" im Wesentlichen kopiert werden könnte, sagt Grunsfeld. Insbesondere Fahrwerk und Greifer sollten identisch nachgebaut werden. Auf diese Weise würden Entwicklungskosten eingespart.

Gleichwohl steht aufwendige Planung bevor. "2020 ist ein ehrgeiziger Zeitplan", räumt Grunsfeld ein. Wichtige Fragen müssten geklärt werden: Wo soll die Sonde landen? Welche Messgeräte müssen mit? Soll es der Start für eine Kampagne sein, Marssand auf die Erde zu bringen? Soll der Rover auch Gestein erbohren, das zum Abholen bereitstünde?

"Coole Dinge unternehmen"

Ein paar Jahre später werden voraussichtlich Menschen vorbeischauen, die die Proben mitnehmen könnten: Die Regierung der USA hat die Nasa beauftragt, ab dem Jahr 2030 Astronauten zum Mars zu schicken. Die nationale Wissenschaftsbehörde, die National Academy of Sciences, hat dem Projekt Priorität eingeräumt. Die neue Mission solle die Flüge des Menschen zum Mars unterstützen, sagt Grunsfeld: "Da können wir einige coole Dinge unternehmen."

Bald könnte eine ganze Flotte irdischer Objekte am Mars unterwegs sein. Auch der neue Rover soll aber seine Forschung auf die Oberfläche des Planeten konzentrieren. Das Innere des Mars hingegen steht im Fokus der Sonde "InSight", die die Nasa 2016 losschicken will. Mit Hilfe von Erschütterungen und Wärme soll der Roboter den Planeten quasi durchleuchten. Zuvor macht sich voraussichtlich 2013 der Nasa-Satellit "Maven" auf den Weg, der die Atmosphäre des Roten Planeten untersuchen soll.

Selbst eine Beteiligung der Nasa an der europäischen Marsmission "ExoMars" scheint möglich. Anfang dieses Jahres hatte die Nasa den Ausstieg aus dem gemeinsamen Projekt bekanntgegeben, für das die Nasa eigentlich in etwa den gleichen Betrag wie für das neue Projekt kalkuliert hatte. Die europäische Weltraumagentur Esa plant, 2016 und 2018 je eine Sonde zum Mars zu senden; eine soll den Planeten umkreisen, die andere landen.

Neidisch werden

Die Nasa könnte nun immerhin Kommunikationstechnologie und chemische Messapparate für die Suche nach Lebensspuren beitragen, sagte Grunsfeld. Bei anderen Teilen und setzt die Esa mittlerweile auf Unterstützung Russlands, das wohl auch die Beförderung ins All übernehmen soll. 2020 will die Esa möglicherweise gar eine Sonde starten, die Marsgestein einsammeln und zur Erde zurückbringen soll.

Andere Forscher sehen den Vorstoß zum Roten Planeten mit gemischten Gefühlen: "Es ist schwierig, nicht neidisch zu werden", sagt etwa Mike Brown, Astronom am California Institute of Technology, der die äußeren Bereiche des Sonnensystems erforscht. In diesen Sphären beanspruchen die USA noch keinen Weltmachtstatus.

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