Neuer Sonnenzyklus Risiko für Sonnenstürme steigt

Kaum Sonnenflecken und nur wenige Eruptionen: Zuletzt war die Sonne kaum aktiv, doch das dürfte sich nun ändern. Die Nasa hat eine neue Vorhersage zum Weltraumwetter veröffentlicht.
Heftige Sonnenstürme könnten alles lahmlegen, was eine Steckdose hat

Heftige Sonnenstürme könnten alles lahmlegen, was eine Steckdose hat

Foto: SDO / NASA

In den vergangenen anderthalb Jahren war die Sonne auffallend ruhig. Doch laut Satellitendaten hat ein neuer Aktivitätszyklus der Sonne begonnen - der Höhepunkt wird im Jahr 2025 erwartet.

Die Sonne macht immer wieder Phasen durch, in der sie mal mehr und mal weniger aktiv ist. "In Phasen hoher Aktivität können sich heftige Teilchen- und Strahlungsausbrüche von der Sonne auch auf der Erde bemerkbar machen", sagt Robert Cameron vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS), der an den Vorhersagen mitgearbeitet hat. Im schlimmsten Fall können Satelliten ausfallen. Auch für Raumfahrer ist erhöhte Sonnenaktivität gefährlich. (Mehr dazu lesen Sie hier .)

Seit nunmehr 30 Jahren versuchen deshalb Experten weltweit, die Sonnenaktivität der kommenden Jahre vorherzusagen. An dem Projekt sind die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die amerikanische Wetterbehörde NOAA beteiligt.

Meist machen sich Sonnenstürme als Naturschönheiten bemerkbar. Sie lassen die Luft in hohen Breiten mit Polarlichtern leuchten, wo das niedrig stehende Erdmagnetfeld sie tief in die Atmosphäre eindringen lässt. Abseits der Pole schützt das Magnetfeld unseren Planeten vor den Sonnenteilchen - normalerweise.

Starke Sonnenstürme aber quetschen das Magnetfeld, sodass elektrisch geladene Teilchen den Boden erreichen können. Im Juli 2012 hatte ein Sonnensturm die Erde nur knapp verfehlt. Damals schleuderte die Sonne Billionen Tonnen magnetisiertes Plasma ins All - kurz nachdem die Erde aus der Schussbahn geflogen war. Hätte der Sturm die Erde getroffen, wäre laut der Nasa wahrscheinlich alles lahmgelegt worden, das an eine Steckdose angeschlossen ist. Es gibt sogar Studien, laut denen die Sonnenaktivität die Lebenserwartung beeinflussen könnte.

Schwach heißt nicht ungefährlich

Schon im vergangenen Jahr gab es Prognosen, dass die minimale Aktivität der Sonne bald erreicht sein dürfte. Das haben neue Analysen nun bestätigt. Demnach hat der neue Sonnenzyklus, dem Astronomen die Nummer 25 gegeben haben, etwa im Dezember begonnen. Weil die Sonnenaktivität variiert, vergehen Monate, bis das Phänomen zeitlich bestimmt werden kann.

Laut Vorhersage wird es ein eher schwacher Zyklus. Schon seit den Achtzigerjahren ist die Sonne weniger aktiv. "Die aktuelle Phase geringer Sonnenaktivität im Vergleich zu den starken Zyklen, die während des Großteils des vergangenen halben Jahrhunderts vorherrschten, setzt sich in den nächsten elf Jahren offenbar fort", sagt Cameron. Das Maximum dürfte zwischen November 2024 und März 2026 auftreten.

Die UV-Aufnahme zeigt die Sonne im Aktivitätsminimum im Dezember 2019, zum Vergleich: Im April 2014 war sie deutlich aktiver (r.)

Die UV-Aufnahme zeigt die Sonne im Aktivitätsminimum im Dezember 2019, zum Vergleich: Im April 2014 war sie deutlich aktiver (r.)

Foto: Joy Ng / SDO / NASA

Vorherige Prognosen lagen jedoch zum Teil deutlich daneben. Neue Erkenntnisse der Sonnenforschung erleichtern laut Cameron inzwischen die Vorhersage. Ein wichtiger Anhaltspunkt sind magnetische Strukturen auf der Sonnenoberfläche, die oft mit Sonnenflecken einhergehen.

Wie auf einer Art solarem Förderband schwemmen gewaltige Plasmaströme diese magnetischen Felder über mehrere Jahre hinweg aus Äquatornähe zu den Sonnenpolen - und bauen so das Sonnenmagnetfeld auf, das den nächsten Sonnenzyklus prägt. An den Polen sinkt das Plasma in die Tiefe und fließt dort zurück zum Äquator. "Jeder Kreislauf dauert etwa elf Jahre und ist die physikalische Grundlage des Sonnenzyklus", so Cameron.

Mithilfe von Satelliten lassen sich diese Felder entgegengesetzter magnetischer Polarität beobachten. Erst Anfang September hatte Europas größtes Sonnenteleskop zudem gestochen scharfe Bilder des Sterns gemacht. Vor Kurzem schickte auch die Raumsonde "Solar Orbiter" erstmals Aufnahmen der Sonne zur Erde. 

"Nur weil es sich um einen unterdurchschnittlichen Zyklus handelt, besteht trotzdem das Risiko für extremes Weltraumwetter", sagt Doug Biesecker von der NOAA. Das Zentrum zur Weltraumwettervorhersage ist deshalb rund um die Uhr besetzt.

koe
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