Neuer Vertrag Nasa chartert russische Weltraumtaxis

Die Tickets sind gesichert: Auch in den Jahren 2013 und 2014 können die USA Astronauten zur Internationalen Raumstation schicken. Dafür haben sie sich jetzt Plätze in russischen "Sojus"-Raumfähren gekauft - denn die Space Shuttles werden dann längst Geschichte sein.

"Sojus"-Rakete vor dem Start (im März 2010): Auf absehbare Zeit Taxi-Dienstleistungen
dpa

"Sojus"-Rakete vor dem Start (im März 2010): Auf absehbare Zeit Taxi-Dienstleistungen


Washington - Wer mit dem Taxi fährt, der muss - ganz klar - die Rechnung bezahlen. Gibt es nur einen einzigen Taxiunternehmer in einer bestimmten Stadt, kann dieser die Preise fast nach Belieben festsetzen. Weil die US-Raumfahrtbehörde Nasa in diesem Jahr ihre Shuttle-Flotte außer Dienst stellen will, wird sie zumindest auf absehbare Zeit auf russische Taxi-Dienstleistungen angewiesen sein, wenn es um den Transport von Astronauten zur Internationalen Raumstation geht.

Die Nasa und ihre russische Partnerbehörde haben nun ein neues Abkommen zum Astronautentransport unterzeichnet. Mit der Vereinbarung im Wert von rund 250 Millionen Euro wird ein bereits bestehender Vertrag für die Jahre 2013 und 2014 verlängert, erklärte die Nasa. Insgesamt geht es um den Hin- und Rücktransport von sechs US-Astronauten mit "Sojus"-Raumschiffen. Russland sorgt außerdem für die Vorbereitung der Raumfahrer und mögliche Rettungsmissionen.

Im Vergleich zur bisherigen Vereinbarung haben die Russen den Preis um etwa zehn Prozent angehoben. Der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Anatoli Perminow, hatte zuvor noch erklärt, die neuen Preise sollten nicht nur die Transportkosten decken, sondern auch zur Entwicklung der russischen Raumfahrtindustrie beitragen. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Preissteigerung wohl als eher moderat bezeichnen.

Vorerst müssen die Amerikaner russische Forderungen fast ohne Murren hinnehmen. Private US-Firmen, zum Beispiel das Unternehmen Space-X oder ein Bündnis aus Boeing und Bigelow Aerospace, sollen zwar alternative Transportangebote zur ISS ausarbeiten. Doch das braucht Zeit. Private Alternativen werden zunächst wohl für den Frachtbereich zur Verfügung stehen, der Transport von Menschen ist deutlich aufwendiger.

Über Ostern hatten sich zwei Raumfähren aus Russland und den USA auf den Weg zur ISS gemacht, um neue Besatzungsmitglieder sowie mehrere Tonnen Ausrüstung dorthin zu bringen. Die russische "Sojus"-Kapsel mit der neuen Langzeitbesatzung der ISS an Bord erreichte am Sonntag ihr Ziel, die US-Raumfähre "Discovery" dockte am Mittwoch an der Raumstation an.

Auf dem viertletzten Shuttle-Flug gibt es allerdings technische Probleme. Nach Angaben der Nasa ist die Antenne für die Übertragung großer Datenmengen ausgefallen. Vor dem Anlegen flog die "Discovery" einen Salto, um der ISS-Crew die Möglichkeit zu geben, den Hitzeschild der Fähre mit hochauflösenden Kameras zu fotografieren. Wegen der defekten Shuttle-Antenne werden die Daten von der Raumstation zur Erde geschickt.

chs/afp/ddp



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