Neues Nasa-Teleskop "Wise" soll Millionen unbekannter Objekte finden

Neun Monate lang soll die neue Nasa-Sonde "Wise" um die Erde kreisen - und dabei Millionen bisher unbekannter Objekte im All aufspüren. Die Forscher interessieren sich auch für Himmelskörper, die uns eines Tages gefährlich werden könnten.

Neue Sonde "Wise" (künstlerische Darstellung): "Noch nie zuvor erblickt"
dpa / Ball / Nasa / JPL-Caltech

Neue Sonde "Wise" (künstlerische Darstellung): "Noch nie zuvor erblickt"


Washington - Das englische Wort "Wise" bedeutet auf deutsch so viel wie "weise". Es wäre also durchaus ein passender Name für eine neue Nasa-Sonde. Doch tatsächlich handelt es sich um eine Abkürzung. Mit dem "Wide-field Infrared Survey Explorer" - abgekürzt also "Wise" - will die US-Raumfahrtbehörde in den kommenden Monaten Millionen bisher unbekannter Objekte aufspüren.

Am Freitag soll eine "Delta II" den Satelliten vom kalifornischen Luftwaffenstützpunkt Vandenberg ins All bringen. Die Astronomen hoffen, mit der Infrarotkamera der Sonde massenhaft kosmische Objekte aufzuspüren, die im sichtbaren Licht kaum zu finden sind. Dazu zählen etwa dunkle Asteroiden und kalte Sterne - Braune Zwerge genannt. Denn diese strahlen zwar nicht im sichtbaren Licht, sehr wohl aber im Infrarotbereich.

Anders als sichtbares Licht durchdringen Infrarot-Strahlen auch Staubwolken. Die Forscher rechnen deshalb auch damit, dahinter verborgene leuchtstarke Galaxien zu entdecken. "Die Augen von 'Wise' sind eine riesige Verbesserung im Vergleich zu vergangenen Infrarot-Untersuchungen", sagt Edward Wright von der University of California in Los Angeles. Er ist einer der leitenden Forscher bei dieser Mission. "Wir werden Millionen Himmelskörper finden, die noch nie zuvor erblickt worden sind."

Viel empfindlicher als frühere Missionen

Erst am Mittwoch hatte das Team des Weltraumteleskops "Hubble" Bilder von besonders alten Galaxien veröffentlicht, die ebenfalls mit einer hoch empfindlichen Infrarotkamera aufgenommen wurden.

"Wise" werde den gesamten Himmel in vier Infrarot-Wellenlängenbereichen erkunden - mit einer Empfindlichkeit, die hunderttausende Male größer ist als bei früheren Projekten, erklären die Forscher. Infrarot-Licht, das das menschliche Auge nicht sehen kann, hat größere Wellenlängen als das sichtbare Licht.

Die mit der Kamera entdeckten Objekte sollen katalogisiert und als Navigationshilfe bei künftigen Missionen genutzt werden. Die Nasa erhofft sich zudem Aufschlüsse über die Größe und Zusammensetzung von Asteroiden - wichtige Informationen bei der Einschätzung möglicher Kollisionsgefahren. Die Forscher versprechen sich von "Wise" die Entdeckung Hunderttausender Asteroiden, von denen Hunderte auf einem relativ erdnahen Weg unterwegs sind.

Warme Objekte geben Infrarot-Strahlung ab. Um das infrarote Glühen von Sternen und Galaxien aufspüren zu können, darf "Wise" aber selbst kein infrarotes Licht abgeben. Zu diesem Zweck hat die Nasa vor dem Start das Teleskop und die Detektoren des Raumfahrzeuges sehr stark abgekühlt.

chs/dpa



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