Neu entdeckter Himmelskörper Diesen Planeten sollte es gar nicht geben

Ein neu entdeckter Exoplanet umkreist seinen Stern ganz dicht - dass er bei seiner Größe trotzdem eine Atmosphäre hat, verblüfft Forscher. Aber sie haben eine mögliche Erklärung.
NGTS-4b und sein Stern (künstlerische Darstellung)

NGTS-4b und sein Stern (künstlerische Darstellung)

Foto: University of Warwick/Mark Garlick

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung deutscher Astronomen hat einen Exoplaneten gefunden, den es eigentlich gar nicht geben sollte. Die Gruppe unter Leitung von Richard West von der britischen University of Warwick berichtet im Fachmagazin "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society"  von der Entdeckung.

Der Exoplanet namens NGTS-4b ist 920 Lichtjahre von uns entfernt. Interessant an ihm sind seine Größe und der Ort, an dem er sich befindet. Der Himmelskörper ist drei Mal so groß und 20 Mal so massereich wie die Erde - und er umkreist seinen Stern einmal alle 32 Stunden. Zum Vergleich: Die Erde braucht dafür ein Jahr, selbst Merkur, der innerste Planet, benötigt für einen Sonnenumlauf 88 Tage.

Besonders dabei ist, dass NGTS-4b sehr dicht an seinem Zentralgestirn seine Bahn zieht - und Sonnenwinde, Röntgen- und starke UV-Strahlung von dort sollten eigentlich dafür sorgen, dass der Planet keine eigene Atmosphäre hat. Doch die Forscher konnten trotzdem eine nachweisen.

Das ist für einen Planeten dieser Größe und an dieser Stelle ein Novum. Denn entweder waren solche Himmelskörper in vergleichbarem Abstand zu ihrem Stern entweder so klein wie der Mars - und dann ohne Atmosphäre - oder so groß wie der Jupiter - und dann mit einer Atmosphäre, weil sie durch eine große Masse eine stärkere Anziehungskraft auf diese ausüben können.

Ein Planet von der ungefähren Größe des Neptuns, wie jetzt NGTS-4b, war noch nicht gefunden worden, daher sprachen Astronomen in diesem Zusammenhang auch von einer "Neptun-Wüste".

Ähnlich könnte es auch dem Merkur ergangen sein

"Wahrscheinlich hat NGTS-4b nur überlebt, weil er einen besonders großen Kern besitzt oder weil er erst später in diese kurze Entfernung zu seinem Stern hineingewandert ist, als dessen Strahlung schon etwas abgeklungen war", sagt Philipp Eigmüller vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. Er ist einer der Co-Autoren der Forschungsarbeit. Ein ähnliches Szenario werde auch für die Entwicklungsgeschichte des jungen Planeten Merkur in unserem Sonnensystem diskutiert.

Die Forscher haben für ihre Arbeit Daten der Teleskope der NGTS-Anlage (Next-Generation Transit Survey) in Chile ausgewertet. Diese wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitfinanziert und betrieben. Die zwölf automatisch arbeitenden Teleskope suchen in Himmelsabschnitten von jeweils etwa 3 Grad Durchmesser nach Planeten in anderen Sonnensystemen.

Dabei fahnden sie nach einer leichten Änderung der Helligkeit des betrachteten Sterns. Diese kommt zustande, wenn von der Erde aus gesehen ein Planet direkt vor seiner Sonne vorbeizieht und damit einen Teil des Lichtes blockiert. Das Verfahren wird als Transitmethode bezeichnet. Nach Angaben des DLR sind die bei der aktuellen Entdeckung gemessenen Transitsignale die schwächsten, mit denen jemals ein Planet vom Boden aus entdeckt wurde.

chs
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