Nobelpreis Astrophysiker erhalten höchste Auszeichnung

Auch der Nobelpreis für Physik wird in diesem Jahr dreigeteilt. Die begehrte Auszeichnung bekommen zwei US-Amerikaner und ein Japaner für "bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik".


Kanadischer Neutrino-Detektor Sudbury Neutrino Observatory: Abermilliarden Teilchen sausen durch die Erde
Photo courtesy of Ernest Orlando Lawrence Berkeley National Laboratory

Kanadischer Neutrino-Detektor Sudbury Neutrino Observatory: Abermilliarden Teilchen sausen durch die Erde

Der diesjährige Physik-Nobelpreis geht an die Amerikaner Raymond Davis und Riccardo Giacconi sowie den Japaner Masatoshi Koshiba. Die Forscher erhielten die Auszeichnung "für bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik", wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mitteilte. Vom den 1,1 Millionen Euro Preisgeld erhalten Davis und Koshiba die eine Hälfte, die andere geht an Giacconi.

Davis und Koshiba werden, so die Akademie, für den Nachweis von kosmischen Neutrinos geehrt. Abermilliarden der winzigen Teilchen, deren Existenz erstmals 1930 vom österreichischen Physiker und späteren Nobelpreisträger Wolfgang Pauli vorhergesagt worden war, sausen zwar in jeder Sekunde durch die Erde. Sie treten dabei aber kaum in Wechselwirkung mit Materie, so dass sie sich nur schwer aufspüren lassen.

Nobelpreisträger Davis, Koshiba und Giacconi: "Bahnbrechende Arbeiten"
DPA

Nobelpreisträger Davis, Koshiba und Giacconi: "Bahnbrechende Arbeiten"

Für den ersten Nachweis des Teilchens hatte bereits der US-Physiker Frederick Reines 1995 den Nobelpreis erhalten. Der 87-jährige Raymond Davis von der University of Pennsylvania wurde nun geehrt, weil er in den siebziger Jahren einen völlig neuen Neutrino-Detektor konstruiert hatte - einen mit Flüssigkeit gefüllten Tank, der tief unter der Erdoberfläche in einer Grube aufgebaut wurde. In drei Jahrzehnten konnte Davis insgesamt 2000 von der Sonne abgestrahlte Neutrinos registrieren.

An einem anderen Neutrino-Detektor, dem Kamiokande in Japan, konnte eine Gruppe um Masatoshi Koshiba von der University of Tokyo 1987 einen Neutrino-Schauer auffangen, der von einer fernen Supernova-Explosion stammte. Von den zehn Billiarden vorbeifliegenden Teilchen konnte das Team immerhin einige Dutzend nachweisen. Mit ihren Entdeckungen schufen Davis und der 76-jährige Koshiba, der in Deutschland bereits den Humboldt-Preis erhielt, die Grundlagen für das neue Forschungsgebiet der Neutrinoastronomie.

Der dritte Preisträger, der 71-jährige Riccardo Giacconi, gilt vielen als Begründer der modernen Röntgenastronomie. Der gebürtige Italiener, der in den neunziger Jahren erst das Space Telescope Science Institute und dann die Europäische Südsternwarte leitete, hatte 1962 die erste Röntgenquelle außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Mit Kollegen entwickelte er später die ersten Satelliten für Beobachtungen in diesem Wellenbereich, wie den 1970 gestarteten "Uhuru" und das 1978 ins All geschossene "Einstein Observatory".

Im vergangenen Jahr hatten der deutsche Physiker Wolfgang Ketterle sowie die beiden US-Forscher Eric Cornell und Carl Wieman die Auszeichnung erhalten. Sie hatten einen neuen Aggregatzustand der Materie erzeugt: Das so genannte Bose-Einstein-Kondensat ist neben fest, flüssig, gasförmig und dem Plasma die fünfte Erscheinungsform der Materie.

Am Mittwoch wird die Akademie die Nobelpreise für Chemie und Wirtschaft bekannt geben, am Freitag schließlich soll der Name des Friedens-Nobelpreisträgers veröffentlicht werden. Alle Nobelpreise mit Ausnahme desjenigen für Wirtschaft wurden erstmals am 10. Dezember 1901, dem fünften Todestag des Stifters Alfred Nobel, verliehen.



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