Stockholm Deutscher erhält Physik-Nobelpreis

Der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel ist für seine Arbeit an schwarzen Löchern mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Außerdem wurden die US-Amerikanerin Andrea Ghez und der Brite Roger Penrose geehrt.
Zwei der Physik-Nobelpreisträger: Reinhard Genzel und Andrea Ghez

Zwei der Physik-Nobelpreisträger: Reinhard Genzel und Andrea Ghez

Niklas Elmehed / Nobel Media

Die Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm hat bekannt gegeben, wer in diesem Jahr den Nobelpreis für Physik erhält: Die Auszeichnung geht zur einen Hälfte an den Briten Roger Penrose und zur anderen Hälfte an den deutschen Reinhard Genzel sowie die US-Wissenschaftlerin Andrea Ghez. Alle Forscher werden für Arbeiten zu schwarzen Löchern geehrt.

Die höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 950.000 Euro) dotiert - eine Million Kronen mehr als im Vorjahr.

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Der deutsche Genzel ist 1952 in Bad Homburg vor der Höhe geboren worden und heute Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching bei München. Er und Ghez (geboren 1965) haben in den Neunzigern unabhängig voneinander ein supermassives kompaktes Objekt im Zentrum unserer Galaxie entdeckt.

Monster in Zeit und Raum

Die beiden Forscher stellten fest, dass ein unsichtbares und extrem schweres Objekt die Umlaufbahnen der Sterne im Zentrum unserer Galaxie beherrscht. Ein supermassives schwarzes Loch sei dafür die einzige derzeit bekannte Erklärung, schlussfolgerten die Astronomen.

Roger Penrose (geboren 1931) bekommt den Physik-Nobelpreis für die Entdeckung, dass die Bildung von schwarzen Löchern eine robuste Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist.

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Er habe geniale mathematische Methoden erfunden, um Albert Einsteins allgemeine Relativitätstheorie zu erforschen, teilte das Nobelkomitee mit. Penrose habe gezeigt, dass Einsteins Theorie zur Bildung von schwarzen Löchern führt, jenen Monstern in Zeit und Raum, die alles erfassen, was ihnen nahe kommt.

Vierte Frau mit Physik-Nobelpreis ausgezeichnet

Ghez ist die vierte Frau, die je mit dem Physik-Nobelpreis geehrt wurde. Zuvor waren Marie Curie  (1903), Maria Goeppert-Mayer  (1963) und Donna Strickland (2018) die einzigen weiblichen Physik-Nobelpreisträgerinnen.

Curie bekam den Nobelpreis für die Erforschung der Radioaktivität, Goeppert-Mayer hat das Schalenmodell des Atomkerns erdacht. Strickland erhielt den Preis, weil sie die Laserphysik maßgeblich vorangebracht hat. In der Medizin erhielten bislang zwölf Frauen den Nobelpreis, in der Chemie fünf.

"Ich hoffe, ich kann junge Frauen für das Fachgebiet inspirieren", sagte Ghez, als sie während der Verkündung der Auszeichnung von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm telefonisch zugeschaltet wurde. Es gebe noch so viel mehr zu erforschen als schwarze Löcher.

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Ghez betonte die Bedeutung der Wissenschaft für die Menschheit insgesamt. Besonders die Lehre an der Universität genieße sie. Dass die junge Generation Fragen stellen und nachdenken könne, sei schlichtweg entscheidend für die Zukunft der Welt.

Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der "X-Strahlen", der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Seither haben 212 Forscher den Preis erhalten.

Im vergangenen Jahr bekam James Peebles (Kanada/USA) für seine grundlegenden Erkenntnisse zur Entwicklung des Universums die eine Hälfte des Physik-Nobelpreises. Die andere ging an die Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz, die den ersten Exoplaneten entdeckt hatten, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist (mehr dazu lesen Sie hier).

Medizin-Nobelpreis für Hepatitis-C-Forscher

Am Montag war der Nobelpreis für Medizin den Virologen Harvey J. Alter aus den USA, Michael Houghton aus Großbritannien und Charles M. Rice, ebenfalls aus den USA, zuerkannt worden. Sie hatten laut Nobelkomitee maßgeblich dazu beigetragen, das Hepatitis-C-Virus nachweisen und beseitigen zu können. Die daraus folgenden Bluttests und Medikamente hätten Millionen Menschen das Leben gerettet (mehr dazu lesen Sie hier).

Am Mittwoch werden die Träger des Chemie-Nobelpreises verkündet. Am Tag darauf folgt die Bekanntgabe des diesjährigen Literatur-Nobelpreisträgers. Am Freitag wird bekannt gegeben, wer den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält. Das Spektakel endet am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten Wirtschafts-Nobelpreis.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Veranstaltung in Stockholm jedoch abgesagt, die Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo soll in kleinerem Rahmen stattfinden.

jme/dpa/AFP
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