Satellitenbild der Woche Die Wucht der Bombe

Mit Satellitendaten haben deutsche Geoforscher den Ort des letzten nordkoreanischen Atomtests mit ungekannter Genauigkeit bestimmt. Aus dem All lässt sich gut erkennen, wo sich der Boden abgesenkt hat.
Geländeabsenkung durch nordkoreanischen Kernwaffentest (blaue Bereiche)

Geländeabsenkung durch nordkoreanischen Kernwaffentest (blaue Bereiche)

Foto: BGR/ Google Earth

Am Morgen des 6. Januar knallte es ganz gewaltig in den Bergen der nordkoreanischen Provinz Nord-Hamgyong. Erdbebenwarten auf der ganzen Welt registrierten heftige Erdstöße, deren Magnitude bei 5,1 lag. Schuld an den Erschütterungen war, wie sich schnell zeigte, ein unterirdischer Kernwaffentest. Es war der insgesamt vierte Versuch der Nordkoreaner nach 2006, 2009 und 2013 - und er produzierte charakteristische Bebenwellen.

Die nächste seismische Messstation liegt allerdings 380 Kilometer entfernt. Daher war des Epizentrum in der dünn besiedelten Gebirgsregion nicht im Detail zu lokalisieren - bis jetzt: Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) haben nun Spuren des Waffentests in den Daten des europäischen Radarsatelliten "Sentinel-1A" nachweisen können.

Dadurch ist es ihnen gelungen, die Lage des Tests mit höherer Genauigkeit zu bestimmen. Das Areal liegt ungefähr drei Kilometer nordwestlich eines bereits bekannten Tunneleingangs zum nordkoreanischen Testgelände. Die auf ihn zuführenden Straßen sind rechts unten im Großbild zu sehen.

In besonders dichtem Gestein untergebracht

Nordkorea hatte behauptet, eine Wasserstoffbombe gezündet zu haben. Das dürfte wohl nicht stimmen. Doch um einen Nuklearsprengsatz handelte es sich wohl in jedem Fall. Auffällig sind deutliche Geländeabsenkungen in der Nähe des Testorts. Im Falschfarbenbild sind sie blau erkennbar. In diesen Gebieten hat sich der Grund nach der Explosion um bis zu sieben Zentimeter abgesenkt.

Fotostrecke

Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Foto: Joshua Stevens/ NASA

Forscher um Tae-Kyung Hong von der Yonsei University im südkoreanischen Seoul haben unlängst davor gewarnt, dass ein weiterer nordkoreanischer Nukleartest einen gigantischen Vulkan an der Grenze zu China ausbrechen lassen könnte, den Paektusan. So könnten Druckwellen der unterirdischen Explosion die 116 Kilometer vom Testgelände entfernte Magmakammer unter dem Berg erschüttern und flüssiges Gestein aus der Erde schießen lassen.

Nötig wäre in diesem Fall allerdings eine Nuklearexplosion, die mindestens einem Erdbeben der Stärke sieben entspräche - ein extremer Wert. Das Testgelände namens Punggye Ri ist unterirdisch in besonders dichtem Gestein untergebracht. Dieser sogenannte Granodiorit ist mit Granit verwandt - und weist kaum Risse oder Ritzen auf, über die strahlende Partikel nach draußen gelangen können. Umso wertvoller sind andere Erkundungstechniken, die Antworten auf die Frage geben können, was vor Ort genau passiert ist.

Für ihre Auswertung haben die BGR-Forscher eine Radaraufnahme vom 1. Januar (vor dem Test) mit einer vom 13. Januar (nach dem Test) verglichen. Die Ergebnisse wurden jetzt erst veröffentlicht.

"Sentinel-1A"-Radardaten stehen aktuell alle zwölf Tage zur Verfügung. Das Intervall soll allerdings schon bald kürzer werden. Dafür hat die Esa gerade den baugleichen zweiten Radarsatelliten "Sentinel-1B" gestartet. Dadurch kann jeder Punkt der Welt alle sechs Tage abgebildet werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, die auf den Tunneleingang zulaufenden Straßen seien links unten im Bild zu sehen. Tatsächlich sind sie rechts unten zu erkennen. Wie haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.

chs