Forderung der Industrie Experten hoffen auf Weltraumbahnhof in der Nordsee

Countdown vor Pellworm oder Sylt? Raketen könnten künftig von einer mobilen Plattform in der Nordsee ins All starten. Der Vorschlag soll nun geprüft werden.
Luftbild von der Nordseeinsel Sylt

Luftbild von der Nordseeinsel Sylt

Foto: C. Kaiser / blickwinkel / imago images

Deutschland engagiert sich mehr und mehr in der Raumfahrt. Nun will die Bundesregierung erneut die Idee eines deutschen Weltraumbahnhofs prüfen. Laut einem Medienbericht sollen dort kleinere Raketen starten, schrieb das "Handelsblatt". Die Zeitung beruft sich auf Gespräche bei einem Treffen von Unternehmen und Beamten des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte im Juli in einer Veröffentlichung für eine solche Startplattform in der deutschen Nordsee geworben.

Demnach wäre ein solcher Offshore-Weltraumbahnhof gut geeignet für kleinere Trägerraketen mit einer Nutzlast von bis zu einer Tonne. Der BDI sieht darin eine Möglichkeit für Starts von kommerziellen oder militärischen Satelliten. Es gebe bereits drei deutsche Hersteller von Miniraketen, welche die Bundesregierung bereits finanziell fördere, betonte der Industrieverband damals. Ein solcher Startplatz auf einer Plattform in der Nordsee würde rund 30 Millionen Euro kosten. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich bereits im vergangenen Jahr aufgeschlossen für die Errichtung eines deutschen Weltraumbahnhofs gezeigt.

Experten waren bei ähnlichen Ideen in der Vergangenheit aber skeptisch. Als Standorte waren bereits die Flughäfen Rostock-Laage in Mecklenburg-Vorpommern oder Nordholz in Niedersachsen im Gespräch.

Die Realisierung in der Nordsee sei eine politische Entscheidung und keine technische Frage. Denn unter anderem planten auch die EU- und Nato-Partner Schweden und Norwegen solche Startrampen.

Laut dem BDI ließe sich ein deutscher Weltraumbahnhof innerhalb von zwei Jahren "in Form eines privatwirtschaftlichen Betreibermodells mit staatlicher Unterstützung realisieren", erklärte der Verband in Berlin unter Verweis auf sein Strategiepapier. Der Bund müsste nur in der Anfangsphase aushelfen, der Betrieb finanziere sich selbst. Wo der Weltraumbahnhof entstehen könnte, wurde nicht genannt.

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Mit der "Spectrum" ins All

Einen Weltraumbahnhof in der Nordsee würde sicher auch das bayerische Start-up Isar Aerospace begrüßen. In der Firma wird ab diesem Montag eine Rakete namens "Spectrum" produziert. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eröffnete in Ottobrunn die Produktionshallen. Der 27 Meter lange Flugkörper soll bereits im kommenden Jahr erstmals den Erdorbit erreichen und bis zu 1200 Kilogramm Nutzlast dorthin bringen.

Die Raketen sollen in Europa starten und beispielsweise Satelliten befördern. Wo genau, ist noch ist nicht klar, sagt Mitgründer und Unternehmenschef Daniel Metzler. Aber eine Option könnte nun auch die Nordsee sein.

Das Start-up mit inzwischen 100 Mitarbeitern ist privat finanziert. Den Vorteil seines Unternehmens gegenüber großen etablierten Anbietern sieht er vor allem in Flexibilität und niedrigen Kosten. Man könne binnen Wochen oder Monaten Raketenstarts anbieten, sagte Metzler. Dabei helfe auch, dass die verhältnismäßig kleine Rakete relativ unkompliziert per Lkw transportiert werden könne.

joe/dpa/AFP
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