Satellitenbild der Woche So voll ist Amerikas wichtigstes Öllager

Ein riesiger Komplex von Öltanks im US-Bundesstaat Oklahoma nähert sich langsam seiner Kapazitätsgrenze. Verantwortlich dafür ist die Coronakrise. Ein Blick aus dem All zeigt, wie sich die Tanks füllen.
Die Tanks von Cushing am 18. April 2020

Die Tanks von Cushing am 18. April 2020

Foto: Planet Labs Inc.

Das Städtchen Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma gilt als recht reizloses Fleckchen Erde. Ein Steakhouse existiert für die noch nicht einmal 8000 Einwohner, ein Burrito-Restaurant, eines für gebratene Hühnchenteile . Ein paar Meilen vom Zentrum entfernt steht ein von einem Privatunternehmen betriebenes Gefängnis. Außerdem befindet sich in Cushing das wichtigste Rohöllager der Vereinigten Staaten.

Firmen wie Plains All American Pipeline, Enbridge Energy Partners und Magellan Midstream Partners haben hier viele Millionen Barrel Öl gebunkert. Das Tanklager bringt die Produzenten vom Golf von Mexiko mit ihren Kunden im Norden der USA zusammen. Cushing ist der Übergabepunkt für Rohölterminkontrakte der leichten, schwefelarmen Ölsorte West Texas Intermediate, kurz WTI. Ihr Preis gilt als wichtiger Indikator für Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt. 

Nur war von Nachfrage zuletzt nicht mehr allzu viel zu spüren. Im Zuge der Coronakrise ist der Verbrauch an Rohöl weltweit massiv gesunken. Raffinerien nehmen deutlich geringere Mengen als bisher ab. Die Lager von Cushing füllen sich daher zügig. In einigen Wochen könnten sie komplett ausgelastet sein, schätzen Experten. Die Gesamtkapazität liegt bei 76 Millionen Barrel.

Wie voll die Speicher von Cushing sind, das zeigen auch Bilder eines Erdbeobachtungssatelliten der amerikanischen "SkySat"-Konstellation. Diese gehört dem Unternehmen Planet Labs, das sie im Jahr 2017 von Google übernommen hatte.

Schattenwurf verrät Füllstand

Planet Labs verdient mit dem Verkauf von Satellitendaten sein Geld. Dafür ist es wichtig, die Fotos aus dem All richtig zu interpretieren und ihnen ihre Geheimnisse zu entlocken. Im Fall der Tanks von Cushing heißt das zum Beispiel: Die Deckel der Tankanlagen sind so gelagert, dass sie auf dem Öl in ihrem Inneren schwimmen - nach oben, wenn sich der Speicher füllt, und nach unten, wenn er sich leert. Wenn man von oben schaut, ergibt sich dadurch bei verschiedenen Füllständen ein unterschiedlicher Schattenwurf auf dem Deckel.

Wertet man den Schatten aus, lassen sich Informationen zur Ölmenge im Inneren ableiten. So lässt sich jenseits der offiziellen Statistiken abschätzen, dass der Lagerbestand im vergangenen Monat tatsächlich zugenommen hat.

Der SPIEGEL hatte kürzlich von einer Analyse des Datenspezialisten Kpler berichtet, wonach weltweit gesehen nur noch rund ein Viertel der Kapazität in den Öllagern frei ist. Allerdings fallen die Verfügbarkeiten in den unterschiedlichen Regionen der Erde verschieden groß aus.

Volle Tanks sorgen für negative Preise

"Wer jetzt noch Öl fördert und keine Lagerkapazitäten vorbestellt hat, hat echt ein Problem", so Alex Booth, Energiemarktanalyst bei Kpler. "Er muss horrende Preise zahlen, wenn er denn überhaupt noch Lagerplatz findet."

In Cushing dürfte das jedenfalls nicht mehr der Fall sein. Was auch immer es dort noch an Kapazität gebe, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters  bereits vor einiger Zeit Rohstoffhändler, sei längst vertraglich gebunden. Dieser Effekt sorgte zwischenzeitlich sogar dafür, dass Rohölterminkontrakte für eine Lieferung von WTI im Mai negative Preise hatten. Das heißt: Produzenten hätten Käufern theoretisch Geld dafür bezahlen müssen, dass sie das Öl abnehmen. Weil es eben schlicht keinen Platz dafür gibt.                                      

chs