Satellitenbild der Woche Todesursache Klimawandel

Er ist der erste große Gletscher Islands, der für tot erklärt wurde: Der Inselstaat trauert um Okjökull. Satellitenbilder bezeugen seinen langen Sterbeprozess.

Geologisch betrachtet ist der Okjökull nun ein Vulkan mit Schneeschicht
NASA

Geologisch betrachtet ist der Okjökull nun ein Vulkan mit Schneeschicht


Irgendwann rührte sich Okjökull nicht mehr. Normalerweise bewegen sich Gletscher langsam Richtung Tal, angetrieben von ihrem eigenen Gewicht aus fest zusammengepresstem Schnee. Doch Okjökull ist der Treibstoff ausgegangen. Die Eisschicht des einstigen Gletschers in Island ist inzwischen so dünn und leicht, dass sie nur reglos daliegt. Damit ist Okjökull geologisch gesehen kein Gletscher mehr, sondern ein Schildvulkan mit Schneekappe.

Jeremie RICHARD/ AFP

Im Jahr 1901 bedeckte der Gletscher noch eine Fläche von etwa 38 Quadratkilometern, das entspricht mehr als 5300 Fußballfeldern. Schon in den Siebzigerjahren war davon nur noch ein Bruchteil übrig, gut drei Quadratkilometer. Satellitenbilder der Nasa zeigen Okjökulls weiteres Hinsiechen.

Links ist der Gletscher im September 1986 zu sehen. Wie im Sommer üblich, sind Teile der Eisdecke abgeschmolzen, doch noch immer bedeckt eine dicke Schicht aus Eis und Schnee den Krater in der Mitte. Am 1. August 2019 war der Vulkankegel dagegen nahezu eisfrei. Die blauen Flächen in der Umgebung zeigen Schmelzwasser.

2014 erklärte ein isländischer Glaziologe Okjökull für tot. Todesursache: Klimawandel. Dasselbe Schicksal hatte in den Jahren zuvor bereits Dutzende kleinere isländische Gletscher ereilt. Doch der Tod von Okjökull traf die Isländer besonders hart, weil er der erste große und bekannte Ex-Gletscher ist. (Welche Rolle Gletscher in der isländischen Mythologie spielen, lesen Sie hier.)

Derzeit sind etwa zehn Prozent Islands mit Gletschern bedeckt. Mit ihnen schmelzen auch die Wasserressourcen, warnt die Nasa. Außerdem könnte sich das Land weiter heben, weil die Last durch die Eismassen fehlt. Pro Jahr schmelzen durch den Klimawandel weltweit etwa 335 Milliarden Tonnen Gletschereis - dreimal so viel wie das verbleibende Gletschervolumen der Europäischen Alpen.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Forscher tragen Gedenktafel auf den Vulkan

Mit dem Eis verlor Okjökull auch seinen Namen, denn Jökull bedeutet "Gletscher" auf Isländisch. Okjökull heißt nur noch Ok. Am Wochenende haben Wissenschaftler eine Gedenktafel an seinem Rand angebracht.

"Brief an die Zukunft", steht in Isländisch darauf. "Ok ist der erste bekannte Gletscher auf Island, der seinen Status als Gletscher verloren hat. In den kommenden 200 Jahren dürften ihm alle unsere Gletscher folgen. Diese Gedenkstätte soll bezeugen, dass wir wissen, was geschieht und was zu tun ist. Nur ihr werdet wissen, ob wir es getan haben."

koe



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