"Opportunity"-Fotos Mikroskop findet kugelrunde Körner

Der Mars-Rover "Opportunity" hat auf dem Roten Planeten einen weiteren möglichen Hinweis auf frühere Wasservorkommen gefunden. Die ersten Mikroskop-Bilder zeigen kugelrunde Sandkörner, die vielleicht durch fließendes Wasser geschliffen wurden.


Mikroskop-Bild von der Marsoberfläche: Kugelrunde Sandkörner
NASA/ JPL/ USGS

Mikroskop-Bild von der Marsoberfläche: Kugelrunde Sandkörner

"In diesem Boden gibt es Strukturen, die nichts ähneln, was wir bisher auf dem Mars gesehen haben", sagte Steve Squyres, Chefwissenschaftler für die Instrumente an Bord der Nasa-Roboter "Opportunity" und "Spirit". Die ersten Bilder des Mikroskops an Bord von "Opportunity" zeigen feinkörnigen Sand mit einzelnen gröberen Körnern. "Einige von ihnen sind überraschend rund ", sagte Squyres.

Auf den Bildern sind auch Partikel mit zerklüfteten Formen zu sehen. "Die Vielfalt von Formen und Farben deutet darauf hin, dass die Partikel auf unterschiedliche Arten entstanden sind", erklärte Ken Herkenhoff vom astrogeologischen Team des U.S. Geological Survey. Eine mögliche Erklärung für die runden Sandkörner sei die frühere Existenz von fließendem Wasser auf der Marsoberfläche. In Frage kämen aber auch Vulkanausbrüche oder Einschläge von Meteoriten, die Gestein geschmolzen und im weiten Umreis verteilt haben könnten.

Sollte sich zur Zeit eines Meteoriteneinschlags Wasser auf dem Mars befunden haben, könnte den derzeitigen Theorie zufolge Gas ins flüssige Gestein gelangt sein, was die auf den Mikroskop-Bildern sichtbaren Löcher und Blasen in den Sandkörnern erklären würde. Um der Lösung des Rätsels näher zu kommen, wollen die Techniker im Nasa-Kontrollzentrum in Pasadena ein Loch in den Marsboden buddeln. Eines der sechs Räder von "Opportunity" soll sich drehen und sich in den Sand graben, während die anderen fünf Räder stillstehen.

Zugleich lieferte "Opportunitys" Miniatur-Thermalemissions- Spektrometer ("Mini-TES") eine erste Mineralien-Karte von der Umgebung. Sowohl dieses Bild als auch Messungen des Mößbauer-Spektrometers an Bord des Roboters deuten nach Angaben der Nasa auf die Existenz von Hämatit hin. Das Mineral gilt als ein mögliches Anzeichen für eine feuchte Vergangenheit des Mars.

Mineralien-Karte: Das "Mini-TES" an Bord von "Opportunity" zeigt Vorkommen von Hämatit (rote und gelbe Flecken)
NASA/ JPL/ ASU/ Cornell

Mineralien-Karte: Das "Mini-TES" an Bord von "Opportunity" zeigt Vorkommen von Hämatit (rote und gelbe Flecken)

"Opportunitys" baugleicher Zwillingsbruder "Spirit" erholt sich derweil weiterhin von seiner schweren Fehlfunktion. Der Flash-Speicher des Roboters soll nach viertägigen Tests von alten Daten gereinigt und komplett neu formatiert werden. Am morgigen Freitag soll "Spirit" die Untersuchungen an einem Fels namens "Adirondack" wieder aufnehmen, indem er ihn reinigt und die saubere Oberfläche unter die Lupe nimmt.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.