Oumuamua Forscher liefern Erklärung für mysteriösen Himmelskörper

Als der zigarrenförmige Himmelskörper Oumuamua im September 2017 entdeckt wurde, war von einem Alienraumschiff die Rede. Viele Spekulationen später haben Forscher nun Antworten.

Eine künstlerische Darstellung von Oumuamua
AFP/ ESO

Eine künstlerische Darstellung von Oumuamua


Der Begriff Oumuamua aus der hawaiianischen Sprache bezeichnet einen ersten Besucher, einen Boten, könnte man sagen. Genau das war das merkwürdige Himmelsobjekt ohne Zweifel, das Forscher im Herbst 2017 mit dem Pan-Starrs-Teleskop auf Hawaii entdeckt hatten und so benannten. Ein paar Tage zuvor war der einige Hundert Meter lange, zigarrenförmige Brocken an der Erde vorbeigerauscht.

Nur was für eine Art von Bote Oumuamua war, darüber rätseln Astronomen seitdem. Ein Bote aus ferner Vergangenheit, aus den Tiefen des Alls? Das gilt als wahrscheinlich. Auch wenn die genaue Herkunft bisher nicht geklärt ist, handelt es sich bei dem dunkelroten Objekt offenbar um einen interstellaren Körper, der also von weit außerhalb unseres Sonnensystems stammt. Wahrscheinlich ist er Milliarden von Jahren alt und bekam in dieser Zeit auch eine Art Hitzeschutz aus organischen Verbindungen.

Oder aber ist das Ding ein Bote ganz anderer Art, von einer unbekannten Zivilisation hergestellt und in unsere Richtung ausgesandt? Mit dieser Interpretation hat Avi Loeb weltweit Schlagzeilen gemacht, der Chefastronom der renommierten Harvard University. Im Gespräch mit dem SPIEGEL berichtete Loeb von den vielen Merkwürdigkeiten, die das Objekt aufweise, und zitierte dann den Detektiv Sherlock Holmes: "Wenn du das Unmögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch erscheinen mag."

Eine am Montag im Fachmagazin "Nature Astronomy" veröffentlichte Studie legt nun aber nahe, dass Oumuamua wohl doch einen komplett natürlichen Ursprung hat. Ein Team von gut einem Dutzend Astronomen aus Amerika und Europa hat sich die Eigenschaften des Körpers angesehen - und ist der Meinung, dass es für die Erklärung keinen Eingriff einer Macht von außen braucht. "Die Hypothese vom Alienraumschiff ist eine lustige Idee", sagt Matthew Knight von der University of Maryland, einer der beteiligten Forscher, "aber unsere Analyse legt nahe, dass es eine ganze Menge natürliche Phänomene gibt, die das alles erklären können."

So sei unter anderem denkbar, dass ein um einen anderen Stern kreisender Gasplanet, vergleichbar mit dem Jupiter, für die Beschleunigung des Himmelskörpers verantwortlich ist. Er hätte mit seiner Gravitationswirkung den bereits rotierenden Oumuamua aus seiner angestammten Bahn herausgekickt - und in Richtung des Sonnensystems beschleunigt. Diese These war in der Vergangenheit bereits geäußert worden.

Hoffen auf neue Beobachtungen

Die Forscher gehen davon aus, dass es zahlreiche solcher Objekte im All gibt. Auch diese Annahme hatten Kollegen in früheren Forschungsarbeiten bereits präsentiert.

Mit dem Start des Large Synoptic Survey Telescope in Chile im Jahr 2022 hofft das Team auf mehr entsprechende Beobachtungen. Von Oumuamua selbst wird die Menschheit allerdings nichts mehr erfahren, er ist für unsere Teleskope längst zu weit von der Erde entfernt. Klar ist aber: Ein Lauschangriff auf den wundersamen Boten aus den Fernen des Alls war ergebnislos geblieben.

Wenn es sich also tatsächlich um einen Boten einer fremden Lebensform gehandelt hätte, dann hätte der seinen Job nicht wirklich zufriedenstellend erledigt.

chs

insgesamt 102 Beiträge
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trompetenmann 01.07.2019
1. Hmm, richtig aufschlussreich ist der Artikel nicht.
Meines Wissens ist die Beschleunigung beim Verlassen unseres Sonnensystems ungeklärt gewesen. Ist das jetzt gelöst? Gab ja noch einige andere Unerklärlichen Beobachtungen, wenn ich recht erinnere.
marthaimschnee 01.07.2019
2. ist das alles?
da werden Erklärungen versprochen und dann kommt lediglich "könnte von einem Gasriesen aus der Bahn..". Ja klar ist das Teil sehr wahrscheinlich von irgendwas großem aus seiner Bahn geworfen worden. Schonmal bemerkt, daß sich das Universum permanent verändert? Daß sich Gravitationsquellen ebenfalls bewegen? Das Teil kann eine Milliarde Jahre um einen Stern rotiert sein und dann kommt ein anderer Stern in die Quere und schon ist die Umlaufbahn gestört und das Teil verdünnisiert sich, übrigens auch nicht plötzlich, sondern vielleicht über Millionen Jahre, so wie unser Mond das tut. Das ist weder eine Erklärung noch eine Antwort, das ist ganz einfach offensichtlich!
Barfüsser 01.07.2019
3. An
ein außerirdisches Objekt habe ich keine Sekunde gedacht. Werden wir wohl auch auf der Erde alleine durch die Größe des Universums und den dadurch vorhandenen Entfernungen wohl nicht zu Gesicht bekommen. Denn die Gesetze der Physik gelten im ganzen Universum und von daher kann man solche Entfernungen auch nie überbrücken, weder wir noch, falls es diese irgendwo gibt, die Außerirdischen.
sven2016 01.07.2019
4. Viele Fakten enthält der Artikel
nun gerade nicht. Nur eine Hypothese zum Verlassen der ursprünglichen Bahn, das war es dann schon. "Plausibel erklärt" finde ich eigentlich nichts.
Emderfriese 01.07.2019
5. Alien
Geht man nach dem Holmes'schen Ausschlussverfahren, bleiben allerdings noch viele Fragen offen. Das "Wie" der Beschleunigung dieses Himmelskörpers, um in unser Sonnensystem zu kommen, ist noch das Einfachste. Beeindruckend ist doch auch die Form und - denkbare - die Zielgerichtetheit auf unsere Sonne... da bleibt noch viel zum Spekulieren...
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