Satellitenbild der Woche Meer verschluckt Insel

Nach einem Erdbeben tauchte 2013 plötzlich eine Insel im Arabischen Meer auf. Knapp sechs Jahre später kann man sie von der Küste aus nicht mehr sehen, doch ein Satellitenbild verrät das Eiland.


Im September 2013 starben Hunderte Menschen bei einem heftigen Erdbeben im Südwesten Pakistans. Die Eruption der Stärke 7,7 hinterließ nicht nur bei den Menschen Spuren, sondern auch in der Landschaft. 400 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt, in der Hafenstadt Gwadar, ragte plötzlich eine neue Insel aus dem Arabischen Meer.

Ein Schlammvulkan, der infolge des Erdbebens aktiv geworden war, hatte die 20 Meter hohe, 90 Meter breite und 40 Meter lange Insel ausgespuckt. "Es war ein bisschen unheimlich", berichtete der Anwohner Muhammad Rustam damals. Die Insel bekam den Namen Zalzala Koh, was Erdbebenberg bedeutet. Nun hat das Meer das Eiland wieder verschluckt.

Bereits kurz nachdem die Insel entstanden war, hatten Geologen prognostiziert, dass der schlammige Untergrund Wellen und Tide nicht lange standhalten würde. Die "Landsat"-Satelliten der Nasa haben die Region über Jahre beobachtet. Ihre Bilder zeigen, wie die Insel im September 2013 plötzlich aus dem Meer ragte, drei Jahre später wieder zu einem großen Teil mit Wasser überspült wurde und heute fast gar nicht mehr zu sehen ist.

Nach seiner Entstehung war das neue Stück Land deutlich zu erkennen. Das Satellitenbild zeigt, wie durch Meerwasser Schlamm und Sedimente um die Insel aufgewühlt wurden. Nur drei Jahre später hat Wasser die Insel bei Flut überschwemmt und inzwischen kann man sie von der Küste aus gar nicht mehr sehen. Doch die Reste der einstigen Landfläche sind aus dem All bis heute wahrnehmbar.

Inselreste wirbeln Schlamm auf

Auf dem neuesten Satellitenbild vom April 2019 wirbeln weiter Sedimente um die unter Wasser liegende Masse. Im Bild sind sie als hellblauer Bereich zu erkennen. Allerdings verteilt das Wasser auch diese letzten Inselreste nach und nach im Meer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis nichts mehr von ihr übrig ist - falls nicht ein weiteres Erdbeben neues Material für die Insel liefert.

Die Schlammvulkane entlang der pakistanischen Küste entstehen durch Bewegungen tektonischer Platten. Die arabische Platte sinkt jedes Jahr einige Zentimeter unter die eurasische Platte. Dabei werden weiche Sedimente nach oben gepresst, die der Hauptbestandteil der Vulkane sind.

Heizt sich die Plattengrenze durch extremen Druck auf, schmilzt Gestein zu Magma. Gemeinsam mit heißen, vulkanischen Gasen erhitzt es Wasser in der Tiefe so stark, dass eine Säure entsteht, die Fels zersetzen kann. Von Zeit zu Zeit bahnt sich diese Masse aus heißem Schlick ihren Weg an die Erd- beziehungsweise Wasseroberfläche.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

So ist Zalzala Koh auch nicht die einzige Insel in der Region, die plötzlich durch einen Schlammvulkan entstanden ist. Etwa 124 Kilometer entfernt gibt es ein ähnliches Eiland, das mehrfach aus dem Wasser auftauchte und wieder verschwand. Zum ersten Mal wurde es 1945 dokumentiert und verschwand anschließend wieder. Dann tauchte es 1999, 2010 und 2013 erneut auf. 1945 und 2013 waren große Erdbeben die Ursache.

jme



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