Florida Das Rätsel um den "Feuerball" ist gelöst

Am Himmel über Florida bestaunten Bewohner einen mysteriösen "Feuerball". Bei der Polizei im Palm Beach County gingen Dutzende Anrufe besorgter Bürger ein. Nun steht fest, dass Weltraummüll die Aufregung ausgelöst hat.


"Wir wurden vergangene Nacht nicht von Marsmenschen überfallen", erklärte das Sheriffbüro in Palm Beach County halbernst - und reagierte damit auf Dutzende Anrufe besorgter Bürger. Die hatten am Himmel über Florida ein Objekt gesichtet, das sie an einen orangefarbenen Feuerball erinnerte.

"Ich weiß nicht, ob es ein Flugzeugabsturz oder ein Komet oder eine Sternschnuppe war, aber irgendwas ist als Feuerball vom Himmel gefallen", sagte beispielsweise einer der Anrufer, der den Notruf gewählt hatte. Er habe noch nie etwas Größeres am Himmel gesehen. Das Sheriffbüro veröffentlichte den Anruf sowie mehrere Videoaufnahmen bei Twitter und erklärte dort auch, man schätze "das Vertrauen, das Sie uns entgegenbringen, um intergalaktische Eindringlinge zu stoppen".

Bei der American Meteor Society gingen nach Mitternacht etwa 23 Meldungen über das Himmelsspektakel ein, von Jacksonville im Norden bis nach Key West im Süden. "Es gibt noch keine wirkliche Erklärung dafür", hieß es zunächst von den Experten.

Diese Erklärung liegt inzwischen allerdings vor: Hinter dem Feuerball steckt Weltraummüll, der wieder in die Atmosphäre eintrat. Laut der American Meteor Society handelte es sich wahrscheinlich um den chinesischen Satelliten CZ-3B R/BV, der 2015 ins All geschossen wurde.

Auch Jonathan McDowell vom Zentrum für Astrophysik sagte der Nachrichtenagentur AP, es habe sich um Weltraumschrott beim Wiedereintritt in die Atmosphäre gehandelt. Seinen Angaben zufolge stammt er aber von den Überresten einer rund zwei Tonnen schweren chinesischen Rakete. Mit ihr sei im Januar ein militärischer Kommunikationssatellit ins All geschossen worden. Wie bei Weltraummüll üblich, seien auch die Überreste dieser Rakete verfolgt worden, sagte McDowell. So sei es einfach gewesen, die Daten mit den Zeit- und Ortsangaben aus den aktuellen Videos aus Florida zu vergleichen.

Dass Weltraummüll wieder in die Erdatmosphäre eintritt, sei nicht ungewöhnlich, so McDowell. Es passiere aber nicht oft "in der Nacht über den Vereinigten Staaten, wo viele Menschen es beobachten können; das ist es, was ungewöhnlich war".

aar/AP



insgesamt 10 Beiträge
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noalk 04.07.2019
1. statistisch gesehen ist das überhaupt nicht ungewöhnlich
Zitat: "Dass Weltraummüll wieder in die Erdatmosphäre eintritt, sei nicht ungewöhnlich, so McDowell. Es passiere aber nicht oft "in der Nacht über den Vereinigten Staaten, wo viele Menschen es beobachten können; das ist es, was ungewöhnlich war"." Zitatende. Ungewöhnlich wäre, wenn sich so etwas nie über diesem Gebiet zu dieser Zeit ereignen würde, denn schließlich liegt Florida - relativ nah am Äquator, weshalb dort auch Cape Canaveral ist - in der Einflugschneise von Weltraumschrott, anders als z. B. Deutschland, Im übrigen ist dort im Jahresmittel eine Nacht genau so lang wie ein Tag.
saumhuhn 04.07.2019
2. Die Erklärung ist trotzdem dünn,
denn es ist nur eine Mutmaßung. Ein Beweis dafür, dass es Weltraum-Müll war, steht noch aus. Da müßte man schon sämtlichen Weltraummüll katalogisiert haben und dann nachschauen, ob etwas seit diesem Ereignis "fehlt". Hat man das gemacht?
Tom Joad 04.07.2019
3. Nicht außergewöhnlich
Ich habe in meinem Leben schon drei dieser Feuerbälle beobachtet, orange leuchtend und viel längere Spuren ziehend als gewöhnliche Meteore. Wenn sie sich am Schluss zerteilen, das hat schon etwas Spektakuläres, wie ein lautloses Feuerwerk. Wie daraus eine Medienmeldung entstehen kann, verstehe ich trotzdem nicht - Klickköder für Verschwörungstheoretiker vermutlich.
varlex 04.07.2019
4.
Zitat von saumhuhndenn es ist nur eine Mutmaßung. Ein Beweis dafür, dass es Weltraum-Müll war, steht noch aus. Da müßte man schon sämtlichen Weltraummüll katalogisiert haben und dann nachschauen, ob etwas seit diesem Ereignis "fehlt". Hat man das gemacht?
"Wie wird Weltraummüll beobachtet? Objekte mit einem Durchmesser von über zehn Zentimetern werden routinemäßig durch ein Netzwerk von Radaranlagen und Teleskopen vermessen und katalogisiert. Diese Überwachungsstationen werden von den USA betrieben. Mit der deutschen Großradaranlage TIRA in Wachtberg bei Bonn kann man sogar kleinere Trümmerteilchen bis zu einem Durchmesser von etwa zwei Zentimetern aufspüren. Solche Messungen werden benutzt, um statistische Modelle über die Anzahl der Kleinteile zu überprüfen. Demselben Zweck dienen Untersuchungen an Satelliten-Teilen, die zur Erde zurückgebracht wurden, wie beispielsweise vom Hubble-Weltraumteleskop. Auf diesen fanden sich zahlreiche Einschläge mikrometer- bis millimetergroßer Partikel." https://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-2265/3376_read-5091/
polza_mancini 04.07.2019
5. Äh?
Zitat von saumhuhndenn es ist nur eine Mutmaßung. Ein Beweis dafür, dass es Weltraum-Müll war, steht noch aus. Da müßte man schon sämtlichen Weltraummüll katalogisiert haben und dann nachschauen, ob etwas seit diesem Ereignis "fehlt". Hat man das gemacht?
Zitat: Wie bei Weltraummüll üblich, seien auch die Überreste dieser Rakete verfolgt worden, sagte McDowell. So sei es einfach gewesen, die Daten mit den Zeit- und Ortsangaben aus den aktuellen Videos aus Florida zu vergleichen." Welchen Beweis brauchen Sie? Ein Selfie mit dem Müll im Hintergrund?
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