Pannenserie bei russischer Raumfahrt Start verschoben, Satelliten verloren

Die Probleme des russischen Weltraumprogramms reißen nicht ab: Der Start eines Navigationssatelliten wurde verschoben, ein Wissenschaftssatellit aufgegeben. Der Kampf um eine andere Sonde geht weiter - sie war letzte Woche auf Abwege geraten.

"Proton-M"-Rakete vor dem Start: "Prüfen, ob wir ihn nicht doch nutzen können"
AFP

"Proton-M"-Rakete vor dem Start: "Prüfen, ob wir ihn nicht doch nutzen können"


Moskau - Allmählich wird es bizarr, denn in Russlands Raumfahrt häufen sich die Probleme. Nachdem Ende letzter Woche der Kommunikationssatellit Express-AM4 wegen eines Fehlers in der Bris-M-Oberstufe des Proton-M-Trägers seine Umlaufbahn nicht erreicht hat, kamen ausgerechnet am Schlusstag des zehnten Luft- und Raumfahrtsalons MAKS vor den Toren Moskaus die nächsten schlechten Nachrichten.

Der erst am Freitag angekündigte Start eines neuen Glonass-Satelliten für das gleichnamige Weltraumnavigationssystem muss um einen Tag auf den 26. August verschoben werden, wie ein Sprecher des Moskauer Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur RIA Nowosti mitteilte. Einen Grund dafür nannte er allerdings nicht. Doch Experten gehen davon aus, dass man entweder vorsichtshalber die Oberstufe gründlich überprüfen will oder irgendetwas mit der Sojus-Rakete nicht stimmt. Glonass soll dem US-amerikanischen GPS-Navigantiossystem Konkurrenz machen.

Zu allem Unglück wurde nun bekannt, dass Russland in der abgelaufenen Woche auch den endgültigen Verlust seines Wissenschaftssatelliten Koronas-Photon einräumen musste. Eigentlich sollte er bis mindestens 2012 die Sonne erforschen. Doch dann fiel er aus, weil er nicht mehr auf das Zentralgestirn ausgerichtet werden konnte, so dass sich seine Batterien nicht mehr aufladen ließen.

Dass der Start des Glosnass-Satelliten verschoben wurde, liegt offenbar an den jüngsten Erfahrungen: Denn auch der letzte Start eines Glonass-Satelliten vom 26. Februar musste wegen eines Problems mit dem an sich sehr zuverlässigen Trägersystem zweimal verschoben werden. Eine russische Rakete hatte im Februar zudem den Militärsatelliten "Geo-IK 2" in eine falsche Umlaufbahn geschickt.

Und im Dezember waren drei russische Satelliten bei Hawaii in den Pazifik gestürzt. Die Satelliten waren ebenfalls für das russische Navigationssystem Glonass bestimmt. Die "Proton"-Trägerrakete, die die Satelliten in ihren Orbit bringen sollte, war damals mit der falschen Menge Treibstoff betankt gewesen - das verursachte nach Angaben von Roskosmos den Fehlstart. Präsident Dmitrij Medwedew feuerte nach der Pannedrei hochrangige Raumfahrtmanager. Im Mai wurde ein Strafverfahren gegen die vermeintlich Schuldigen eingeleitet.

Auch der Versuch, einen Mini-Sputnikzum 50. Jubiläum von Jurij Gagarins erstem Raumflug in den Erdorbit zu bringen, war von einer Panne überschattet. Die Kosmonauten Sergej Wolkow und Alexander Samokutjajew schafften es letztendlich aber, den "Kedr"-Satelliten während eines fast sechseinhalbstündigen Außeneinsatzes an der Internationalen Raumstation auf seine Reise zu bringen.

Derweil geht die Suche nach Express-AM4 weiter. Die Verbindung zu dem modernsten und teuersten Kommunikationssatelliten der Russen war letzte Woche vor dem fünften und entscheidenden Zünden der Oberstufe abgebrochen, mit dem er auf seine Umlaufbahn in 35.400 Kilometer Höhe gebracht werden sollte. Seither kämpft die Raumfahrtagentur Roskosmos um den 5,8-Tonnen-Koloss, der Russland und die GUS-Staaten 15 Jahre lang mit digitalen Fernseh- und Rundfunksendungen sowie Internet versorgen sollte. Außerdem laufen über ihn Geheimkanäle für den Präsidenten und die Regierung - was Premierminister Wladimir Putin am Wochenende in Rage gebracht haben soll.

Für den einzigen Lichtblick in der abgelaufenen Woche sorgten die Militärs. Von einer Basis bei Jasny im Gebiet Orenburg im Ural schossen sie mit einer Dnjepr-Rakete gleich sieben Kleinsatelliten für Kunden aus Nigeria, der Ukraine, den USA, der Türkei und Italien ins All - es gab keinen Zwischenfall.

boj/dapd

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
unifersahlscheni 22.08.2011
1. ...wenn das so weitergeht...
Zitat von sysopDie Probleme des russischen Weltraumprogramms reißen nicht ab: Der Start eines Navigationssatelliten wurde verschoben, ein Wissenschaftssatellit aufgegeben. Der Kampf um eine andere Sonde geht weiter - sie war letzte Woche auf Abwege geraten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,781544,00.html
...werden es die Russen wohl doch nicht schaffen den ersten Menschen vor den Amis auf den Mond zu schicken. :)
norak 22.08.2011
2. Bizarr
Bizarr dieser Artikel, wohl aus US Medien genährt, Russland schafft es (die NASA die nächste Zeit wohl nicht), die ISS sicher zu versorgen. Und Ausfaller hat die NASA und die US Air Force in diesen Jahr auch mehrfalls gehabt... Nur dominieren wohl russische Medien nicht so die westlichen...
Parvis 22.08.2011
3. Versorgung?
Zitat von norakBizarr dieser Artikel, wohl aus US Medien genährt, Russland schafft es (die NASA die nächste Zeit wohl nicht), die ISS sicher zu versorgen. Und Ausfaller hat die NASA und die US Air Force in diesen Jahr auch mehrfalls gehabt... Nur dominieren wohl russische Medien nicht so die westlichen...
Die Versorgung der ISS ist sichergestellt und dies nicht nur durch die Russen. Ich möchte nur an das europäische ATV und das japanische HTV erinnern. Auch die Raketen stehen zur Verfügung. Wo sie Recht haben, momentan sind nur die Russen in der Lage, Menschen zur ISS und wieder zurück zu bringen.
seine_unermesslichkeit 22.08.2011
4. ...
Zitat von norakBizarr dieser Artikel, wohl aus US Medien genährt, Russland schafft es (die NASA die nächste Zeit wohl nicht), die ISS sicher zu versorgen. Und Ausfaller hat die NASA und die US Air Force in diesen Jahr auch mehrfalls gehabt... Nur dominieren wohl russische Medien nicht so die westlichen...
Bizarr ist einzig der Sachverhalt, dass bei russischen Misserfolgen unter den ersten 10 diesbezüglichen Forumsbeiträgen mindestens 5 Beiträge zu finden sind, die solche Ausfälle mit amerikanischen Misserfolgen zu relativieren versuchen. Aber anders herum tut sich so gut wie nix. Wenn ein amerikanischer Flugkörper abschmiert finde ich kaum einen Forumsbeitrag der "Partei für die Amis ergreift", indem er relativierend auf Misserfolge der Russen verweist! Woran das wohl liegen mag?
asdf01 22.08.2011
5. .
Zitat von norakBizarr dieser Artikel, wohl aus US Medien genährt, Russland schafft es (die NASA die nächste Zeit wohl nicht), die ISS sicher zu versorgen. Und Ausfaller hat die NASA und die US Air Force in diesen Jahr auch mehrfalls gehabt... Nur dominieren wohl russische Medien nicht so die westlichen...
Ungewöhnlich ist das in der Tat eher nicht. Wenn man die Geschichte der russischen/sowjetischen Raumfahrt betrachtet, haben sie schon immer ein relativ hohe Ausfallquote gehabt. Aber man wird ja noch drüber berichten dürfen...
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