Parabelflug Star-Physiker Hawking schwebte

Stephen Hawking, der wohl berühmteste lebende Physiker, hat sich einen Traum erfüllt. Bei einem Parabelflug verlor der vollständig gelähmte Forscher für ein paar Minuten sein Gewicht und schwebte. Nun will Hawking ins Weltall.


Hawking war nach dem Flug begeistert: "Es war erstaunlich. Ich hätte immer weiter machen können." Unterstützt von Krankenpflegern machte der Ausnahmewissenschaftler zwei Drehungen "wie ein Goldmedaillen-Turner", sagte Flugveranstalter Peter Diamandis.

Stephen Hawking in der Schwebe: "Ich hätte immer weiter machen können"
REUTERS / Zero-Gravity Corporation

Stephen Hawking in der Schwebe: "Ich hätte immer weiter machen können"

"Für jemanden wie mich, dessen Muskeln nicht sehr gut funktionieren, wird es ein Glück sein, schwerelos zu sein", hatte Hawking vor dem Flug am Donnerstag erklärt. Der 65-Jährige leidet an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und kann nur mit einigen Gesichtsmuskeln kommunizieren, mit denen er einen Spezialcomputer bedient. Für Hawking ging mit dem Parabelflug ein Traum in Erfüllung: "Ich wollte schon mein ganzes Leben lang in den Weltraum fliegen."

Ins All stoßen Flugzeuge bei Parabelflügen allerdings nicht vor. Sie steigen steil auf 10.000 Meter Höhe, danach geht es im Sturzflug auf 2600 Meter in die Tiefe. Dabei erleben die Passagiere für etwa 25 Sekunden einen Zustand der Schwerelosigkeit. Solche Flüge sind auch Teil des Astronautenprogramms. Kurz vor Beginn des Manövers wurde Hawking von Helfern aus seinem Rollstuhl gehoben und auf Schaumstoff gelegt.

Den Schwebezustand hat der Physiker augenscheinlich gut verkraftet. Seinen Ärzten zufolge hat Hawking eine "unglaubliche Kondition". Herzschlag und Blutdruck seien "normal und perfekt" gewesen, hieß es bei der BBC. Die Piloten wiederholten das Manöver acht Mal und ließen den Astrophysiker so insgesamt vier Minuten die Schwerelosigkeit genießen.

Schwerelosigkeit als politischer Akt

Für Hawking war die Tour im Flugzeug auch ein politischer Akt: Er ist überzeugt, dass die kommerzielle Raumfahrt die Menschheit eines Tages vor der Vernichtung bewahren könnte. "Früher oder später könnte eine Katastrophe das Leben auf der Erde auslöschen", sagte der Physiker vor seinem Flug. Als Beispiele nannte er die globale Erwärmung, einen Atomkrieg oder ein genmanipuliertes Virus. Wenn die Menschheit langfristig überleben wolle, sei eine Expansion ins Weltall unumgänglich.

Für Hawking war der Flug übrigens tatsächlich ein Geschenk: Normalerweise nimmt das Luftfahrtunternehmen Zero Gravity Corporation 3750 Dollar (über 2700 Euro) für einen solchen Bocksprung-Flug. Für Hawking jedoch war er kostenlos - und für die Spender ist mit der Aktion ein willkommener Werbeeffekt verbunden.

Hawking trommelt auch schon seit einiger Zeit für die echten All-Flüge, die der britische Multimillionär Richard Branson demnächst veranstalten will: Ab 2009 soll man mit der Fluglinie "Virgin Galactic" an suborbitalen Flügen bis zu einer Höhe von 140 Kilometern teilnehmen können. Hawking möchte gern dabei sein. Schon im vergangenen Jahr hatte er der BBC gesagt: "Mein Ziel ist es, ins All zu fliegen - vielleicht wird mir Richard Branson dabei helfen."

Ein regulärer Flug mit Bransons Weltraum-Linie könnte selbst für den Bestsellerautoren Hawking etwas teuer kommen: Momentan wird der Preis für eine Tour mit etwa 140.000 Euro angegeben.

Hawking hat zahlreiche preisgekrönte Arbeiten über theoretische Physik und Weltraumforschung veröffentlicht. Sein Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" wurde in vielen Sprachen zum Bestseller. Im All war der Wissenschaftler bislang aber nur in Gedanken.

cis/AP/AFP/dpa



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